von Heike | 18. Februar 2021 | KATEGORIEN Erlebnis, Event, Genuss | 0 Kommentare

Leute, was soll ich sagen, ich habe mich fast ein ganzes Corona-Jahr lang regelrecht dagegen gesträubt, digitale Angebote zu nutzen. Ob Yoga, Fitness, Tastings oder Kurse – ich wollte einfach nicht zu viel Digitales, bei dem ich auch noch in der Freizeit am Rechner hänge und nichts „Echtes“ mehr erlebe. Tja, aber Corona hat einen Strich durch meine Abwehrhaltung gemacht und so langsam bekommt die Anti-Digital-Fassade Risse. „Ker, warum denn nicht?“ hab ich mich gefragt und mir kurzerhand einen Zugang zu meinem ersten digitalen Erlebnis verschafft. Kurz drauf folgten Nummer zwei und drei – Ihr seht also, ich bin doch nicht so anti, sondern habe im Gegenteil sogar Gefallen an den digitalen Formaten gefunden. Was ich ausprobiert habe und wie es mir gefallen hat, zeige ich Euch jetzt!

Ein Bier wird eingeschenkt beim digitalen Tasting von Hopfen sei Dank
Einmal vollmachen bitte! © Hopfen sei Dank

Digitale Bierverkostung mit Hintergrundinfos

War ja klar, dass das ganze digitale Erlebnisding auch mit Genuss daherkommen muss, oder? In diesem ersten Fall mit Bier: Vier leckere Sorten hat Biwenko, der Veranstalter dieser digitalen Bierprobe, der unter dem Namen „Hopfen sei Dank“ eine ganze Veranstaltungsreihe und normalerweise auch Craft-Beer-Festivals an den Start bringt, in einen Karton gepackt. Mein Job dabei: Die Getränke kalt stellen für den Online-Termin: Check! Eigentlich hätten es sogar fünf Biere sein sollen, aber der Dienstleister hat beim Verpacken wohl eines selbst getrunken. 😉 In meinem Fall aber gar nicht schlimm, denn das Online Tasting war gleichzeitig das Ende meines No-Alcohol Januars, somit waren vier Biere absolut ausreichend. Die hübschen kleinen Flaschen – alle 0.3 Liter – sind allesamt Craft-Biere kleinerer – auch ausländischer – Brauereien und das Team von Biwenko hat sich ein paar Menschen vom Fach an die Theke eingeladen, die zu jedem der „Vasen“ Inhaltliches beisteuern.

Digitales „Plöpp“ und los geht’s!

Der „Opener“ für mich (nachdem ich ja kein Fiege parat habe) ist „Superfreunde“ Pils einer Crafbeer-Brauerei aus Hamburg – sau lecker, sehr mild und nur ein bisschen herb. Hamburg ist ja immer gut und ich fühle mich tatsächlich wie an der Theke, unterhaltsame Gespräche und man selbst schnappt dann und wann eine kleine Info auf. Schon steht das nächste Bier vor meiner Nase (digital kann man auch keinen Deckel aufs Glas legen), das „Sierra Nevada Pale Ale“ – stilecht in der Dose (bei  mir) – umweltbilanztechnisch nicht so grandios, aber für den Geschmack hervorragend, weil lichtgeschützt (lerne ich). Gut gekühlt schmeckt es mir hervorragend, weil es sich schon allein von der äußeren Erscheinung nach Urlaub anfühlt. Ehrlicherweise kann man mir ja viel erzählen, wie sich die verschiedenen Geschmäcker zusammensetzen und so weiter – es muss halt lecker sein, und das ist es! Etwas malziger, als das Superfreunde-Pils, aber nicht weniger lecker.

