von Thomas Machoczek | 27. Dezember 2019 | KATEGORIEN Event, Industriekultur | 0 Kommentare

Einmal unter Tage „vor Kohle“ gehen oder lieber mit dem Direktor der ersten Eisenhütte des Reviers Geburtstag feiern? Kein Problem im neuen Jahr! 2020 liefert für Fans der Industriekultur – und alle, die es werden wollen – schon jetzt so viele spannende Termine, dass der noch fast blütenweiße Wandkalender schnell um ein paar rote Markierungen reicher wird. Mit Familie. Ohne Familie. Zum Stöbern, Genießen, Träumen und Entdecken. Und die starken Kulisse von Original-Industriekultur gibt’s quasi kostenlos noch obendrauf. Ich versorge Euch kurz vorm Jahreswechsel mit ein paar ausgewählten Tipps!

Kulturhauptstadt reloaded

Das Foto zeigt die Zeche Zollverein bei der Eröffnung der Kulturhauptstadt RUHR.2010
10 Jahre ist es her, dass auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein die Kulturhauptstadt RUHR.2010 eröffnet wurde, © Jochen Schlutius

Gelbe „Schachtzeichen“ über alten Zechen, und „Still-Leben“ auf der A40 quer durchs Revier: Vor zehn Jahren war das Ruhrgebiet Europas Kulturhauptstadt – und alle feierten mit. Und weil Ruhr.2010 mitten im Januar bei Schnee und Frost eröffnet wurde, wird „Zehn nach zehn“ auch gleich zu Anfang des neuen Jahres 2020 gefeiert. Zwei Wochen lang , vom 10. bis zum 25. Januar, erstrahlt die Zeche Zollverein im Glanz von Lichtinstallationen, es gibt Partys, und im „Salon 2030“ geht es mit Debatten, Workshops und Konzerten um die nächsten großen und kleinen Ideen für den steten Wandel unserer Metropolregion. Und weil das Ruhr Museum ebenfalls vor zehn Jahren seine Tore öffnete, feiert das kulturelle „Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr“ gleich mit, unter anderem mit einem großen Familienfest am 12. Januar mit „Torte, Party und freiem Eintritt“.

Neues „Familienmitglied“ für die Route Industriekultur

Das Foto zeigt die St. Antony-Hütte in Oberhausen
Gilt als die „Wiege der Ruhrindustrie“: Die St. Antony-Hütte in Oberhausen, © LVR Industriemuseum

Erstmalig in ihrer Geschichte ist die 400 Kilometer lange Perlenschnur der industriekulturellen Highlights des Ruhrgebiets jetzt um ein Glied verlängert worden. Und das zu Recht: Die Oberhausener St. Antony-Hütte gilt als Geburtsstätte der Eisenindustrie. Mit ihrer Dauerausstellung und einem in dieser Form einzigartigen industriearchäologischen Park erzählt sie vom Beginn der Eisen- und Stahlindustrie voller Intrigen und familiärer Macht- und Ränkespielchen. Fast schon der Stoff für eine Soap-Staffel – mit der Geburt eines Weltkonzerns als glanzvollem Höhepunkt. 2020 präsentiert das neue Aushängeschild der Route Industriekultur ein abwechslungsreiches Angebot mit Events und einer neuen Sonderausstellung. Am 11. Oktober steht sogar ein historisches Fest auf dem Programm. Ein besonderes Ereignis wird dabei der Geburtstag des einstigen Hüttendirektors Gottlob Julius Jacobi sein, der sich – zufällig, aber ganz passend – zum 250. Mal jährt.

Historische Technik und traditionalles Handwerk live erleben

Handwerkskunst zum Anfassen? Dafür ist das Freilichtmuseum in Hagen ein echter Garant. Und ein kleines Jubiläum wird dort ebenfalls gefeiert: Als das Freilichtmuseum vor 60 Jahren an den Start ging, galt es noch als kleine Sensation, Technik als Kulturgut zu verstehen und in einem Freilichtmuseum auszustellen, um sie zu bewahren und zu vermitteln. Industriekultur war da noch noch gar nicht erfunden. Im Laufe der Zeit hat sich das Museum zu einem lebendigen Betrieb entwickelt, in dem jeden Tag in vielen der Fachwerkhäuser mit ihren Werkstätten vorgeführt und gearbeitet wird. Die Gäste erleben so „live“ historische Techniken und traditionelle Handwerke. In der Saison zwischen dem 1. Apri und 31. Oktober wird im kommenden Jahr bei Sonderveranstaltungen immer wieder an die 60 und 60er Jahre erinnert.

Steampunk gleich im Doppelpack

Das Foto zeigt ein altes Riesenrad beim Once upon a time festival auf dem Gelände der Zeche Zollern in Dortmund
Das Riesenrad von 1902 dreht sich Pfingsten wieder auf dem Zechenplatz von Zollern. © LWL-Industriemuseum, Annette Hudemann

Was wohl das „Amt für Ätherangelegenheiten“ verwaltet? Mal ehrlich: Welche Kulisse könnte besser zu einem Steampunk-Festival passen als Industriebauten mit kaiserlicher Pracht? Wenn Ihr auf romantisch verschwurbelte Maschinen steht, gern samtige Gewänder tragt und goldige Zahnrad-Ornamente über Eurem Bett schweben, kommt Ihr in diesem Sommer gleich zwei Mal auf Eure Kosten. Beim Festival der Jahrmarktkultur und Straßenkunst unter dem Motto „Once upon a time“ sind Pfingsten auf Zeche Zollern über hundert Jahre alte Fahrgeschäfte in Betrieb. Die älteste Raupenbahn Deutschlands ist dabei, ein Pracht-Pferdekarussell von 1878 und ein Riesenrad von 1902. Artisten und Gaukler zeigen ihr Können.

