von Danny / Thema: Erlebnis, Kultur / am 29. März 2018um10:15

Ein Wochenende – viermal Ruhrgebiet à la RUHR.TOPCARD

Was tun, wenn die Wettervorhersage von „Schmuddelwetter“ für das kommende Wochenende spricht, aber die Familie wieder was erleben möchte? Richtig: die RUHR.TOPCARD einstecken und auf geht’s! In und um das Ruhrgebiet herum gibt es jährlich so viele Ziele, die mit der RUHR.TOPCARD einmalig kostenfrei oder für den halben Eintrittspreis angesteuert werden können – da fällt die Wahl verständlicherweise schon schwer. Diesmal habe ich vier verschiedene Städte für ein Wochenende herausgepickt und wieder viele neue Entdeckungen quer durch den Ruhrpott gemacht: folgt mir nach Dortmund, Bochum, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen.

Samstagmorgen starten wir und fahren auf der A40 gen Dortmund: es geht los mit der Arbeitswelt Ausstellung DASA.

DASA – die Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund

In Dortmund lädt die DASA seit 1993 ein, die Interaktion von Arbeit und Mensch im heutigen Alltag und aus der Geschichte spielerisch zu entdecken. Um es gleich vorweg zu nehmen: wir waren erst ein einziges Mal kurz da – im Rahmen einer Extraschicht – und da hatten wir wohl nur einen Bruchteil gesehen. Also habe ich prompt das Angebot völlig unterschätzt – Ihr plant besser gleich einen ganzen Tag für die DASA ein.

Das Foto zeigt vier Ruhr.Topcards in der DASA in Dortmund

Viermal Eintritt mit der RUHR.TOPCARD bitte!

Mit dem Eintritt bekommt Ihr einen tagesaktuellen Plan für aktuelle Vorführungen ausgehändigt – und da finde ich schon mal bemerkenswert: die Vorstellungen ab Grundschulalter sind besonders markiert. Dazu kommt ein Übersichtsplan über das riesige Ausstellungsareal: verschiedene Bereiche und Standorte laden zum Entdecken ein – von Druckerei und Weberei, über Bauen (mit einer Kinderbaustelle im Innenhof), Neue Arbeitswelten und Nachhaltigkeit, Heilen und Pflegen, ein Farnwald oder die riesige Stahlhalle – viele Themensammlungen haben hier wohl ihre eigenen Ecken gefunden. Wer möchte, kann einen coolen Bildschirmguide in Handheldgröße kostenfrei ausleihen.

Ihr könnt Euch frei in der DASA bewegen, wir haben bei unserem Besuch mit der Weberei begonnen, weil hier zeitlich gerade die nächste Vorstellung begann: schon zwei Webstühle rattern so ohrenbetäubend los (die Kleinsten bekommen von freundlichen DASA-Mitarbeitern einen Ohrenschutz auf – gut mitgedacht!), dass es schwerfällt, sich an eine Zeit zurückzuerinnern, wo zig von den lärmenden Maschinen für die Menschen an langen, langen Arbeitstagen Stoffe ausspuckten.

Das Foto zeigt einen Webstuhl

Mehrere Webstühle zeugen von der harten Arbeit früher

Interaktives Lernen in der DASA

Weiter geht unser Weg, vorbei an vielerlei Maschinen, die heute unseren Alltag ganz nebenbei begleiten, früher aber ganz schön bahnbrechende Erfindungen darstellten. Rechenmaschinen mit Exoten wie der Rechenscheibe stehen neben frühen Schreibmaschinen wie der tollen Malling-Hanschen-Schreibkugel – die könnt Ihr sogar ausprobieren, ein Modell in Originalgröße macht’s möglich.

Überhaupt: mitmachen und ausprobieren sind die Devise in der DASA! Zahlreiche Modelle und interaktive Stationen laden Groß und Klein ein, jenseits von Texten und Bildern einmal selbst aktiv zu sein. Und das zieht sich durch fast alle Ausstellungsteile, einfach großartig. „Spürt“ einfach mal, wie so ein Rasterelektronenmikroskop funktioniert, setzt in der Druckerei selbst Lettern, lasst Euch von Simulationen einfangen.

In der Druckerei riecht’s nach Öl. Krass, wie sich früher Kinder in die engen Maschinen zwängen mussten, um hier Wartungsarbeiten auszuführen!

Die DASA ist besonders familiengeeignet. Die vielen Mitmachstationen und -bereiche für alle Altersklassen bieten beste Voraussetzung für einen kurzweiligen Familientag, egal ob das Wetter gut oder weniger gut ausfällt. Insgesamt gibt es wohl 13.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und wir haben in gut sechs Stunden vor Ort längst nicht alles mitgemacht und ausprobiert. Wow!