Sie nannten es Mücke

Weiter geht es mit dem Mücke Ingwer Pale Ale, und hier muss ich sagen: So sehr ich Mücke und seine Geschichte mag, das Ingwer-Bräu ist nicht so ganz nach meinem Geschmack. Einfach zu viel Ingwer und damit ein Getränk für „mal probieren“ aber für mich keins, das in mein Standardsortiment wandern würde. Das Mücke aber nach dem letzten Ruhrpott-Grubenpferd benannt wurde, ist natürlich pottherzallerliebst und daher trinke ich selbstverständlich das ganze 0,3er Bier aus. Das letzte Getränk ist das BRLO Baltic Porter (eine Brauerei mit Sitz in Berlin, die nach dem alt-slawischen Namen von Berlin benannt ist). Eine Mischung aus englischem Stout und russischem Imperial Stout, kräftig, mit Röstaromen und sehr malzig und für mich wie Guiness schmeckend und damit bei mir auch leider raus. Die Flasche ist hübsch und auch die Geschichte schön (ein Bier der Hafenarbeiter), aber zu malzig ist einfach nicht mein Geschmack.

Digitales Analog-Gefühl

Wenn ich so in die digitale Runde schaue, sehe ich Menschen, die mit Partner:in oder Freund:innen zusammensitzen. Vor jedem steht das jeweilige Bierchen, dessen Vorzüge, Geschmäcker und Zutaten besprochen werden, daneben ein paar Nüsschen zum Knabbern. Ganz gemütlich und für einen Sonntagabend genau das Richtige. Gefachsimpelt wird nebenbei über Export und Pils, den Unterschied und die Vorzüge (ganz individuell natürlich, das Export ist ja eine echte Ruhrgebiets-Brauweise). Das Ruhrgebiet mit seiner hohen Brauerei-Dichte kam bei diesem Tasting etwas zu kurz, daher wird es demnächst ein Ruhrpott-Biertasting geben – bei dem dann ausschließlich lokale Biere vorgestellt werden. Den 3. April also schon mal unbedingt vormerken, denn dann wird es mächtig ehrlich!

Bierdeckel und Kaktus beim digitalen Biertasting von Hopfen sei Dank
Vor allem in diesen Zeiten

Fazit: Durch die „Kneipenatmo“  im Studio habe ich mich fast ein wenig wie in einer „analogen“ Kneipe gefühlt. Mit mehr Freunden um mich herum wäre das sicherlich noch netter gewesen. Ich habe Wissenswertes mitgenommen und ansonsten einen gemütlichen Sonntagabend verlebt. Das digitale Biertasting kann ich sehr gut weiterempfehlen, und mit einer „Teilnahme-Gebühr“ von 29,90 Euro (für alle Biere inkl. Glas nebst Online-Zugang) könnt Ihr prima ein lokales Unternehmen unterstützen! Noch mehr „hopfige“ Tipps (für nach dem Lockdown) findet Ihr übrigens auch in meinem Artikel „Bier, Bier, Bier – Ein Mädelswochenende mit Bier im Ruhrgebiet“!

Frauen am Wein(en) – Emotional-digitales Weintasting mit Herz

Ein Wand voller Wein bei Iulians Wein
Diese Wand würde mir auch für zuhause gefallen

Als nächstes steht ein Sünde²=Genuss² – Wein & Schokolade Tasting auf der digitalen To-Taste-Liste. Abgeholt habe ich mein Wein- und Schokolade-Verkostungs-Paket in Bochum bei Iulians Wein  – im Schatten des Exzenter-Hauses. Cristina und Max Nuss betreiben eine Weinbar (benannt nach dem Vater von Cristina), die aktuell natürlich leider geschlossen ist und haben sich nun aufs Digitale eingelassen – neben dem Weinverkauf vor Ort. Total engagiert und super sympathisch erzählen mir die beiden von ihrer Bar, ihren Plänen für den weiteren Ausbau und das Konzept für die digitale Verkostung. Drei Weine (rot) werden mit drei Kumpel-Schokoladen aus dem Schokoladenwerk Ruth verkostet. Ein Fest für zwei Freundinnen und mich, denn wir machen uns einen schönen Abend damit.

Digital aber trotzdem nah

Los geht es pünktlich um 20 Uhr, die Weine haben wir natürlich laut Anweisung schon etwas früher geöffnet und nicht gekühlt. Wir schalten uns via ZOOM in den digitalen Verkostungsraum ein und freuen uns über die vielen sympathischen weiteren Gäste, die sich eingefunden haben. Irgendwie schon nett. Wir selbst haben uns neben der Schokolade noch weitere Häppchen vorbereitet, damit wir nicht nach dem ersten Glas schon die Segel streichen müssen.

