von Britta / Thema: Kultur / am 12. Oktober 2017um12:11

Gewinn à la Ruhrgebiet: Die Ruhr Bühnen bescheren mir eine „Gemischte Tüte“

Am Morgen des 1. Oktobers wache ich ziemlich nervös auf. Seit Monaten arbeite ich an der Vermarktung des Überraschungs-Formats der RuhrBühnen mit. Und nun ist es soweit: Für mich heißt es heute – genau wie für die restlichen 1.099 wagemutigen Teilnehmer*innen an „JackPott – Eine Reise zu den RuhrBühnen“ – drei aus zehn an einem Tag! Welches Los die Theaterbegeisterten mit dem Kauf ihres Tickets gezogen haben, bleibt ihnen bis zum Zeitpunkt des Eintreffens an den Spielstätten verborgen. Alles, was sie wissen: Sie werden per Bus von der Jahrhunderthalle Bochum aus auf einer von sechs Routen zu dreien der zehn teilnehmenden RuhrBühnen gebracht, und sehen also an einem Tag gleich drei Inszenierungen an drei verschiedenen Theatern im Ruhrgebiet. Mit von der Partie sind: Schauspielhaus Bochum, Theater Dortmund, PACT Zollverein, Theater und Philharmonie Essen, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Theater Hagen, Schlosstheater Moers, Ringlokschuppen Ruhr, Theater an der Ruhr und Theater Oberhausen. Am Abend kehren alle Reisenden zur Jahrhunderthalle zurück. Der Rest dazwischen bleibt ihnen ungewiss. Sicher ist jedenfalls schon jetzt: Die Sonne scheint – das ist gut. Auch, dass das große JackPott-Banner hängt. Die Gäste können also kommen. Und das tun sie auch.

Die Sonne scheint, das Banner hängt – die Gäste können kommen.

Inkognito auf Route 5

Ich weiß natürlich ein bisschen mehr als alle anderen… Die genauen Routenstrecken beispielsweise, und welche Stücke auf welcher der sechs Routen zu sehen sein werden. Was das angeht, hält sich meine Spannung in Grenzen, und vor allem mein Mund verschlossen. Ich bin eher ziemlich neugierig zu erfahren, wie dem Publikum diese besondere Reise gefällt, ob die ganze Planung klappt und die Idee dieser Veranstaltung mit der die endende Ruhrtriennale den „Staffelstab“ an die RuhrBühnen übergibt, deren Spielzeit beginnt, Anklang findet. Dazu begleite ich die Gäste mehr oder weniger inkognito auf Route 5. Und natürlich freue ich mich sehr auf die Stücke, die ich heute sehen werde. Hoffentlich wird es eine bunte Mischung. Die Farbe jedenfalls, an die ich mich zu halten habe, um nicht verloren zu gehen: Pink – es hätte mich schlechter treffen können.

Ich bin heute mit knapp 50 weiteren Theaterreisenden auf der pinken Route 5 unterwegs.

Es geht wirklich los!

Mittlerweile ist jeder, der beim Kauf seines Tickets auf Route 5 gesetzt hat, am entsprechenden Counter mit seinem pinkfarbenen Zugangsbändchen ausgestattet worden. Jetzt heißt es: „Gleich geht es wirklich los. Bitte halten Sie sich zum Boarding bereit und folgen Sie dann dem Schild ‚Route 5 A‘ sobald Sie aufgerufen werden.“ Meine Pink-markierten Mitreisenden und ich werden langsam unruhig. Ob man sich trauen soll, noch einmal schnell ein gewisses Örtchen aufzusuchen? Besser nicht. Denn die Abfahrt zu verpassen, bedeutet leider Game Over. Angeblich gibt es auch in den Bussen Toiletten… Und siehe – oder besser gesagt – höre da, nach einigen Augenblicken ertönt eine freundliche Stimme über die Lautsprecheranlage und bittet alle Reisenden auf Route 5, sich auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle einzufinden. Und schon setzt sich eine eher kleine Gruppe hinter dem Pink leuchtenden Schild in Richtung der Haltestelle in Bewegung , an der einer der 23 Busse auf uns wartet.

Rätsel um die Routenführung – ungelöst

Einmal den Bus betreten, ist es ein bisschen wuselig. Alle sortieren ihre Jacken und Taschen und managen nebenbei vorbereitete RuhrBühnen-Lunchbeutel und JackPott-Programmhefte, die auf den Sitzen bereit liegen bevor dort selbst Platz genommen werden kann. Als Bus 5A sich dann in Bewegung setzt, inspiziert die Reisegruppe neugierig Inhalt von Tasche und Heft. Letzteren – so höre ich hier und da – vor allem in der Hoffnung zu erfahren, wohin die Reise heute geht. Aber nix da! Das Rätsel um die Routenführung löst das Programmheft nicht auf. Es macht die Spannung nur noch ein bisschen größer: Denn erst jetzt wissen meine Mitreisenden, welche Stücke im Topf sind, und welche sie vielleicht wirklich ganz gern sehen würden und welche nicht. Aber heute bestimmen die Theater die Spielregeln, und erfüllen sich den Wunsch, neue Besucher*innen mit ihren Darbietungen zu überraschen – und hoffentlich auch zu überzeugen.

Gelsenkirchen – Oberhausen – Essen

Auf den anderen Routen fahren die Busse Kolonne. Auf meiner Route beschränkt sich die Gruppe auf die knapp 50 Leute in meinem Bus. Als wir jedoch am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen vorfahren, tummeln sich dort bereits verdächtig viele Menschen. Aaah, stimmt: Die Reisenden auf Route 5 und die lilafarbige Route 6 werden hier zusammen „Fifty Fifty – Die Wunschkonzert-Show“ erleben. Und in der Tat: Es ist ein Erlebnis! Mitmachen erwünscht. Das Publikum wählt die Lieder aus, die die Sänger*innen performen – schunkeln, klatschen, mitsingen, wippen und headbangen – alles erlaubt.

