von Christiane | 4. März 2021 | KATEGORIEN Erlebnis, Rad | 0 Kommentare

Selbst schuld, habe ich gedacht, als ich vor zwei Wochen mit dem Rad durch Hernes Stadthafen gefahren bin. Schön ist anders. Aber ich muss Euch die Vorgeschichte erzählen: Im letzten Sommer habe ich eine (Auto-)Tour durch Herne gemacht und habe anschließend gedacht, dass man das – weil Herne recht flach ist – auch gut noch mal mit dem Fahrrad machen kann. Das habe ich vorletzte Woche ausprobiert und bin 22 Kilometer durch Herne geradelt. Nicht jeder Kilometer war reizvoll (z.B. im Stadthafen) aber im Endeffekt wieder spannend.

Was fällt mir zu Herne ein?

Ich starte aber erst mal mit meinem Bericht von der (Auto)-Tour im Sommer 2020! Zu den Fakten: Herne ist die flächenmäßig kleinste, aber am dichtesten besiedelte Stadt im Ruhrgebiet (und an 5. Stelle in Deutschland). Die geographische Mitte vom Pott liegt hier und im Sommer geht man zur Cranger Kirmes, einem der größten Volksfeste in NRW.

Mein erster Stopp: Fast wie ein Schloss

Das Foto zeigt die frühere Hauptverwaltung der Zeche Friedrich der Große in Herne
So sah es im Sommer aus; ein aktuelles Foto seht Ihr später.

Ich bin also losgefahren auf Entdeckungstour und habe direkt zu Beginn einen unglaublich schönen, etwas verwunschenen Ort entdeckt: die frühere Hauptverwaltung der Zeche Friedrich der Große. Sie liegt in einer kurzen Seitenstraße, in der ich so ein Gebäude überhaupt nicht vermutet hätte. Eine kleine Platanenallee führt auf das Gebäude zu – fast wie bei einem Schloss. Leider steht das Haus in Privatbesitz leer und ist in schlechtem Zustand, aber es wäre schön, wenn es erhalten werden könnte. Die dazu gehörige Zeche lag ein kleines Stück weiter nördlich, unmittelbar am Stichkanal, den man für den Kohletransport angelegt hatte und in dessen Bett heute teilweise die A 42 verläuft. Wenn Ihr Euch das mal auf der Karte oder im Luftbild angucken wollt, geht auf www.luftbilder.geoportal.ruhr und klickt Euch durch 100 Jahre Luftbildfotographie.

Jetzt aber ein richtiges Schloss

Gar nicht weit davon entfernt liegt das Schloss Strünkede mit dem Emschertal-Museum, eingebettet in einen herrlichen Park und von einem Wassergraben umgeben. Das Museum ist klasse gemacht, vom Mammutskelett über eine mittelalterliche Rattenfalle bis hin zu Exponaten aus dem 18 Jahrhundert kann man dort eine Menge entdecken.

Das kenne ich auch noch – Zurück in die Jugend in einer alten Volksschule

Wer sich aber mehr für die Boomphase des Ruhrgebiets – sprich ab 1900 – interessiert, der geht besser ins Heimatmusem Unser Fritz. Das liegt einige Kilometer entfernt in Wanne und ist in einer alten Volksschule untergebracht, aber genauso liebevoll gemacht wie das Museum im Schloss. Die alten hölzernen Schulbänke kenne ich sogar noch aus meiner Schulzeit und auch bei den 70er Jahre-Ausstellungsstücken fühle ich mich in meine Jugend zurückversetzt. Toll ist die Einrichtung eines alten Herner Drogeriegeschäftes; schade, dass man so etwas nur noch im Museum findet. Oder das Wohnzimmer im Gelsenkirchener Barock: da stimmt jedes Detail! Draußen vor der Tür stehen alte Loks und mit der Fortuna-Bude eine der ältesten Trinkhallen der Region! Das Gleiscafé Fritzchen lädt zur Pause zwischen Eisenbahnwagons ein.

Hinauf ins grüne Herne

Ich wollte mir gerne noch Herne von oben angucken und bin zur Halde Pluto gefahren. Dort ist es offensichtlich, dass ich mitten im Pott bin. Der Rundblick ist herrlich: Ich sehe die Essener Skyline, den Tetraeder, das weiße Dach der Schalke-Arena, die Halde Hoheward und ganz nah dran das Fördergerüst der Zeche Pluto. Die Halde liegt direkt an der Erzbahntrasse (Knotenpunkt 45) und das hat mich auf Idee gebracht, die Tour mit dem Rad zu wiederholen.

Das Foto zeigt den Ausblick von der Halde Pluto in Herne
Mitten im Pott…
Das Foto zeigt den Ausblick von der Halde Pluto in Herne
…und doch so grün!

Also nochmal Herne – Diesmal per Rad

Zusammen meiner Kollegin Annette habe ich einen sonnigen Februartag abgewartet, an dem wir uns am Bahnhof Herne Metropolräder ausleihen und die Strecke vom letzten Jahr nachradeln. Etwas abgewandelt, aber im Großen und Ganzen ähnlich. Zuerst führt uns unsere Tour zum Schloss Strünkede: Diesmal ist der Weiher noch zugefroren und das Museum wegen Corona geschlossen. Aber das ändert sich hoffentlich bald wieder! Eine unbedingte Empfehlung. Und im Schlosspark zu radeln macht echt Spaß!

