von Melissa | 1. September 2022 | KATEGORIEN Echt fotogen, Industriekultur | 2 Kommentare

Verlassene Orte haben einfach ihren besonderen, mysteriösen Charme, der viele Menschen fasziniert – so auch mich. Die besondere Herausforderung bei diesem Blogbeitrag war es für mich, Orte im Ruhrgebiet zu finden, die spannend zu entdecken sind und gleichzeitig legal betreten werden dürfen. Kernkriterium für mich bei der Recherche war also, dass es leerstehende Gebäude oder Gelände sind, die nicht mehr in ihrer Ursprungsfunktion genutzt werden. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass es viele versteckte Orte gibt, die eine 1A Fotokulisse bieten und ohne Risiko besucht werden können. Los geht’s also mit meinen fünf Tipps für verlassene Orte im Ruhrgebiet.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet Tipp 1: Die ehemalige Hoeschzentrale

Der erste Ort, den ich dir vorstellen möchte, ist mir durch Zufall bei einer Radtour aufgefallen. Die alte Hoeschzentrale ist recht nah an der Dortmunder Innenstadt gelegen, steht seit Jahren leer und es hat schon mehrere Eigentümerwechsel und Pläne für das Gebäude gegeben.

Das Foto zeigt die ehemalige Hoeschzentrale in Dortmund, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Pflanzen erobern sich das Gelände zurück

Betreten kann man das Gebäude leider nicht, aber der 20er Jahre Bau macht auch von außen einiges her und ist eine tolle Fotokulisse. Kurze Warnung: Vor dem Gebäude liegt mittlerweile ziemlich viel Müll, der bei heißen Temperaturen einen mehr als gewöhnungsbedürftigen Geruch hinterlässt.

Das Foto zeigt die ehemalige Hoeschzentrale in Dortmund, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Mal ein anderer Blickwinkel

Back to the 20s

Du kannst um einen Teil des Gebäudes herumgehen und dich mit ein bisschen Vorstellungskraft in die 20er Jahre zurückversetzen.

Auf der linken Seite neben dem Gebäude befindet sich ein großer Parkplatz mit ziemlich altem Baumbestand. Hier lege ich eine kurze Fahrradverschnaufpause ein und knipse die alte Hoeschzentrale natürlich auch nochmal von dieser Seite.

Das Foto zeigt die ehemalige Hoeschzentrale in Dortmund, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Parkplatz mit tollem Baumbestand

Von hier aus kannst du gut zu meinem zweiten Tipp radeln und den Emscher Radweg nutzen, der einige Meter weiter beginnt und Richtung Huckarde führt.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet Tipp 2: Kokerei Hansa in Dortmund

Ich gebe zu, ein Geheimtipp ist die Kokerei Hansa nicht. 1920 als Großkokerei errichtet zeugt sie von einer ganz anderen Ära in Dortmund und ist wirklich ein interessanter Ort und die perfekt Fotokulisse zum Thema „Verlassene Plätze“. Der Eintritt auf das Gelände ist übrigens kostenfrei.

Das Foto zeigt die Waschkaue der Kokerei Hansa in Dortmund
Die Waschkaue

Mit deiner Tour kannst du beispielsweise drinnen starten und die alte Waschkaue besichtigen. Diesen Raum haben die Arbeiter früher zum Umziehen genutzt. Im Hintergrund im Kauenhimmel, kannst du die alten Körbe sehen, in denen die Kleidung während der Schichten aufbewahrt wurde.

Dieses System hatte ganz praktische Gründe: So wurde Platz gespart und die Kleidung blieb sauber. In der Kokerei Hansa gibt es auf jeden Fall viele interessante Perspektiven, die Hobbyfotografen vor die Linse nehmen können. Direkt nebenan befindet sich ein altes Badezimmer – wirkt ein bisschen wie aus einem Horrorfilm, finde ich.

Deshalb geht’s schnell weiter nach draußen. Wenn man das Gelände betritt, lässt sich erahnen, dass die Kokerei Hansa mal zu den größten Kokereien des Ruhrgebiets gehörte – hier wurde Koks hergestellt, welches zur Erzeugung von Roheisen benötigt wurde. Aktuell (Stand: August 2022) können aufgrund von Bauarbeiten zwar nicht alle Außenbereiche betreten werden, aber glaube mir, es gibt trotzdem genug zu entdecken. Das gesamte Gelände ist übrigens über 10 Hektar groß.

Das Foto zeigt das Außengelände der Kokerei Hansa in Dortmund
Bunte Blumen – ein Hingucker für jedes Foto

Das Gelände heute

Heute findet man überall stillgelegte Maschinen, Zeitzeugen der Industriezeit, und die Natur erobert sich das Gelände Stück für Stück zurück. Wie passend also, dass die Kokerei Hansa 2027 Teil der Internationalen Gartenausstellung sein wird.

Das Foto zeigt das Außengelände der Kokerei Hansa in Dortmund
Der Schriftzug leuchtet im Dunklen

Wenn du das Gelände nicht auf eigene Faust entdecken möchtest, kannst du übrigens auch Touren machen oder dir eine passende App herunterladen. So ist es möglich, in die Arbeitswelten von damals abzutauchen.