Nach der Abfahrt stelle ich fest: Ab jetzt wandelt der Bus 5A auf einsamen Pfaden. Route 6 schlägt einen anderen Weg ein. Nächster Halt für uns: Das Theater Oberhausen. Wir werden nicht in das Hauptgebäude geführt, sondern nehmen in der intimen Atmosphäre von Saal 2 Platz. Wir sind ganz nah dran. Und das in doppeltem Sinne: Sowohl an den beiden Darstellern der Performance als auch an den Themen, die sie abhandeln. Die „TRASHedy“ konfrontiert uns mit unserer Entscheidungsfreiheit im Hinblick auf unser Konsumverhalten und gibt jedem etwas zum Nachdenken mit auf den Weg.

Wieder im Bus wird mir bewusst: Oje, nun nehmen wir schon Kurs auf unsere letzte Station der Reise. Wie kurzweilig es bis hierher war. Auch in der Casa Box des Schauspiel Essen finden meine Mitreisenden und ich uns nicht in einem der ganz großen Zuschauerräume des Ruhrgebiets wieder. Mir gefällt’s. Und als die „Pussy Riots“ hier ihren punkigen „Aufstand in drei Akkorde(n)“ proben, bin ich sowieso voll bei der Sache: Einmal bitte das Patriarch hinterfragen und so. Danke.

Für zwischendurch und für danach

So, nun nutze ich doch einmal die Karte im Programmheft und markiere die Theater, die ich heute besucht habe mit den passenden beiliegenden Stickern. Da klaffen natürlich für die kommende Spielzeit noch einige Lücken, teilweise auch an Spielstätten, an denen ich noch nie war. Und damit bin ich wahrscheinlich nicht allein. Als herausnehmbarer Reminder, sich auch noch einmal selbst auf die Reise zu den Theatern des Ruhrgebiets zu machen, dient ein kleiner Leporello: Den Besuch bei einer der RuhrBühnen können die Theatergänger sich mittels Stempel darin belegen lassen. Jeder, der per Stempelheft den Besuch an drei Theatern nachweist, kann sogar etwas gewinnen. Das sollte aber natürlich nicht der einzige Anreiz sein, die RuhrBühnen zu entdecken…

Am Ende kommen alle wieder zusammen

Zurück in der Jahrhunderthalle kann ich von meiner „gemischten Tüte“ Theater berichten. Musik, Performance, Sprechtheater – alles dabei. Für mich ein Gewinn der Extraklasse! Während ich im Kreise meiner Liebsten bei Musik der kleinsten Big Band der Welt „Marina & The Kats“, leckerem Essen und guten Gesprächen den Tag in der eindrucksvollen Jahrhunderthalle ausklingen lasse, scheint es überall nur ein Fazit für diesen ereignisreichen Tag zu geben. Auch wenn sich nicht jeder gleichermaßen glücklich mit seinem Los für heute schätzt, so sind sich doch alle einig: Dieser Tag hat den Geist der RUHR.2010 geatmet. Das Format gefällt, die Organisation war spitze, das Begleitpersonal superfreundlich… Bitte gerne wieder. Neues Spiel, neues Glück.

Meine Empfehlung: Wartet doch nicht bis zur nächsten Theaterreise. Stellt euch einfach eure eigene „gemischte Tüte“ zusammen. Im Vergleich zur handelsüblichen Tüte vom Büdchen nebenan, spart ihr Kalorien UND nehmt trotzdem etwas mit nach Hause. Also: Drei, zwei Risiko. Traut euch. Stellt euer Glück auf die Probe. Die Spielzeit 2017/2018 klingt vielversprechend.

Andrea vom Blog snoopsmaus war auch auf Theaterreise: Lest hier, wie es ihr gefallen hat!

FOTOHINWEIS: Der Rechteinhaber der Bilder ist der Regionalverband Ruhr, Theaterreise der RuhrBühnen, Offenblen.de Agentur für Fotografie.

 

 

Allgemeine Informationen

Ruhr Bühnen

Unter dem Namen RuhrBühnen haben sich elf öffentlich getragene Bühnen in neun Städten des Ruhrgebiets zusammengeschlossen, die Sie einladen, eine Welt aus Theater, Tanz, Musik, Performance, Sprache, Klang und Spiel aus den unterschiedlichsten künstlerischen Perspektiven städteübergreifend zu entdecken. Zu den RuhrBühnen gehören: Schauspielhaus Bochum, Theater Dortmund, Deutsche Oper am Rhein, PACT Zollverein, Theater und Philharmonie Essen, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Theater Hagen, Schlosstheater Moers, Ringlokschuppen Ruhr, Theater an der Ruhr, Theater Oberhausen. Mehr Infos finden Sie hier: http://ruhrbuehnen.de/




Britta Ein Artikel von

Ich bin Britta und als Kunsthistorikerin die Kulturtante im Autorenteam. Nichts läge also näher, als dass ich für und mit Euch das Ruhrgebiet als Kulturgebiet entdecke. Ins Museum oder Theater zu gehen ist ja irgendwie immer ein Abenteuer. Man muss sich schon trauen... und nicht selten frage auch ich mich: Was will der Künstler mir sagen? Und ab dann wird es doch – finde ich – erst richtig spannend. Das Allerbeste: Im Ruhrgebiet gibt es die geballte Ladung an Möglichkeiten, solche Momente zu erleben. Bei Ruhr Tourismus bin ich für die Pressearbeit und das Eventmarketing der Kulturnetzwerke RuhrKunstMuseen und RuhrBühnen verantwortlich.

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