von Sascha Kurzrock | 9. November 2022 | KATEGORIEN Auf trallafitti, Echt lecker!, Fußball | 0 Kommentare

Raus anne frische Luft

Nach einer erholsamen Nacht und dem glücklichmachenden Frühstück im Hotel Friends auf Zollverein geht unsere Museumstour  in die dritte Runde, und an die frische Luft. Die vom Fanprojekt Essen, der Fan- und Förderabteilung (FFA) und der „Initiative GMS“ ins Leben gerufene „kleine Gruga“ ist ein Freilichtmuseum, das auf einem 120 Meter langen Grünstreifen vor dem Stadion an der Hafenstraße zu finden und jederzeit frei begehbar ist. Das gilt auch für den Eintritt, der Besuch der kleinen Gruga ist kostenfrei.

Museum open Air – Besuch an der kleinen Gruga in Essen

Dritte Halbzeit an der „kleinen Gruga“ in Essen

Einzelne Exponate zeichnen die Historie des Ruhrgebiets im Allgemeinen und die der Essener Vereinsgeschichte im Speziellen nach: Ein Förderwagen, der in der letzten Schicht der Verbundsteinkohlenzeche Emil-Fritz eingesetzt wurde. Ein Nachbau einer Pergola, die in den fünfziger Jahren neben dem Stadion zu finden war. Ein Flutlichttisch. Bildtafeln. Zuletzt ein Mannschaftsfoto, durch das man seinen Kopf stecken kann, um selbst Teil der Meistermannschaft von 1955 zu werden.

Eins der ersten Ausstellungsstücke war eine Bergmannsskulptur, die 1951 vom Bochumer Bildhauer Fritz Pesch angefertigt wurde. Hierbei handelt es sich um ein Replikat, das Original befindet sich im deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Dorthin fahren wir jetzt zurück. Nicht ins Fußballmuseum, aber in das wiedereröffnete Borusseum des BVB.

But first: Hausmannskost!

Vorher machen wir noch einen kurzen Abstecher ins urgemütliche „Wohnzimmer“, einer Café-Bar unweit des Borusseums. Wir entscheiden uns für orientalische Köfte mit Bratkartoffeln und lassen damit unter anderem die hausgemachten Kartoffelecken mit Aioli und die Spaghetti Bolognese links liegen. Das Wohnzimmer bietet zwar noch ausgefallenere Gerichte wie die vegane Walnuss-Kürbis-Pastapfanne, aber das Einfache gut zu machen, darin liegt die Kunst. Und sie sind wahre Künstler im Wohnzimmer, denn es schmeckt göttlich!

Der Kreis schließt sich – Finale im Borusseum in Dortmund

Wir begeben uns gut gestärkt ins Borusseum, das an der Strobelallee und damit im Epizentrum der Borussia zu finden ist, unmittelbar neben dem Signal-Iduna-Park. Mit einem Fahrstuhl geht es zum Eingangsbereich, hier werden 9 Euro für Erwachsene fällig, wenn sie nicht gerade Mitglied beim BVB sind (6 Euro) oder eine Ermäßigung in Anspruch nehmen können (7 Euro).

Schmuckkästchen in schwatt-gelb

Anfangs hatten wir ein paar Probleme, das Konzept zu durchschauen: Die Einteilung nach Jahrzehnten, so wie sie der königsblaue Rivale vorgenommen hat, war auf den ersten Blick einleuchtend. Die Borussia hat dagegen nach der Wiedereröffnung in diesem Jahr acht Themeninseln gestaltet: Gründungsgeschichte, Spielstätten, nationale Wettbewerbe, Dramen, Fans, Chronik, internationale Wettbewerbe und Schatzkammer. Das hat zur Folge, dass der Relegationskrimi gegen Fortuna Köln aus dem Jahr 1986 neben der Fast-Insolvenz von 2005 zu finden ist. Hat man das Prinzip durchschaut, entspricht der Gang durchs Borusseum einer angenehmen Wanderung durch die Vereinsgeschichte, in der sich Audio- und Videoinhalte mit Exponaten und Texten abwechseln.

Besonders gelungen ist der Bereich „Fans“, in dem den Anhängerinnen und Anhängern Raum gegeben wird. Gezeigt wird beispielsweise der selbstgeschweißte „Wellenbrechersitz“ eines Vaters für seinen Sohn, der auf der Südtribüne zum Einsatz kam. Ein anderer junger Borusse berichtet davon, wie er seinen Schal verlor und der von Matthias Sammer wiedergefunden wurde. Andere Fans stellen ihre Kutten zur Verfügung oder einen Doppelhalter aus den sechziger Jahren. Das Borusseum stellt die Fans damit auf dieselbe Stufe wie die nationalen und internationalen Vereinserfolge, wie die Dramen und wie die Titel und macht damit deutlich, welchen Wert die Anhängerschaft für sie hat. Ein Fakt, der bei Vereinen gerne vergessen wird. Und dass in der „Schatzkammer“ jeder Pokal nur einmal gezeigt wird und nicht, wie im Museum des FC Bayern München, so oft, wie er gewonnen wurde, ist alles andere als ein netter Nebeneffekt.

Fans über alles beim BVB09

Dringende, museale Besuchsempfehlung!

Mit dem Verlassen des Borusseums endet unsere Reise durch die Fußball-Museumslandschaft Ruhrgebiet. Jede einzelne Ausstellung ist empfehlenswert, dass schwarz-gelbe Fans eher ins Borusseum, blau-weiße Anhängerinnen und Anhänger ins Schalke-Museum und rot-weiße Fußballbegeisterte zur kleinen Gruga pilgern sollten, versteht sich von selbst. Das deutsche Fußballmuseum sollte ein Pflichtbesuch sein, selbst dann, wenn man mit Fußball nichts am Hut hat. Dafür ist die Nachkriegsgeschichte zu eng mit dem Wunder von Bern, der WM-Triumph von Rom zu eng mit der Wiedervereinigung und die soziokulturelle Geschichte Deutschlands mit dem Fußball per se zu eng verbunden.

Was ich mitnehme?

Was aus Michelle aus der Parallelklasse wurde, weiß ich nicht. Mister Big haben sich aufgelöst und einige Jahre später ein Comeback gestartet, wie Wikipedia verrät, es gibt aber seit einigen Jahren „keine weiteren Zukunftspläne“. Ich bin der Schule treu geblieben und Lehrer geworden. Aber mehrere Museumsbesuche an einem Tag sind auch 2022 keine gute Idee. Jedem Museum einen Tag lang Aufmerksamkeit zu schenken, das haben die Museen verdient und das ist die richtige Dosis Fußball. Zumindest das ist gleichgeblieben.

 

Das Copyright aller  Fotos & Texte liegt bei Sascha Kurzrock.

Die vorgestellten Orte:

Kleine Gruga
Rot-Weiss Essen e.V.
Hafenstraße 97a
45356 Essen

Wohnzimmer Cafebar
Neuer Graben 16
44139 Dortmund
www.instagram.com/wohnzimmercafebar/

Borusseum
Strobelallee 50
44139 Dortmund

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