Das Foto zeigt eine Radfahrerin und zwei Fahrräder am Schloss Strünkede in Herne
Zu jeder Jahreszeit ein Hingucker: Schloss Strünkede.

Gibt’s was Neues bei Friedrich der Große?

Nun geht es wieder bei der verwunschenen Hauptverwaltung der Zeche Friedrich der Große vorbei. Die Radwege gehen leider entlang der Straße und sind nicht so schön, dafür ist aber die Überraschung groß, als wir die Bauarbeiten auf dem Gelände sehen. Zum Glück wird dieses Schmuckstück aber nicht ganz abgerissen. Die Fassade bleibt erhalten und dahinter können in einigen Jahren Senioren wohnen. Wieder ein gerettetes Stück Geschichte!

Das Foto zeigt die frühere Hauptverwaltung der Zeche Friedrich der Große in Herne
Noch braucht es Fantasie.

Bahntrassenradeln zum Herner Meer

Nicht weit entfernt ist die ehemalige Bahntrasse Friedrich der Große, die zum Radweg umgebaut wurde: Ein Stück, wo das Radeln wieder richtig Spaß macht. Diese Trasse bringt uns zum Herner Meer, das auch noch teilweise leicht zugefroren ist. Aber die Skipper sind bestimmt schon in den Startlöchern.

Weiter geht es ein ganzes Stück Richtung Westen am Rhein-Herne-Kanal entlang, vorbei an einer Kleingartenanlage – liebevoll dekoriert mit Bergbau-Erinnerungen – und durch den Hinterhof des STEAG-Kraftwerks Herne, dessen Tage gezählt sind. Direkt nebenan wird das neue Gasturbinen-Kraftwerk gebaut. Das braucht allerdings auch nicht mehr die viele Kohle, die hier noch lagert.

Das Foto zeigt eine Kohlenhalde in Herne
Solche Kohleberge sieht man nicht mehr oft im Revier!

Schnell vorbei am Hafen bis zur Halde Pluto

Der Streckenabschnitt um den Hafen herum ist nicht so schön, aber authentisch. Früher sah das Ruhrgebiet an vielen Stellen so aus. Es geht vorbei an der Schleusengruppe Wanne-Eickel, über das Kirmesgelände von Crange, das hoffentlich in diesem Jahr wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und weiter am Kanal entlang. Schön ist, dass wir von dort direkt durch einen kleinen Wald zum Heimatmuseum Unser Fritz kommen. Auch das hat geschlossen, aber wir kennen es noch vom letzten Jahr. Und ich bin froh, dass ich nicht die ganze Tour auf dem Rad mit Bananensattel (s.o.) fahren muss. Auf der Erzbahntrasse angekommen, wird es wieder entspannter zu fahren. Und natürlich erklimmen wir wieder die Halde Pluto. Sie ist nicht hoch, aber der Rundblick einfach wieder super.

Zum Feierabend ´ne Currywurst

Das Foto zeigt das Schild der Pommesbude "Die Currywurst" in Herne
Zum Abschluss gibt es Currywurst

Am Hauptbahnhof Wanne-Eickel reicht es uns dann. Das Tolle bei den Metropolrädern ist, dass man sie nicht wieder an den Startort zurückbringen muss und so machen wir hier Schluss. V.a. auch, weil in der Nähe eine bekannte Pommesbude ist: „Die Currywurst“. Und die haben wir uns verdient. Allerdings verzichten wir auf das Nachwürzen, für das diese Bude berühmt ist: „die schärfste Currywurst der Welt seit 1994“. Nicht mit uns, wir wollen schließlich einen entspannten Feierabend haben. ? Mehr über „Die Currywurst“ und weitere Trends rund um den „Ruhrpott-Klassiker“ erfahrt Ihr in Sandras Artikel „Currywurst-Check Teil 2“.

Zwei Tage in Herne –  Mein Fazit

Vergessene und viele gehobene Schätze (bei den Halden sogar wortwörtlich). Und damit, finde ich, ist Herne mal wieder typisch Ruhrgebiet: man meint es zu kennen, findet aber doch immer wieder tolles Neues und Revier-Romantik. Die Tour für Ruhrgebiets-Liebhaber, ob per Auto oder Rad! Los geht’s, ich wünsche Euch viel Spaß beim „Nachmachen“.

Tags: , , , , , , ,

Überraschendes Herne

Pinterest
Diesen Beitrag teilen
Überraschendes Herne

Hauptverwaltung Zeche Friedrich der Große
Albert-Klein-Straße
Herne

Schloss Strünkede und Emschertal-Museum
Karl-Brandt-Weg 5
44629 Herne
Website: www.herne.de

Heimatmuseum Unser Fritz
Unser-Fritz-Straße 108
44653 Herne
Website: www.herne.de

Halde Pluto
Aufgang von der Wilhelmstraße über die Erzbahntrasse

Die Currywurst
Heidstr. 28
44649 Wanne-Eickel
Website: www.diecurrywurst.com
Facebook: www.facebook.com/DieCurrywurst
Instagram: www.instagram.com/diecurrywurst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folge uns in den sozialen Netzwerken

Die #MEINRUHRGEBIET Video-Sammlung