Da ich einige Tage zuvor schon reserviert (Stichwort „RUHR.TOPCARD“ nicht vergessen) und auch die Karten bereits abgeholt hatte, ging es nun am späten Nachmittag nach… Bochum!

Planetarium Bochum

Geradezu prädestiniert für schlechteres Wetter ist das Planetarium Bochum. Gemütlich auf gepolsterten Sesseln weit zurückgelehnt bekommt Ihr Vorstellungen präsentiert, die aus fernen Galaxien zu kommen scheinen. Aber auch bei gutem Wetter lohnt sich ein Besuch, z.B. als Abstecher vom nur fußläufig entfernt liegenden Tierpark und Fossilium Bochum.

Das Foto zeigt das Planetarium Bochum

Planetarium Bochum bei kurzfristigem Wintereinbruch

Wenn Ihr vor Beginn der Vorstellung noch ein paar Minuten habt, lauft ruhig einmal im Foyer rund um den innenliegenden Veranstaltungsraum. Hier findet Ihr nicht nur einige Experimente, die die Freunde des Planetariums liebevoll präsentieren, sondern auch Hintergrundwissen und Exponate rund um Raumfahrt und Sternenprojektion. Cool: man kann ein Selfie im Spacesuit machen – voll „abgespaced“! Viele verschiedene Vorstellungen werden im Planetarium seit 1964 angeboten – mit Ausnahme der Musikshow und spezieller Liveacts sind in der Regel die Vorstellungen auch einmalig mit der RUHR.TOPCARD besuchbar. Fragt am Besten einfach nett im Planetarium nach! Apropos nett: bei uns gab’s nach Ende der Vorstellung noch tolle Infos über den abendlichen Himmel zur aktuellen Jahreszeit. Klasse!

Mein Extra-Tipp: im Foyer steht so ein Selbstbedienungsautomat für Eis. Hier lohnt es sich, ein Eis zu ordern – wegen der Show. Innendrin arbeitet nämlich eine Art Saugroboter, der aus einer Tiefkühlkiste das abgepackte Eis säuberlich ansaugt, anhebt und zum Ausgang befördert. Für einen Tag genug RUHR.TOPCARD! Weiter geht’s am Sonntag in Mülheim an der Ruhr.

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

In der ehemaligen Hauptpost Mülheim am Synagogenplatz findet sich seit 1994 das Kunstmuseum der Stadt. Die Historie des Museums reicht jedoch deutlich weiter zurück: schon 1909 wurde die Institution gegründet und ist mithin eines der ältesten Museen im Ruhrgebiet.

Das Foto zeigt das Kunstmuseum Alte Post mit dem Hajek-Brunnen

Kunstmuseum Alte Post mit dem Hajek-Brunnen

Im Museum warten vornehmlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts auf den geneigten Besucher.

Im Erdgeschoss sind derzeit Exponate von Heinrich Siepmann als Vertreter der Nachkriegs-Künstlergruppe „Junger Westen“ zu sehen. Mich erfreute dort unter anderem eines mit Grubenlampe (Glück auf!) oder Nussknackern (bin ich doch gebürtiger Erzgebirgler). Anschließend werden Fotografien von Ute Behrend unter dem Titel „Being a Child“ dargeboten. Wenn Ihr dort seid: lest die Story mit dem „Bärenmädchen“! Kern des Museums sind die Sammlung Ziegler und Sammlung des Kunstmuseums. Karl Ziegler (Nobelpreisträger für Chemie) war Direktor des Mülheimer Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung (jetzt: Max-Planck-Institut) und sammelte mit seiner Frau Maria insbesondere Werke der Künstlervereinigungen Brücke, Blauer Reiter und Bauhaus.

Mein Extra-Tipp: gut einmal im Monat hat die Artothek geöffnet. Hier kann man für schmales Geld ein echtes Kunstwerk ausleihen und bei sich zuhause aufhängen. Nach der Ausleihzeit gibt man’s wieder zurück und kann dann beim nächsten Mal aus weiteren Werken erneut die heimische Wand für die private Ausstellung schmücken.

Und weil noch Zeit bleibt am Sonntag haben wir dann die warmen Jacken gepackt und sind nach Oberhausen aufgebrochen.

Gasometer Oberhausen

Die höchste Ausstellungshalle Europas wartet mit fast 118 Metern Höhe und ihrer neusten Ausstellung auf uns: „Der Berg ruft!„. 17 Meter nimmt davon derzeit eine gigantische Matterhorn-Skulptur ein – die kopfüber vom Gasometer-Himmel hängt. Mittig untendrunter ist ein blitzeblank polierter Spiegel mit ungeheuren 12 Metern Durchmesser – wenn man da reinguckt, dann guckt man dem Berg dann quasi von oben wieder drauf. Sehr clever und beeindruckend!

