von Christiane | 26. Februar 2019 | KATEGORIEN Erlebnis, Industriekultur | 3 Kommentare

Ich habe mal wieder das Ruhrgebiet zur Wanderregion erklärt: eine relativ kurze Wanderung, knappe 11 Kilometer, aber dafür wieder sehr abwechslungsreich. Das Wetter: grau (wen wundert’s im Winter), aber hin und wieder habe ich doch blauen Himmel gesehen.
In Hattingen geht es los. Das geht sehr gut, weil man mit der S-Bahn dorthin fahren kann. Bei Hattingen und Wandern denken die meisten sofort an die Elfringhauser Schweiz. Da gibt es zwar eine traumhafte Landschaft, dafür ist aber meine Strecke in Richtung Bochum abwechslungsreicher!

Das Foto zeigt das Rathaus in der Altstadt von Hattingen
Warum ist der Turm so schief?

Auf jeden Fall in die Altstadt!

Wenn man in Hattingen loswandert, muss man selbstverständlich durch die Altstadt hindurch (noch mehr Tipps für einen Tag in Hattingen findet Ihr in Katharinas Blogartikel). Wir haben in unserer Region nicht mehr viele Stadtkerne mit so viel idyllischer Fachwerkbebauung und deswegen ist eine kleine Runde durch das Alte Rathaus hindurch auf den Kirchplatz mit dem schiefen Turm der St. Georgskirche ein Muss. Für die Neigung des Kirchturms gibt es verschiedene Erklärungen. Am wahrscheinlichsten erscheint mir die Variante, dass man bewusst schief gebaut hat, damit der Turm im Brandfall nicht auf das Kirchenschiff stürzt. Oder sind es doch einfach Baumängel? Wer weiß! Das gastronomische Angebot in Hattingen, z.B. in For des Café Adele ist sehr verlockend, aber noch habe ich mir eine Pause nicht verdient!

Aus der Idylle zur Industrie(kultur)

Das Foto zeigt alte Maschinen auf dem Gelände der Henrichshütte in Hattingen
Man kann sich vorstellen, welche Kräfte früher am Werk waren!

Ich wandere weitere nach Norden, denn mein nächstes Ziel ist die Henrichshütte Hattingen. Von diesem alten Hochofen- und Stahlwerk sind heute nur noch einige Reste erhalten, die zum Teil zum LWL-Industriemuseum Henrichshütte gehören. Ein Hochofen, der mit einem Aufzug befahrbar ist, wo gibt es das schon!? Spannend ist, die Neu-Nutzung auf diesem Gelände zu erlaufen. Dieses Riesen-Areal neu zu vermarkten, ist eine Herkules-Aufgabe und die früheren 10.000 Arbeitsplätze wird es dort wohl nie wieder geben. Aber man scheint auf dem richtigen Weg zu sein!
Mit der Kosterbrücke überquere ich die Ruhr. Beim Brückenbau 1980 dachte man noch, dass damit das Überleben der Henrichshütte gesichert sei, aber tatsächlich hat die Hütte dann doch 1987 endgültig die Hochöfen ausgeblasen.

Szenenwechsel: Bergbau überall!

Die Grenze zwischen Hattingen und Bochum liegt genau in der Mitte der Ruhr und schnell bin ich auf Bochumer Seite. Hier im Süden des Ruhrgebiets findet man viele Spuren des frühen Steinkohlebergbaus und das wird auf meinem weiteren Weg sehr anschaulich. Es gibt Hinweistafeln, aber auch bauliche Reste, wie den Malakoffturm der Zeche Brockhauser Tiefbau „am Bliestollen“. Die gemauerten Malakofftürme waren die Vorgänger der stählernen Fördergerüste. Heute gibt es nur noch 14 Stück von ihnen im gesamten Ruhrgebiet. Die gelben Warnschilder mit dem Hinweis, dass man aufgrund des frühen Bergbaus die Wege nicht verlassen darf, sollte man unbedingt ernst nehmen!

Wandern zu Sputnik, Trabi und einer legendären Waschküche!

