von Ronja / Thema: Industriekultur / am 21. September 2017um9:00

Meine Reise in die Vergangenheit der Zeche Zollern

„Das Schloss der Arbeit“ wird die Zeche Zollern im Dortmunder Westen oft genannt. Wenn ich an eine ehemalige Zeche denke, käme mir nicht das Wort „Schloss“ in den Sinn. Als ich durch die mit Bäumen gesäumte Allee zur Zeche Zollern fahre, bin ich wirklich sehr gespannt. Ist sie wirklich so schön, wie ich gelesen habe?

Ist sie! Als ich von Vogelgezwitscher begleitet den Hof betrete, bietet sich mir eine tolle Backsteinkulisse mit parkähnlichem Hof. Ich höre freudige Kinderstimmen und sehe einen Mann, der sich mit seinem Hund auf einer Bank in der Sonne entspannt. Auf den ersten Blick erinnern nur die zwei Fördergerüste daran, warum auch das Wort „Arbeit“ im Titel zu finden ist.

Das Foto zeigt die beiden Fördergerüste der Zeche Zollern Dortmund. Hier im Spiegelbild eines Fensters.

Fördergerüst der Zeche Zollern im Spiegelbild

Lebendige Geschichte in Schwarz und Weiß

Mein heutiges Ziel ist die Ausstellung „Ruhrgebietsfotografien“ mit Fotografien von Erich Grisar. Diese sind zwischen 1928 und 1933 entstanden und widmen sich den Themen „Städtisches Leben“, „Kindheit“ und „Arbeit und Alltag im industriellen Ballungsraum“. Erich Grisar stammt dabei selbst aus dem Arbeitermilieu, er ist in Dortmund aufgewachsen und das spiegelt sich auch in seinen Fotografien. Ergänzt wird die Ausstellung durch Schriftstücke von Grisar selbst oder aus Zeitungen der damaligen Zeit.

Als würden die Bilder reden…

Während ich durch die Ausstellung schlendere, habe ich das Gefühl, Grisar war stets auf Augenhöhe zu den Menschen. Seine Bilder sind großartig lebendig und direkt. Er zeigt die Menschen nicht von weitem, sondern stellt einen direkten Kontakt zwischen Ihnen und der Kamera und somit dem Betrachter her. Die zahlreichen Fotografien zeigen das öffentliche Leben der damaligen Zeit. Abbildungen Berufstätiger im Alltag reihen sich an spielende oder arbeitende Kinder, Industrieanlagen an mit Wäsche verbundene Wohnhäuser und ihre Bewohner.

Das Foto zeigt einige Zitate von Erich Grisar, dem Fotografen der Ausstellung Ruhrgebietsfotografen, in der Zeche Zollern Dortmund

Zitate von Grisar auf großen Wänden ergänzen die Ausstellung

Dortmunder Nordstadt im Wandel der Zeit

Auf der oberen Etage der alten Halle, in der sich die Wechselausstellungen befinden, hängen weitere Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor alten Backsteinwänden. Ambiente? 1 mit Stern! Was mich hier besonders interessiert, ist ein Schülerprojekt verschiedener Dortmunder Schulen. Mit unterschiedlichen Ansätzen setzen sie die Bilder Grisars mit aktuellen Fotos der Dortmunder Nordstadt in Beziehung. Dem Betrachter bleibt selbst überlassen, sich seine Gedanken zu Parallelen und Differenzen zu machen. Was mir auffällt? Ich vermisse oft die Menschen auf den Straßen, die sich bei Grisar so getummelt haben. Einige finde ich jedoch: In Videoinstallationen führen taubstumme Schülerinnen und Schüler Interviews, etwa mit zwei älteren Herren in ihrem Schrebergarten. Warum sie ihren Schrebergarten so mögen. Ja, die Gemeinschaft. Und das draußen sein. Da sind sich die beiden sehr einig. Was Grisars Fotografierte wohl geantwortet hätten?

Das Foto zeigt die Fotoausstellung der Dortmunder Schüler und den bildlichen Vergleich der Dortmunder Nordstadt von früher und heute.

Die Fotoausstellung der Dortmunder Schüler & ein Vergleich der Dortmunder Nordstadt früher und heute

Auf den Spuren der Zollern-Geschichten

Nach dem Besuch der Ausstellung brenne ich darauf, noch mehr Menschengeschichten zu erfahren und begebe mich auf den Weg zur Dauerausstellung des LWL-Industriemuseums. In der alten Verwaltung, der Lohnkaue oder der Lampenstube erfahre ich, dass der Fußballclub der Zeche Zollern anfangs gar nicht so erfolgreich war, höre die Musik zu der damals getanzt wurde und schaue mir im „Capitol“ einen Film an. Die Dauerausstellung führt mich durch sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche der Bergmänner und ihrer Familien.

Das Foto zeigt viele von der Decke hängende Personalkarten von Arbeitern auf der Zeche Zollern.

Personalkarten von Arbeitern auf der Zeche Zollern

Immer den Schienen nach

Zum Abschluss schlendere ich noch über das Außengelände und durch die riesige Maschinenhalle. Inzwischen sind die Schulklassen mit ihrer Führung fertig und toben auf dem Fördergerüst. Dort müsst Ihr unbedingt einmal hoch und die tolle Aussicht genießen. Auch die Maschinenhalle mit ihren tollen Fenstern ist einen Besuch wert!

Das Foto zeigt die Maschinenhalle der Zeche Zollern mit den vielen Maschinen im Vordergrund und den Jugendstilfenstern.

Die Maschinenhalle mit alten Maschinen und Jugendstilfenstern

Außerdem könnt Ihr Euch in eine Grubenbahn quetschen, testen wie schwer ein Förderwagen zu bewegen ist oder Euch auf dem weitläufigen Gelände treiben lassen und in allen Ecken etwas Neues entdecken. Wem das ein wenig zu unstrukturiert ist, der kann an einer der zahlreichen Führungen auf der Zeche Zollern teilnehmen oder sein Wissen beim Quiz „Watt meinze?“ testen.

Henrik Bohle und Jan Dimoog vom Architekturblog The Link haben die Zeche Zollern ebenfalls besucht. Ihr Berich ist hier erschienen und eine absolute Leseempfehlung!

Allgemeine Informationen

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

Grubenweg 5
44388 Dortmund

Tel.: +49 231 6961 111
Fax: +49 231 6961 114

E-Mail: zeche-zollern@lwl.org
Website: www.lwl.org/industriemuseum/standorte/zeche-zollern
Ausstellung: www.lwl.org/industriemuseum/standorte/zeche-zollern/sonderausstellung/erich-grisar
Facebook: www.facebook.com/LWL.Industriemuseum

Die Zeche Zollern ist Teil der Route der Industriekultur.



Ronja Ein Artikel von

Ich heiße Ronja und bin in Soest, vor den Toren des Ruhrgebiets, aufgewachsen. Nach Umwegen über Hessen und Niedersachsen, wohne ich nun in Düsseldorf und bin sehr froh, wieder in meinem Heimatbundesland zu sein. Am Ruhrgebiet schätze ich besonders die unkomplizierte und direkte Art der Menschen. Für mich ist es zudem eine faszinierende Region mit tollen industriekulturellen Orten, mit vielen abwechslungsreichen Einrichtungen und coolen Events. In meiner Freizeit bin ich am liebsten immer unterwegs und auf der Suche nach spannenden Erlebnissen. Bei der RTG bin ich für das Marketing im Bereich Industriekultur zuständig.

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