Auf dem Gelände gibt es sooo viel zu entdecken, dass mir die Fotoauswahl richtig schwer gefallen ist. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall vorbeizuschauen – am besten bei gutem Wetter. Es gibt zwar auch Innenbereiche aber ein Großteil der „Sehenswürdigkeiten“ ist draußen.

Bei meinem Besuch gibt es einige Baustelle und deshalb dürfen bestimmte Bereiche nicht betreten werden. Da das Gelände aber wirklich riesig ist, ist mir das gar nicht weiter aufgefallen.

Das Foto zeigt das Außengelände der Kokerei Hansa in Dortmund
Stillgelegt wurde die Kokerei Hansa schon im Jahr 1992.

Für Geschichtsinteressierte und Hobbyfotograf:innen also ein wirklich spannender Ort, der wunderbar in eine Fahrradtour miteingebunden werden kann.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet Tipp 3: Bunkermuseum in Hagen

Über meine nächste Station war ich selbst etwas überrascht: Eigentlich wollte ich einen der beiden Bunker in Dortmund besichtigen, aufgrund von Corona sind Führungen dort allerdings seit einiger Zeit nicht möglich. Bei der Suche nach einer Alternative bin ich auf das Bunkermuseum in Hagen aufmerksam geworden.

Der Bunker selbst ragt mitten in der Hagener Innenstadt zwischen Wohnhäusern heraus, ein ziemlich kahles Gemäuer mit dem großen Schriftzug „Nie wieder Krieg“. Da es an dem Tag meines Besuch ziemlich heiß ist, freue ich mich über die knapp 15 Grad im Bunker, die eine angenehme Abkühlung bieten.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen von außen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Der Bunker von außen

Du kannst den Bunker auf eigene Faust besuchen oder eine geführte Tour buchen. Ich entscheide mich für die Tour und bin mit einer kleinen Gruppe ungefähr eine Stunden lang in dem alten Gemäuer unterwegs.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Hier startet die Führung

Ein Stück bedrückende Geschichte

Wirklich gemütlich ist es hier drin nicht: Karge und kahle Wände, beengte Räume und kein Tageslicht. Die Tour startet im Keller, und gemeinsam tauchen wir in die Hagener Geschichte ein. Der Guide erzählt, dass die Bewohner:innen des Viertels im zweiten Weltkrieg den Bunker bei einem Fliegeralarm innerhalb von 10 Minuten erreichen mussten… Ansonsten waren die Türen dicht. War der Bunker aber schon nach 6 Minuten voll, hatte die Menschen Pech.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Erste Stationen auf der Führung der Gepäckraum.

Die ersten Stationen sind der Gepäckraum und die Tür des Bunkerwarts, der damals wie eine Art Türsteher geschaut hat, welche Menschen Zutritt bekommen. Besonders erschreckend finde ich, dass es für die Menschen kaum andere Möglichkeiten gab, während eines Fliegeralarms auszuharren. Nach dem Krieg war die komplette Innenstadt von Hagen stark zerstört – über 99 Prozent der Gebäude lagen in Schutt und Asche, sodass sich einige Menschen sogar dauerhaft im Bunker eingemietet haben. Weiter geht’s über den trostlosen Flur durch die verschiedenen Räume des Bunkers. Wenn man einen Blick in die kleinen Räume wirft und sich vorstellt, dass hier sehr viele Menschen über mehrere Stunden ausgeharrt haben, bekommt man direkt ein ziemlich beklemmendes Gefühl.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Trinkwasserstation in einem der Bunkerräume

Originalgetreue Einrichtung

Um sich die damalige Zeit besser vorstellen zu können, sind viele Räume mit Originalgeständen aus der damaligen Zeit ausgestattet. Für interessante Fotos gibt es hier sehr viele verschiedene Stopps, denn auch wenn das Gebäude heute als Museum genutzt wird, hat es definitiv die interessante Atmosphäre eines mehr oder weniger verlassenen Gebäudes.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Die Schleuse

An den Wänden entdecke ich immer wieder Schriftzüge von früher, wir werfen beispielsweise auch einen Blick in die „Schleuse“, die eingerichtet wurde, um den Bunker vor einem potentiellen Giftgasangriff zu schützen.

Sehr verfallen sehen die alten Badezimmer aus, die wir im Laufe der Tour anschauen. Der etwas gruselige Eindruck entsteht dadurch, dass die Räume alle gar kein Tageslicht haben.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Dieses Badezimmer war mal Teil eines Hotels

Während die untere Etage des Bunkers lange verfiel, wurde die erste Etage beispielsweise zeitweise als Hotel genutzt.

Das Foto zeigt den Bunker in Hagen, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Tunnel zum Nebenhaus

Dieses Loch in der Wand ermöglichte den Zugang zu anderen Hagener Gebäuden. Das war wichtig, wenn Gebäude verschüttet wurden, da die Menschen sonst keine andere Möglichkeit gehabt hätten, den Keller zu verlassen.

