von Christiane | 31. Juli 2019 | KATEGORIEN Erlebnis, Industriekultur | 2 Kommentare

Die Villa Hügel – das „Groß“-Od (Kleinod wäre untertrieben) im Essener Süden – bietet eine gelungene Mischung aus Natur und Kultur und da mir heute ein wenig nach Kultur ist, statte ich dem „Einfamilienhaus mit Garten“ mal wieder einen Besuch ab. Mit einem Tageseintritt von € 5, könnt Ihr einen ganzen Tag lang beide Häuser erkunden und den tollen Park genießen.

Das Bild zeigt die imposante Villa Hügel in Essen
Imposant ist sie, die Villa Hügel in Essen

Beide Häuser meint: das „Große“ und das „Kleine“ Haus. Zum Glück habe ich keinen Zutritt zu allen 269 Räumen, sonst wäre ich tagelang beschäftigt. Tatsächlich sind es nur wenige Räume im Großen Haus, die ich mir angucken kann. Aber die schiere Größe dieses Hauses ist einfach beeindruckend!

Das Bild zeigt die Eingangshalle der Villa Hügel in Essen
Pompöse Eingangshalle des „Großen Hauses“ der Villa Hügel

Nicht nur zum Wohnen!

Schwer vorstellbar, dass man dort gemütlich wohnen konnte. Das war aber wohl auch nicht die einzige Aufgabe, die der Bauherr Alfred Krupp ab 1873 im Sinn hatte. Er und auch die späteren Generationen nutzten das Haus für die Repräsentation und dafür sollte genügend Platz sein: 8.100 qm Wohn- und Nutzfläche. In der Eingangshalle begegnen mir die Familienmitglieder „in Öl“: vier Generationen Krupp haben das Haus bewohnt und sind dort in Gemälden verewigt. Besonders das riesige Gruppenporträt der Familie Krupp von Bohlen und Halbach ist beeindruckend.

Früher viel Stahl, heute viel Holz!

Das Bild zeigt die Bibliothek der Villa Hügel
Die Bibliothek der Villa Hügel

Ich gehe weiter durchs Haus und mir fällt die dunkle Ausstattung aus Holz auf. Kaum zu Glauben, denn Alfred Krupp hatte Angst vor Bränden und hat bei der Einrichtung seiner Villa statt auf Holz auf viel Stahl gesetzt. Seine Nachkommen hatten damit wohl keine Probleme. Vielleicht war ihre Hoffnung, das riesige Gebäude durch viel Holz etwas wohnlicher zu gestalten.

Das kleine Haus ist nicht wirklich klein!

Das Bild zeigt das "Kleine Haus" der Villa Hügel
Ganz schön groß, das „Kleine Haus“ der Villa Hügel

Tatsächlich gemütlicher geht es im kleinen Haus zu. Die Räume sind viel kleiner und haben zum Teil schöne Stuckdecken. Ursprünglich waren hier Gäste untergebracht; heute gibt es im Erdgeschoss viele Erinnerungsstücke an die Familie und in der 1. Etage kann man sehen, womit Alfred Krupp so erfolgreich wurde und was die Firma Krupp in den 200 Jahren ihres Bestehens erlebt hat. Klasse finde ich, dass man sich auch alte Filme angucken kann.

Der grandiose Park der Villa Hügel

Jetzt reicht es mir und ich muss an die frische Luft. Hinein in den Park, in dem tolle alte Bäume stehen. Alfred Krupp hat ausgewachsene Bäume hier hin geholt, weil er direkt einen richtigen Park um seinen Neubau herum haben wollte. Ich merke bald, dass zwar viele Besucher die Villa, aber nicht den Park besuchen. Ich bin weit und breit die einzige, die den Park genießt. Hat man nicht oft im Ruhrgebiet!

Das Bild zeigt Die Villa Hügel von außen
Auch von hinten sehenswert: Die Villa Hügel

Das war genug Krupp für einen Tag, auch wenn ich noch sehr viel länger hätten bleiben können. Das hebe ich mir für ein Winter-Wochenende auf.