Max und Cristina sind etwas aufgeregt, was sie nur noch umso sympatischer macht. Die zwei erzählen abwechselnd von den unterschiedlichen Aromen und Trauben, der Herkunft der Weine, zu den Winzern und wie süße Schokolade zu kräftigem Wein und herbe Schoki zu „fruchtigerem“ Wein passt. Wir erfahren, was Umami ist (Umami – japanisch für köstlich – ist neben süß, sauer, salzig und bitter die fünfte Geschmacksrichtung und hat eine Note von Fleisch, also würzig) und wie die Geschmacksrezeptoren auf der Zunge verteilt sind.

Wein & Schokolade sind eine Traumkombi

Wir verkosten drei Rotweine nebst drei Tafeln Schokolade in den Geschmacksrichtungen herb und Vollmich bzw. Vollnuss. Die Probe nimmt Fahrt auf und wir erfahren viel über Georgien (daher kommen Cristina und Max). Das Ganze hat also gleichzeitig auch etwas von „Reisebericht“ (Georgien steht ab sofort auf meiner Liste!) und das ist momentan noch zusätzlich schön. Nebenher wird fleißig angestoßen und natürlich auch privat gequatscht. Wunderschön und sehr gemütlich also. Meine Traumkombi war der Riojalet-Wein mit der Ganze-Nuss-Schokolade und mein liebster Satz war der Schlussatz, „Ein Kuss von Familie Nuss“, aber natürlich nicht, weil es der Schlusssatz war, sondern weil in allen Ecken ganz viel Liebe drin steckte.

Digitale Wein- und Schokoladenverkostung
Daumen hoch für Familie Nuss

Tasting mit ganz viel Liebe

Fazit: Ganz viele Herzen für diese digitale Verkostung, mit vielen Emotionen und mächtig Herzblut. Wir haben hier richtig gespürt, mit wie viel Leidenschaft die zwei für ihr Geschäft brennen und natürlich besonders darauf brennen, demnächst wieder öffnen und ihr „betreutes Trinken“ vor Ort anbieten zu können. Auch darauf freue ich mich schon sehr. Bis dahin lege ich Euch eine digitale Verkostung mit den beiden ans Herz. Es macht nicht nur Spaß, sondern auch warm ums Herz! Die nächste Probe findet am 27. Februar statt.

Die dritte und letzte im Bunde – Kochen digital mit Kochmomente

Ich könnte sicherlich noch einhundert weitere Probeerlebnisse vorstellen, denn mittlerweile haben sich viele Firmen im Ruhrgebiet auf digitale Tastings eingelassen und bauen die Angebote sogar weiter aus – Corona sei Dank oder coronageschuldet. So auch Christian und Jürgen, Gründer der barrierefreien Kochschule Kochmomente – ebenfalls in Bochum. Da die Schule vor Ort ruht, werden jetzt digitale Kurse angeboten, mit Einkaufsliste oder Kochmo-Box zum Abholen.

Mutti Tomatendose mit Utensilien in der Kochschule Kochmomente in Bochum
Bei Mutti schmeckt’s am besten

Schmucke Räumlichkeiten im Bochumer Ehrenfeld

Ich hole meine Box ab und schaue gleich mal vor Ort in die Räumlichkeiten der ehemaligen Fleischerei Campann mitten im Ehrenfeld-Viertel. Die zwei Köche sind „ordentlich watt am planen dran“ für die Zukunft und ich denke, man darf sich jetzt schon auf die Wiedereröffnung freuen. Denn live sind die ganzen vorgestellten Erlebnisse natürlich etwas ganz anderes. Mit der Box unterm Arm, die alle Zutaten für das Gericht enthält, das wir für zwei Personen kochen werden, verlasse ich die Räumlichkeiten und wähle mich dann kurz vor Start am Sonntag um 16 Uhr via Zoom (kann man da eigentlich noch Aktien kaufen, oder lohnt das jetzt nicht mehr?) in den digitalen Kurs ein. Zutaten und Utensilien (eine Liste kam im Vorfeld per Mail) liegen bereit und es kann losgehen.

