von Verena | 16. April 2020 | KATEGORIEN Erlebnis | 0 Kommentare

Mit Sicherheit kennt Ihr die Sagen rund um die Loreley, den Rattenfänger von Hameln oder Störtebecker – Aber wusstet Ihr das auch das Ruhrgebiet einige spannenden und teils gruselige Sagen und Mythen hervorgebracht hat? Zugegeben, obwohl ich das Thema sehr interessant finde, habe ich mich mit Sagen aus meiner Heimat so gut wie noch  nie beschäftigt. Bei meiner Recherche für den Blogartikel „Ist das noch Ruhrgebiet?“ bin ich auf die Geschichte der Isenburg und der Sage des dort liegenden Schatzes aufmerksam geworden. Angezogen von der Mystik habe ich gleich weiter recherchiert und bin auf die Website „Sagenhaftes Ruhrgebiet“ von Dirk Sondermann gestoßen! Im folgenden werde ich Euch von fünf dieser dort gefunden Sagen erzählen.

Sagen aus dem Ruhrgebiet: 1. Geheimnisvoller Stein in Duisburg

Einst lag an der Grenze Duisburgs der Unkenstein. Dieser sollte als Grenzstein das Ende der Herrschaft Moers aufzeigen. Die Herkunft des Steins war aber vielen unbekannt, sodass sich mit der Zeit viele geheimnisvolle Sagen rund um diesen Stein gebildet haben. So erzählte man sich, dass der Teufel den Stein mit dem Ziel, eine Kirche zu zerstören, gebracht haben soll. Diesen verlor er aber vor seinem Ziel, sodass der Stein an dieser Stelle stand. Andere wiederrum gaben an, eine Kröte auf dem Stein beobachtet zu haben, die einen Schatz beschützte und wieder andere beobachteten den Teufel umringt von tanzenden Hexen aus der Gegend.

Was ist wahr an dieser Sage?

Die einzelnen Geschichten rund um den Stein können wir der Vorstellungskraft der Menschen zuschreiben. Den Stein selbst gab es aber wirklich! Das Tor der Stadt Duisburg nannte sich Stapeltor. Dort entlang zog sich der Springwall. Heute ist auch noch die dortige Straße so benannt. Entlang des Springwalls stand bis 1800 der Koblenzer Turm, in seiner Nähe lag der Unkenstein.  Der Koblenzer Turm wurde restauriert und an den Unkenstein erinnert heute eine Steele aus Stein.

Sagen aus dem Ruhrgebiet: 2. Die Schifferstadt in Moers

In Moers, genauer gesagt im Stadtteil Asberg waren zur Zeit von Augustus römischen Truppen anwesend. Für die Römer hieß die Region Asciburgium. Der altdeutsche Namen leitet sich vom Wort Eiche, aus Eiche entstandenes Schiff, ab. So sagt man sich bis heute, dass Asberg Schiffstadt genannt wurde und dort ehemals ein Hafen gelegen haben soll. Doch wie kann das sein? Der Rhein führt doch schließlich gar nicht durch Moers!

Was ist wahr an der Sage?

Dass römischen Truppen in Asberg waren, ist historisch nachgewiesen. Auch in historischen Quellen aus dieser Zeit wird von einem Hafen gesprochen. Doch wie kann das sein? Ganz einfach: Ende des 1. Jahrhunderts, wurde der Verlauf des Rheins verlegt, sodass er seine gegenwärtige Lage in Duisburg-Ruhrort bekam. Durch die Verlagerung verlor Asberg seine Funktion als Hafenstadt und Militärstandort. Der steile Hang, an dem sich der Hafen befunden haben soll, heißt übrigens auch heute noch Hafenberg.

Sagen aus dem Ruhrgebiet: 3. Katze, Hund & Hase – eine verzauberte Grafenfamilie auf Burg Volmarstein

Vor langer Zeit lebte eine sehr reiche Ritterfamilie auf Burg Volmarstein, bestehend aus einem Grafen mit seiner Frau und seiner Tochter. Und obwohl sie von Reichtum umsorgt waren, kümmerten sie sich nicht um ihr Volk und ließen dieses verarmen und sogar verhungern. Der Zorn auf die Herrscherfamilie im Volk stieg immer weiter an. Eines Tages schaffte es eine Zauberin, in die Burg einzudringen und einen Fluch über die Familie zu sprechen. Der Graf verwandelte sich in einen bissigen Hund, die Gräfin in eine Katze und die Prinzessin in einen Hasen. Nur ein Mann konnte den Fluch brechen. So gingen die Jahre vorüber und keiner traute sich mehr in die Nähe des Schlossberges. Ein Tages tauchte ein fremder Mann in der Stadt auf und hörte von dieser Geschichte. Vollen Mutes machte er sich auf den Weg zum Schlossberg. Tatsächlich sah er den Hasen und begann diesen zu jagen. Mit Erfolg – als er den Hasen schnappte, verwandelte sich dieser in die schöne Prinzessin. Sie sagte ihm, er könne sie nur retten, indem er sie sofort heiraten würde. Der mutige Mann lehnte aber vehement ab, denn er hatte schon eine andere geehelicht. Sofort verwandelte sich die Prinzessin wieder zurück. Auch heute noch sollen der Hund, die Katze und der Hase ihr Unwesen um die Burg treiben.