Das Bild zeigt die Projektionen eines Berg in der Austellung der Berg ruft im Gasometer Oberhausen

Aus dem gläsernen Fahrstuhl kurzzeitig sichtbar: Berg und Spiegelbild

Jetzt ist zwar der Berg sicher das Highlight, dennoch ist die Begleitausstellung wahrlich sehenswert. Großformatige – und das heißt teils bis zu sechs Meter breite – Panoramafotos bieten wunderbare Einblicke. Zwischen den Bildern geht ein Adler auf Murmeltier-Jagd, oder zum Staunen ist auch mal ein Bild über Kopf aufgehängt.

Im Erdgeschoss läuft die Slideshow „Magie der Berge“ mit internationalen Bergwelten. Tolle, tolle Aufnahmen!

Das Bild zeigt Aufnahmen von Bergen

Aufnahmen aus der Slideshow „Magie der Berge“

Mein Extra-Tipp: zur ExtraSchicht einfach nochmal in die Ausstellung gehen!

Direkt am Centro gelegen kann der Gasometer gut per ÖPNV und Auto erreicht werden. Die Ausstellung ist für große und kleine Bergfans ab Grundschulalter geeignet.

Nehmt unbedingt eine (dicke) Jacke mit – der Gasometer ist ein Industrierelikt, Isolierung gibt’s da keine. Geheizt wird dementsprechend nicht und gerade in den Winter- und Frühjahrsmonaten ist es echt kalt. Zwar gibt’s im hauseigenen Café Heißgetränke, aber die helfen nur kurz…

Alles Banane!

Drei der vier von uns besuchten Ziele tragen übrigens die „Baumgärtel-Banane“ – bis auf’s Planetarium finden sich stets die gelbkrummen Spray-Zeichen als eine Art weiteres Qualitätssiegel an der Tür. Kleine Anekdote am Rande: die Banane am Kunstmuseum Alte Post ist zunächst mal von der Stadtverwaltung entfernt worden. Sie durfte dann aber doch bleiben. Voll Banane!

Die Das Foto zeigt die Banane von Thomas Baumgärtel am Kunstmuseum Alte Post

Die Banane von Thomas Baumgärtel am Kunstmuseum Alte Post

Ein Wochenende mit der RUHR.TOPCARD – Mein Fazit

Für ein Wochenende bietet die RUHR.TOPCARD tolle Möglichkeiten – ob für einen längeren oder kurzen Ausflug, ob für Jung oder Alt, ob für Singles, Paare oder Familien. Da ist für jede Altersklasse und Interessensrichtung etwas dabei.

Mein Extra-Tipp: bei meinen Touren mit der RUHR.TOPCARD habe ich bei einer Schiffsfahrt in Duisburg einmal eine Familie von auswärts getroffen, alle vier – Papa, Mama, zwei Kids – waren auf Sommer-Urlaub im Ruhrgebiet. Sie erzählten mir, dass sie die RUHR.TOPCARD vorab erworben hätten und für eine Woche während ihres Besuchs nutzten und eben jeden Tag ein, zwei Ausflüge damit unternahmen. Ich finde, das ist eine gute Idee, um viel aus unserem reichhaltigen Angebot an Industriekultur und Museen, aus Spaß-, Events- und Ausflugszielen kennenzulernen und auszuprobieren!

Allgemeine Informationen


Danny Giessner Ein Artikel von

Unser Gastblogger Danny Giessner ist ein Zugezogener, seit über zehn Jahren ein 'Wahlruhri'. Er mag die Menschen im Revier, die hier ohne viel Umschweife auf den Punkt kommen und Neuankömmlinge herzlich integrieren. Dazu kommt ein Faible für Geschichte und Vermächtnis des Bergbaus und der hiesigen Industrie, verbunden mit großer Begeisterung an dem schier überwältigenden Angebot von Kultur- und Freizeitmöglichkeiten des Ruhrgebiets samt Umland. Mit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 - in dem Danny auch selbst als Volunteer an einem Schachtzeichen beteiligt war - entstand die erste Version seines Blogs www.wahlheimat.ruhr. Über die Jahre finden sich hier und auf den zugehörigen Social-Media-Kanälen viele Erlebnistipps und -eindrücke für einige tausend Follower, egal ob Danny gerade gemeinsam mit seiner Familie, Freunden oder auch mal allein unterwegs ist.

Eine Reaktion (1 Kommentare)
  • Nico schrieb am 6. April 2018:

    Wir haben die Ruhrtop-Card dieses Jahr auch schon fleißig genutzt, alleine letztes Wochenende drei Mal. 😉 Wir waren am WE im Duisburger Zoo, im Haus Ruhrnatur und in der Camera Obscura.

    Viele Grüße
    Nico


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