Holpriges digitales Kochen

Ich merke schnell, dass „einfach nur Getränke unter Anleitung konsumieren“ und „selbst etwas zubereiten“ zwei recht unterschiedliche Dinge sind – schon allein akustisch. Der Ton meines Endgeräts ist auf maximale Lautstärke eingestellt und dennoch müssen wir öfter mal nachfragen, und das, obwohl es ganz in Ruhe und übersichtlich schnell zugeht. Es nehmen insgesamt circa 15 Personen teil, ein wenig kann man also auch in die anderen Küchen schauen. 😉 Das Dessert wird zuerst zubereitet, dann kommen die Beilagen und das Hauptgericht. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Beilagen, da ich kein Fleisch esse. Durch Tonschwierigkeiten gerate ich beim Dessert etwas durcheinander – das tut dem Nachtisch geschmacklich aber keinen Abbruch. Wir bereiten übrigens Schweinefiletmedaillons in Pecorinosauce mit Apfel-Honig mariniertem Wintergemüse & Kräuter- Schmand-Kartoffeln zu. Der Nachtisch ist ein Himbeerdessert mit Quark und Sahne. Klingt köstlich oder?

Gemütlichkeit bleibt auf der Strecke

Es bleibt kaum Zeit, gemütlich ein Glas Wein zu trinken, weil doch irgendwie ständig was zu tun ist. Die Zutaten sind gut vorbereitet und auch das „How to“- passt, aber es wäre vermutlich für uns besser gewesen, vorher zu wissen, welche Schritte anstehen, eine Reihenfolge vorzugeben, vielleicht doch anhand eines Rezepts. So war es für uns zuhause etwas schwer verständlich, das mag aber wiederum auch am Ton gelegen haben – irgendwann brutzelte das Fleisch in der Pfanne so laut, das es fast unmöglich war, noch etwas zu verstehen.

Fertiges Gericht gekocht nach Anleitung der Kochmomente Bochum
Da war ich einfach nicht schnell genug mit der Kamera

Am Ende zählt das Ergebnis

Das Ergebnis war aber köstlich und der Weg dahin machbar. Mir hat aber das Gemütliche und Unterhaltsame gefehlt. Letztlich ist eben nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch der Weg dahin. Bei meinen nächsten digitalen Erlebnissen würde ich eher auf „passive“ Genuss-Erlebnisse (ich konsumiere ein Produkt, zu dem mir digital etwas erzählt wird) setzen, als aktiv an einem Kurs teilzunehmen – oder ich muss aufrüsten und ein Soundsystem anschließen. Praktisch fand ich die Box, in der alle Zutaten schon abgewogen und abgemessen zu finden waren. Und letztlich gilt auch hier: Mit der Kochmo-Box unterstützt Ihr ein lokales Unternehmen und daher geht die klare Empfehlung dahin, diese direkt mit der Kursteilnahme zu bestellen. Die Themen sind vielfältig und klingen spannend! Als Köche mit jahrzehntlanger Erfahrung vermitteln die beiden Technik und Wissen im Vorbeischnei(d)en. 😉

Digitaler Genuss im Pott – Mein Fazit

Digital ist anders, muss aber nicht weniger intensiv sein, als analog. Die Erlebnisse waren ein sehr guter Kompromiss und Ausgleich für entgangene Feierfreuden der letzten Monate. Und gelernt habe ich auch Vieles dabei. Das Schöne ist, dass die Verkostungen auch weiterhin – selbst dann wenn Bars und Kneipen wieder öffnen dürfen – erhalten bleiben. Somit könnt Ihr Euch eine digitale Probe auch in den Garten holen oder ins Wohnzimmer und die Produkte mit Freund:innen oder Familie verkosten  – also eine Mischung aus digital und analog. Das klingt perfekt für mich! Einzig einen Kochkurs würde ich nicht nochmal digital machen, weil mir das Gemütliche und das zwischendurch Durcheinanderquatschen und Schnuppern fehlt. Für alle mit guten Lautsprechern und super Technik zuhause ist aber auch der Kochkurs eine absolute Weiterempfehlung!

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Digitaler Genuss im Ruhrgebiet

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