Was ist wahr an der Sage?

Wie Ihr Euch wahrscheinlich denken könnt, ist diese Sage mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wahr. Ich konnte auch keine Quelle finden, die besagt, wie diese Sage enstanden ist und ob z.B. Personen aus der Herrschaftsfamilie Volmarstein verschwunden sind. Eine Vorlage für einen Disney-Film wäre die Sage aber allemal, oder? 😉

Sagen aus dem Ruhrgebiet: 4. Hexen an der Ruhr

In Essen-Rellinghausen am Fuße des Schellenbergs führte einst die Ruhr entlang. Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert kamen auch Essen und andere Teile der Region nicht am Hexenaberglauben vorbei. So wurden einsame Orte wie der Sessenberg und die Eickenscheidter Fuhr zu „Hexentanzplätzen“ und viele Frauen der Hexerei beschuldigt. Sie wurden festgenommen und zu der tiefsten Stelle der Ruhr geführt, wo sie die sogenannte Wasserprobe überstehen mussten. Denn nur wer der Hexerei unschuldig war ging unter, wer schuld war ertrank nicht und wurde später hingerichtet.

Was ist wahr an der Sage?

Leider ist dies keine klassische Sage. Denn in dieser Zeit wurden nachweislich mindestens 42 Frauen wegen vermeintlicher Hexerei in Essen hingerichtet. Schauplätze waren aber nicht nur die besagte Stelle an der Ruhr, sondern auch der Gerichtsturm an der Oberstraße, denn hier wurden die Beschuldigten gefangen gehalten und gefoltert und der ehemalige Galgenberg, hier wurden sie hingerichtet. Dort wo damals die Ruhr verlief, erinnert heute eine Straße an diese dunkle Zeit, denn sie trägt den Namen Hexentaufe.

Sagen aus dem Ruhrgebiet: 5. Wer hat die Steinkohle im Ruhrgebiet gefunden?

Eine Sage darüber, wer den Rohstoff gefunden hat, der die Region über Jahrzehnte prägte, darf natürlich nicht fehlen, also aufgepasst: Es war einmal ein Hirtenjunge, der seine Schweine im Muttental hütete. Eines Tages wurde ihm dabei so kalt, dass er beschloss, ein Feuer zu machen und sich daran zu wärmen. Das Feuer brannte und er konnte sich den Tag über aufwärmen. Abends beschloss der Junge seinen Heimweg anzutreten, doch das Feuer glühte immer noch. Das Holz müsste doch schon längst verbrannt sein, dachte sich der Junge. Am nächsten Morgen machte er sich wieder auf den Weg und stellte mit großem Erstaunen fest, dass das Feuer, welches er gestern gemacht hatte, immer noch glühte. Doch es war kein Holz, das das Feuer am lodern hielt, sondern schwarze glänzende Erdklumpen. Sofort lief er zu seinem Vater, um ihm davon zu berichten. Sie holten die schwarzen Brocken und brachten diese nach Hause. Von diesem Tag an musste die Familie nicht mehr mit Holz heizen.

Aber die Geschichte geht noch weiter: Der Hirtenjunge wuchs heran und wollte bald eine Frau finden. Er hörte von einem Burgfräulein, das den Mann heiraten wollte, der ihr den schönsten Edelstein bringen würde. Der junge Mann nahm drei seiner Erdbrocken mit und machte sich auf den Weg zur jungen Frau. Vor ihm waren schon einige Ritter, Prinzen und Adlige zur Prinzessin gekommen und brachten ihr allerlei Diamanten und Rubine. Doch die Prinzessin lehnte jeden ab, denn die Edelsteine konnten sie wenig beeindrucken, da sie zahlreiche davon besaß. Als dann der Schweinehirte bei ihr ankam und ihr die schwarzen Erdbrocken zeigte, lachte sie nur. Dann aber warf der Hirte die Brocken in den Kamin und sie fingen an zu leuchten und zu wärmen. Davon begeistert stimmte die Prinzessin sofort einer Hochzeit zu und die beiden waren glücklich bis an ihr Lebensende.

Was ist wahr an der Sage?

Wer und wo die Steinkohle gefunden wurde, ist bis heute nicht bekannt. Da diese aber in Witten teilweise an der Oberfläche zu finden war, kann man davon ausgehen, dass der Fund tatsächlich eher zufällig geschehen ist. Die Geschichte rund um den Hirten und die Prinzessin wurden allerdings später dazugedichtet. Aufgrund des damaligen hohen Wertes der Kohle war aber eine solche Hochzeit für viele durchaus vorstellbar. Heute könnte Ihr auf dem Bergbauwanderweg und mit dem digitalen Guide erkunden.

Sagen aus dem Ruhrgebiet – Mein Fazit

Dass es so viele spannende Sagen aus dem Ruhrgebiet gibt, wusste ich bis jetzt auch nicht! Wie sieht es bei Euch aus kennt Ihr noch weitere? Dann schreibt diese gerne in die Kommentare! Und wer noch mehr Geschichten über Hexen, Zwerge, Nixen und vieles mehr im Ruhrgebiet lesen will, schaut auf der Website „Sagenhaftes Ruhrgebiet“ vorbei!

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