Eine kurze Wanderung durch den Krupp-Wald

Das Bild zeigt das Torhaus der Villa Hügel
Sehr hübsch und auch nicht grad klein: Das Torhaus der Villa Hügel

Nach so viel Kultur lockt es mich jetzt ans Wasser. Man kann unten aus dem Park heraus gehen und ist ruckzuck am Baldeneysee. Ich gehe aber lieber  oben an dem idyllischen Pförtnerhaus vorbei und danach sofort rechts durch das Dreh-Törchen. Dort geht nicht nur der Baldeneysteig entlang, sondern auch die recht junge Pilgerroute des Bistums Essen (folgt einfach den pinken Aufklebern). Durch den Krupp-Wald geht’s nun hinunter Richtung See, aber ich komme nicht weiter als bis „Zur Kluse“. Bei dieser Sommer-Hitze ist das einer der besten Plätze in Essen, denn der Biergarten ist wunderbar schattig!

So eine Idylle!

Das Bild zeigt den Biergarten Zur Kluse in Essen
Perfekt für eine Rast an einem heißen Sommertag

Hier lockt aber nicht nur der Biergarten, sondern die ganze Anlage ist sehr idyllisch. Direkt neben dem Fachwerkhaus steht die Klusen-Kapelle. Wenn ihr dort seid, geht unbedingt hinein. Sie ist (fast) immer geöffnet. Im Mittelalter soll in dieser Abgeschiedenheit eine an Lepra erkrankte Adelige gelebt haben. Das ist lange her, heute ist es ein sehr schön gestaltetes Kirchlein mit Fenstern, die die mittelalterlich-blutige Kirchengeschichte erzählen.

Das Bild zeigt den Strandclub Seaside Beach in Essen am Baldeneysee
Jetzt heißt es „chillen“ im Seaside Beach am Baldeneysee

Das war genug Kultur für einen Tag: Ihr könnt jetzt noch ins Seaside Beach gehen oder eine Bootsfahrt auf dem See machen. Für mich ist es nicht weit zur S-Bahn-Station Hügel und fahre zurück Richtung Essen City.

Alle Infos auf einen Blick

Villa Hügel
Hügel 1
45133 Essen
www.villahuegel.de

Noch ein Tipp: guckt vorher auf der Homepage, ob das Große Haus geöffnet ist. Manchmal sind dort Veranstaltungen und dann kommt man nur ins Kleine Haus.

 

Zur Kluse
An der Kluse 27b
45133 Essen
www.zurkluse.de

 

Seaside Beach
Freiherr-vom-Stein-Str. 384
45133 Essen
www.seaside-beach.de

 

2 Kommentare auf den Beitrag “Alfred Krupp, Villa Hügel und drum herum – unterwegs im Essener Süden

  1. Hallo, schöner Artikel über die Villa Hügel. Danke für den Tipp, von hier aus zur Kluse zu gehen, ich wußte nicht, dass es so nah ist.
    Ich wohne in Fischlaken und bin mit meinem Mann, der Rollstuhlfahrer ist, oft am Baldeneysee. Zur Villa Hügel kommen wir aber leider gemeinsam nicht, denn der S-Bahnhof Hügel ist nicht barrierefrei. Ich war also nur einmal ohne ihn dort in den 5 Jahren, die ich jetzt hier lebe. Ich finde das unglaublich, dass man gerade hier nicht barrierefrei gebaut hat, an einer der größten Touristenattraktionen Essens. Bestimmt kommt man mit Umsteigen auch mit dem Bus hin, aber es wäre viel bequemer, wenn wir wie Nichtbehinderte die eine Station mit der S-Bahn fahren könnten.
    Warum niemand im Park war, dafür habe ich evtl auch eine Erklärung: es gibt zu wenig Bänke. Jedenfalls in dem Teil des Parks, durch den ich spaziert bin, da wo das niedliche Spielhaus steht. Dort gibt es dann Bänke, aber rundherum weit und breit keine 😉
    Liebe Grüße 🙋
    Bettina

    • Hallo Bettina,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Leider haben wir auf die Barrierefreiheit des Bahnhofs und auf zu wenige Bänke im Hügelpark keinen Einfluss. Ich muss dir recht geben, dass es schwierig ist, als Rollstuhlfahrer mit dem ÖPNV zur Villa Hügel zu kommen. Dafür freut es mich, dass der Hinweis auf die Kluse etwas Neues für dich war. Grüße aus Oberhausen, Christiane

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