von Sarah / Thema: Erlebnis, Industriekultur / am 11. Januar 2018um9:00

Fotografieren im Ruhrgebiet – Meine Top 10 Fotospots zwischen Moers und Dortmund

Auf der Halde Rheinpreußen in Moers fegt ein beißender Wind. Mit eiskalten Fingern baue ich mein Stativ auf. Kurz überlege ich, ob es eine gute Idee war, mitten im Winter hier raufzukraxeln. Doch dann geht die Sonne unter und die eben noch unspektakulären Wolken am Himmel färben sich so intensiv pink, dass eigentlich nur noch ein vorbeireitendes Einhorn fehlt, um die Szene perfekt zu machen. Ganz klar: An beeindruckenden Fotospots mangelt es dem Ruhrgebiet nicht. Ich nehme Euch heute mit auf eine Tour zu zehn verschiedenen prominenten und weniger bekannten Orten für wirklich tolle Bilder.

Das Foto zeigt die überdimensionale Grubenlampe "Das Geleucht" auf der Halde Rheinpreußen in Moers

Die überdimensionale Grubenlampe „Das Geleucht“ wirkt besonders am Abend und in der Nacht

Nächtliche Beleuchtung im Landschaftspark Duisburg-Nord

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers ist sicher ein Ort, der besonders am Abend seine Wirkung entfaltet. Gleiches gilt auch für den Landschaftspark Duisburg Nord. Schon tagsüber erheben sich die rostbraunen Hochofenanlagen eindrucksvoll in den Himmel. Als ich am späten Abend dort eintreffe, erstrahlen die vielen Gerüste und Türme in magischen Blau-, Grün-, und Rottönen. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst mit dem Fotografieren beginnen soll. Dadurch, dass das Gelände so groß ist, finde ich auch nach zwei Stunden noch hinter jeder Ecke eine neue Perspektive. Hier lohnt es sich definitiv, ein zweites oder drittes Mal vorbeizuschauen!

Das Foto zeigt ein Industriegebäude im Landschaftspark Duisburg-Nord

Geheimnisvoll beleuchtete Industriegebäude im Landschaftspark Duisburg-Nord

Unterwegs entdeckt: Ein tanzender Strommast in Oberhausen

Auf dem Weg von Duisburg tiefer in den Westen entdecke ich am nächsten Tag bei der Fahrt über die Autobahn einen seltsamen Strommast, gleich hinter dem Gasometer in Oberhausen. Was macht der denn da? Er tanzt! Losgelöst vom Stromnetz steht er geschwungen und beschwingt auf der Wiese am Gehölzgarten Ripshorst. Sein Name ist „Zauberlehrling“ und er stammt von der Künstlergruppe „Inges Idee“. Mein Tipp: Richtet Eure Kamera so aus, dass Ihr die regulären Strommasten am Horizont mit auf dem Bild habt. So sticht der künstlerische Charakter des Zauberlehrlings besonders heraus.

Das Foto zeigt den tanzenden Strommast "Zauberlehrling" der Künstler Inges Idee

Inges Idee: Der tanzende Strommast ist schon von der Autobahn aus zu sehen

Bunte Fotospots im Ruhrgebiet: Totems auf dem Haldengipfel – und ein faules Ei

Kurz darauf bin ich in Bottrop. Ich finde hier gleich drei Fotospots, die mich beeindrucken. Für zwei davon heißt es mal wieder: Bergsteigen. Hoch oben auf der Halde Haniel reihen sich bunt bemalte Eisenbahnschwellen als Totempfähle aneinander. Der Gipfel der Halde wirkt dabei so surreal wie der Krater einer Mondlandschaft. Ebenfalls beeindruckend ist das Stahlkonstrukt „Haldenereignis Emscherblick“ auf der Halde Beckstraße. Im Ruhrgebiet meist liebevoll-sachlich Tetraeder genannt. Ein bisschen muss ich beim Anblick des Kunstwerks an das Plattencover von Pink Floyds „The Dark Side oft the Moon“ denken. Ich bin zwar etwas außer Atem, aber der Weg hinauf mit der Kamera hat sich mehr als gelohnt.

Auch an diesem Abend gibt es noch ein beleuchtetes Highlight: die Kläranlage der Emschergenossenschaft in Bottrop. Kläranlage? Ja, richtig. In strahlendes Blau kleidet sich die eiförmige Beckengruppe. Das ist ganz sicher auch der Grund, weshalb es etwas nach Ei riecht. Nach altem Ei. Aber ein Foto betrachtet man ja mit den Augen und nicht mit der Nase.

Das Foto zeigt das Klärwerk in Bottrop bei Nacht

Sieht besser aus, als es riecht: Das Klärwerk in Bottrop bei Nacht

Wie im Märchen: Hundertwasser im Grugapark

Nach so viel Industriekultur führt mich der Weg in den kommenden Tagen auch mal in die Natur. Und zwar in den Grugapark in Essen. In der warmen Jahreszeit duftet es herrlich nach Blumen (was die Sache mit dem Ei wieder in Ordnung bringt) und als Highlight schimmert am Rande des Parks mit goldenem Zwiebeltürmchen eines der berühmten und märchenhaften Häuser von Hundertwasser. Besonders bei Sonne ein farbenfrohes Motiv!