Steampunk trifft Schiffshebewerk

Das Foto zeigt das Schiffshebewerk Henrichenburg beim Steampunkfest
Zeitreisepässe dringend erforderlich beim Steampunkfest am Schiffshebewerk Henrichenburg, © LWL-Industriemuseum, Jürgen A. Appelhans

Zwei Monate später, am 8. und 9. August, übernehmen die Steampunker das Schiffshebewerk Henrichenburg. Es werden „Zeitreisepässe“ ausgestellt, und auf dem historischen Museumsschiff „Nixe“ könnt Ihr Euch in passendem Outfit bei einem besonderen Fotoshooting von professionellen Szenefotografen ablichten lassen. Von Land aus zuzuschauen, ist selbstverständlich auch möglich.

Neue Energie in der Jahrhunderthalle Bochum

Energie gehört gewissermaßen zur Kernkompetenz der Bochumer Jahrhunderthalle. Hier standen nämlich früher einmal die riesigen Gasturbinen des Bochumer Vereins. Vom 13. bis zum 15. März aber werden erstmalig andere Ströme fließen – Lebenenergie pur. So hoffen jedenfalls die Veranstalter des „Flow & Grow – Yoga Food Lifestyle Festival“. Die riesige Halle soll zum Tempel aller werden, die sich bewusst ernähren, alternative Lebensweisen erfahren wollen und mit Meditation und Yoga schon mehr oder vielleicht auch weniger Erfahrungen gesammelt haben und dies einmal ausprobieren möchten. An der passenden Architektur wird es zweifellos nicht mangeln, und das Programm verspricht ein reichhaltiges Angebot, um das ehrwürdige Gebäude einmal in neuem Licht zu erleuchten.

Preisgekrönter Hotspot für zwei Räder

Das Foto zeigt eines der vier Haldenzeichen im Lippepark Hamm
Wiedererkunngswert im Lippepark: Vier Haldenzeichen stehen auf vier Halden – dazwischen bleibt viel Platz für Radler und ausflugsfreudige Familien, © Thorsten Hübner

Schon gehört, dass der Lippepark im fernen New York eine Auszeichnung erhalten hat? Als es um die Umwandlung der ehemaligen Zechenflächen von Schacht Franz ging, wurden die Bürgerinnen und Bürger der Stadt einbezogen. Das funktionierte so gut, dass Hamm im Finale des „Engaged Cities Awards“ landete. Wer sich das Ergebnis mit den vier Haldenzeichen einmal ansehen möchte, könnte das zum Beispiel sehr gut am 6. September tun. Dann finden das Parkfest und das Radfest NRW gemeinsam dort statt. Es werden Meisterschaften ausgetragen, Einrad- und Kunstradperformances geboten, und natürlich gibt es reichlich Angebote für Groß und Klein.

Zu Fuß bis „vor Kohle“

Das Foto zeigt eine Besuchergruppe bei der Unter Tage Tour der Zeche Nachtigall in Witten
Auch für kleine Besucher geeignet: Der Besuch „vor Kohle“ auf der Zeche Nachtigall, © zweimalzwei Fotografie

Das Bochumer Bergbaumuseum ist natürlich ein Muss. Aber Ihr wollt mehr? Einmal direkt „vor Kohle“ sein? Dann sind die Wittener Unter-Tage-Touren der passende Geheimtipp als Ergänzung. Fast 500 Jahre Bergbaugeschichte sind auf einem Lehrpfad im Muttental rings um Zeche Nachtigall dokumentiert. Zechen, Stollen, Fördergerüste sowie geologische Aufschlüsse säumen den Weg. Am Bethaus der Bergleute erlebt Ihr die Zeremonie der traditionellen Knappenschlagung bei der ein Schluck „Grubenwasser“ nicht fehlen darf. Zur Stärkung gibt es eine traditionelle Steigermahlzeit. Höhepunkt aber ist die „Einfahrt“ in den 130 Meter langen Besucherstollen. Dort können große und tatsächlich auch kleine Besucher die harte Maloche der Bergleute direkt einmal vor Ort nachempfinden.

Industriekultur 2020 im Ruhrgebiet – Mein Fazit

Ist schon wirklich beeindruckend, was sich allein im Umfeld der Industriekultur im Ruhrgebiet in einem Jahr so tut. Haben wir was vergessen? Jede Menge natürlich. Das Traumzeit Festival im Landschaftspark Duisburg-Nord zum Beispiel. Oder der große Kringel um den 27. Juni: ExtraSchicht – die Nacht der Industriekultur. Aber dazu später mehr… Das neue Jahr fängt ja erst an. 😉

Industriekultur-Tipps für 2020

UNESCO-Welterbe Zollverein
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
www.zollverein.de

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte
Antoniestraße 32-34
46119 Oberhausen
www.industriemuseum.lvr.de

LWL-Freilichtmuseum Hagen
Mäckingerbach
58091 Hagen
www.lwl-freilichtmuseum-hagen.de

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
Once upon a time Festival
30. Mai bis 1. Juni 2020
www.once-upon-a-time.info

Jahrhunderthalle Bochum
An der Jahrhunderthalle 1
44793 Bochum
Flow & Grow – Yoga Food Lifestyle Festival
13. bis 15. März 2020
www.jahrhunderthalle-bochum.de

Lippepark Hamm
www.hamm.de

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten
www.lwl.org
Unter Tage Tour
www.stadtmarketing-witten.de

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