Es geht immer weiter aus dem Ruhrtal herauf auf die Ruhrhöhen, und da treffe ich auf das Radom, eine halbrunde Traglufthalle, unter der sich ein riesiges Teleskop versteckt. Es ist eine Anlage der Sternwarte Bochum, die man besichtigen kann, und das lohnt sich unbedingt, weil man in diesem „Kap Kaminski“ viel über die Anfänge der Raumfahrt lernt. 1957 hat Heinz Kaminski in seiner Waschküche ganz in der Nähe die ersten Sputnik-Signale empfangen, und diese Waschküche hat man original nachgebaut. Aber was hat der DDR-Trabi hier zu suchen? Das müsst ihr selber herausfinden!

Das Foto zeigt das Radom der Sternwarte Bochum, eine halbrunde Traglufthalle, unter der sich ein riesiges Teleskop versteckt.
Der Draht ins All!

Jetzt eine Pause!

Auf diesem Abschnitt gibt es einiges an Gastronomie: das „Waldhaus“ direkt gegenüber vom Malakoffturm, „Zum Wienkopp“ am Radom, oder das „Forsthaus“ oder „Borgböhmer’s Waldesruh“, beides im Weitmarer Holz. Zur Mittagszeit war ich im „Wienkopp“ gut bedient.

Viel Wald in Bochum!

Ich wandere weiter durch das Weitmarer Holz, das größte Waldgebiet der Stadt Bochum, vorbei am Wildgehege, in dem die Frischlinge den Matsch nach Essbarem durchwühlen. Fast nahtlos geht dieses Waldgebiet in den Park von Schloss Weitmar über. Das ist heute nur noch eine Ruine, aber ergänzt durch moderne Gebäude. Ihr findet hier ein ungewöhnliches Museum mit moderner Kunst, die „Situation Kunst“, vor einigen Jahren ergänzt um das „Museum Unter Tage“. Beides braucht Zeit zum Entdecken.

Das Foto zeigt den Schlosspark in Bochum-Weitmar
Weite im Bochumer Süden: der Schlosspark Weitmar

Direkt an der Schlossstraße könnt ihr in die Straßenbahn einsteigen: entweder zurück nach Hattingen oder Ihr fahrt Richtung Bochum.

Typisch Ruhrgebiet!

Mein Fazit: Vom Fachwerkstädtchen über Industriekultur zu einer Schlossruine mit moderner Kunst, durch einen Landschaft- und Gewerbepark über eine Flussaue durch Wälder hindurch. Viel abwechslungsreicher kann eine Wanderung nicht sein, finde ich. Probiert es aus! Schaut Euch auch gerne mal meine anderen Wandertipps für Ruhrgebiet an!

Das könnt ihr auch gerne mit mir zusammen machen: am 18.5.2019 bieten wir diese Wanderung mit Erläuterungen an. Buchbar über www.ruhr-tourismus.de/ruhrtour. Dann ist auch ein leckeres Mittagsessen im Preis enthalten. Wir haben noch zwei weitere Wander-Routen für 2019 im Programm. Probiert es aus!

RuhrTour

Spannende Touren durch das Ruhrgebiet!
Email: info@ruhr-tourismus.de
Hotline: +49 1806 18 16 20
Website: www.ruhr-tourismus.de/ruhrtour

Wanderung Hattingen bis Bochum
Komoot: www.komoot.de/tour/57543897
GPX-Daten-Download

3 Kommentare auf den Beitrag “Wandern im grünen Süden – von Hattingen nach Bochum

  1. Hallo Christiane,
    die Beschreibung des Spazierganges Hattingen-Bochum erinnert mich an meine Bochumer Kindheit. Mein Vater und ich haben diese Strecke in umgekehrter Reihenfolge oft „abgelaufen“. Eine alternative Strecke war dann noch die Abzweigung von der Kosterbrücke nach links entlang der Ruhr zur Burg Blankenstein. Zurück zur Stadtmitte ging es dann entweder mit dem Bus bis oder mit der Straßenbahn nach Bochum-Mitte. Bin gespannt auf Ihren nächsten Artikel. KJB

    • Hallo KJB,
      danke für das nette Feedback. Bei früheren Wanderungen waren wir auch an der Burg Blankenstein und in Stiepel. Eine wunderbare Wanderecke, und das ja wohl schon seit langer Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folge uns in den sozialen Netzwerken

Die #MEINRUHRGEBIET Video-Sammlung