Das Foto zeigt das Hundertwasserhaus im Grugapark Essen

Das Hundertwasserhaus in Essen ist ein kleiner Märchentraum

Weiter westlich – in Dortmund – findet sich im Schatten des bekannten Westfalenparks noch eine Grünanlage, die zu verschiedenen Jahreszeiten fotografisch spannend ist. Im Frühling zieht sich im Rombergpark eine meterlange Schleppe aus violettem Krokus den Hügel hinauf. Besonders im Herbst und Winter hat man durch tiefhängende Sonnenstrahlen und weiches Licht einen fantastischen Blick auf einen kleinen Teich, in dem mangrovenartig Bäume im Wasser stehen.

Die letzten Fotospots der Tour: Blühende Heide und Fachwerk-Romantik

Für meine letzten beiden Fotospots im Ruhrgebiet muss ich mich einmal ganz in den Norden und einmal mehr in den Süden der Region bewegen. In der ans Münsterland grenzenden Westruper Heide in Haltern am See kann ich endlich einmal ausgiebig Gebrauch von meinem Weitwinkelobjektiv machen. Zwischen August und September finden Landschaftsfotografien hier einen purpurfarbenen Teppich aus Blüten. Jetzt bin ich am Ende meiner Reise durch das Ruhrgebiet angekommen. Beinahe. Denn meine letzte Station ist die Altstadt in Hattingen. Zwischen Kopfsteinpflaster und Fachwerk lassen sich nicht nur historische Häuser auf Film und Speicherkarte bannen, sondern auch viele urige Bänke, Blumentöpfe und Tierfiguren, die vor den kleinen Cafés und Kramläden aufgestellt wurden.

Ob bei Tag oder in der Nacht, im Osten oder Westen, vom Frühling bis zum Winter: Zwischen Industriekultur, Kunst und Natur offenbart das Ruhrgebiet in jeder Himmelsrichtung tolle Fotospots, für die sich auch schon einmal das Frieren auf einem Haldengipfel im Winter lohnt.


Sarah Bauer Ein Artikel von

Unsere Gastautorin Sarah Bauer ist freie Texterin und Fotografin bei Zeilenaufbruch. Aufgewachsen an der Grenze zum Bergischen Land ist sie vor 6 Jahren ins Herz des Ruhrgebiets gezogen, wo sie trotz unzähliger Ausflüge immer noch täglich Neues entdeckt. Wenn sie nicht zwischen Zechen und Halden unterwegs ist, zieht es sie zum Reisen hinaus in die Welt – am liebsten in die USA. Auf ihrem Blog Lonelyroadlover veröffentlicht sie immer wieder Berichte über ihre Abenteuer und die Lebensgeschichten anderer Menschen.

6 Reaktionen (6 Kommentare)
  • Joachim schrieb am 23. April 2018:

    ein paar weitere Spots im Ruhrgebiet…..
    oben auf dem Gasometer in Oberhausen, die ÖPNV Haltestelle in Oberhausen, die Modellgärten in der Gruga, die Gruga überhaupt, die Dahlienarena, Zollverein in Essen mit alter Kokerei, der Museumsbahnsteig Oberhausen HBF

  • Volker S. schrieb am 17. April 2018:

    Wirklich ganz tolle Fotos. Als alter Ruhrie kenne ich zwar alle Orte, die Du anführst, aber nun wieder neu inspiriert und motiviert sie auch wieder mal zu besuchen. Lieben Dank dafür.

  • Bullnose schrieb am 10. April 2018:

    Schöne Fotos… Evtl. wären Daten interessant. Belichtung, Objektiv, Kamera , aps-c oder Vollformat…
    Bei Fotospots sind immer die GPS Daten toll…

    • Sarah schrieb am 11. April 2018:

      Hallo Bullnose,

      vielen Dank! Ein paar Daten hätte ich für dich. GPS tracke ich allerdings nicht, wenn ich unterwegs bin. 😉

      Das Geleucht in Moers: Canon 5D Mark II, Tamron 24-70mm, f 4.0, 1/30 Sek.
      Landschaftspark Nord in Duisburg: Canon 500D, Tamron 24-70mm, f 7.1, 15 Sek.
      Inges Idee in Oberhausen: Canon 600D, Tamron 17-50mm, f 5.6, 1/600 Sek.
      Halde Haniel in Bottrop: Canon 500D, Canon 18-55mm, f 7.1, 1/640 Sek.
      Tetraeder in Bottrop: Canon 5D Mark II, Tamron 10-24mm, f 5.6, 1/80 Sek.
      Klärwerk in Bottrop: Canon 600D, Tamron 24-70mm, f 3.2, 6 Sek.
      Hundertwasserhaus in Essen: Canon 600D, Tamron 24-70mm, f 7.1, 1/200 Sek.
      Krokus Rombergpark in Dortmund: Canon 600D, Tamron 24-70mm, f 3.5, 1/2500 Sek.
      Bäume Rombergpark in Dortmund: Canon 600D, Tamron 24-70mm, f 5.0, 1/80 Sek.
      Westruper Heide in Haltern: Canon 5D Mark II, Tamron 24-70mm, f 8.0, 1/200 Sek.
      Altstadt in Hattingen: Canon 600D, Tamron 24-70mm, f 5.0, 1/100 Sek.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter.

      Liebe Grüße,
      Sarah

  • Joker schrieb am 19. März 2018:

    Danke für die neuen Ideen…komme zwar aus dem Pott, kannte aber lediglich den Landschaftspark und die Hattinger Altstadt

  • Schrömi schrieb am 16. Januar 2018:

    Danke für ständige Inspiration!


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