Friseur, Fahrschule und Jazzclub im Bunker

Wir verlassen den Keller und laufen in die erste Etage. Da nach dem Krieg die meisten Häuser in Hagen zerstört waren, wurde der Bunker Zentrum für die Administration und zum Mittelpunkt des öffentlichen Lebens.

Zeitweise gab es in der ersten Etage einen Friseur, eine Fahrschule und einen Jazz-Club. Die Räume wurden anhand von Fotos bis ins Detail rekonstruiert und bieten einen super interessanten Einblick in die damalige Zeit.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet Tipp 4: Zeche Westerholt in Gelsenkirchen

Der nächste Tipp für eine spannende Fotokulisse und Tour befindet sich an der Stadtgrenze Gelsenkirchen / Herten. Die ehemalige Bergwerksfläche Zeche Westerholt wurde 2008 stillgelegt.

Das Foto zeigt den Kauenhof der Zeche Westerholt in Herten, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Kauenhof © Martin Schmüdderich

Nach mehr als zehn Jahren Stillstand öffnen sich die verrosteten Tore des Geländes aber immer öfter für Besucher:innen. Beispielsweise sind Führungen geplant, die im Oktober starten sollen. Aktuell ist es nämlich nicht erlaubt, das Gelände auf eigene Faust zu betreten.

Das Foto zeigt das Gelände der Zeche Westerholt in Herten, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Rückbau-Arbeiten auf dem Gelände © Martin Schmüdderich

Der besondere Charme des verlassenen Geländes zieht auch Künstler:innen an. Beim RUbug Festival für urbane Kunst beispielsweise waren zahlreiche StreetArt Künstler:innen auf der Zeche Westerholt unterwegs und auf dem Zechengelände sind spannende Murals entstanden.

Das Foto zeigt das RUbug-Festival auf dem Gelände der Zeche Westerholt in Herten
RUbug-Festival © Martin Schmüdderich

Ein sehr spannendes Gelände mitten im Herzen des Ruhrgebiets, welches man als Kunst- und Fotografie-Interessierte:r auf jeden Fall im Auge behalten sollte.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet Tipp 5: Haus Steinhausen in Dortmund

Beim Haus Steinhausen handelt es sich um ein ehemaliges Rittergut, welches in Dortmund im Stadtteil Syburg an der Stadtgrenze zu Schwerte liegt. Ich habe es durch Zufall beim Spazierengehen entdeckt.

Das Foto zeigt das Haus Steinhausen in Dortmund, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Etwas abgelegen in Dortmund Syburg: Das Haus Steinhausen

Das Gebäude wurde in der Vergangenheit durch mehrere Brände beschädigt, aber von außen lässt sich immer noch erahnen, wie schön die alte Wasserburg mal gewesen sein muss.

Das Foto zeigt das Haus Steinhausen in Dortmund, ein Lost Place im Ruhrgebiet
Alte Mauern säumen das Gelände

Rund um das Haus Steinhausen befinden sich einige Spazierwege, sodass du gut auf einer Wanderung einen Zwischenstopp einlegen und dir das Gebäude von außen anschauen kannst.

Ein paar Meter weiter, sieht man ein „Betreten verboten“-Schild. Da das Haus Steinhausen in Privatbesitz ist, sind Fotos nur von außen möglich und der Innenhof darf nicht betreten werden.

Ds Foto zeigt ein Feld in Dortmund Syburg
Ausblick in die andere Richtung

Es gibt immer wieder Renovierungspläne für das alte Gebäude, deshalb werde ich sicherlich auch zukünftig bei einem Spaziergang vorbeischauen und mal schauen, was sich so tut.

Verlassene Orte im Ruhrgebiet – Mein Fazit

Ich bin immer wieder überrascht, wie vielseitig das Ruhrgebiet ist und was für spannende Ecken sich hier entdecken lassen. Verlassene Orte haben einfach ihren eigenen Charme, auch wenn viele nicht von innen betreten werden dürfen. Mir hat diese besondere Tour durch das Ruhrgebiet sehr viel Spaß gemacht und ich habe meine Heimat mal wieder ganz neu entdeckt. Welche Tipps hast du noch für verlassene Orte in der Region, die legal betreten werden dürfen?

Verlassene Orte im Ruhrgebiet

Ehemalige Hoeschzentrale
Rheinische Str. 173
44147 Dortmund

Kokerei Hansa
Emscherallee 11
44369 Dortmund
www.industriedenkmal-stiftung.de

Bunkermuseum Hagen
Bergstraße 98
58095 Hagen
www.bunker-hagen.de
www.instagram.com/bunkerhagen

Zeche Westerholt
Egonstraße 12
45896 Gelsenkirchen
www.neue-zeche-westerholt.de

Haus Steinhausen
Steinhauser Weg 1
44267 Dortmund

2 Kommentare auf den Beitrag “Die etwas andere Fototour: 5 verlassene Orte im Ruhrgebiet

  1. Hallo Dirk, danke für dein Feedback – freut mich, dass ich dich inspirieren konnte. Die Revierparks kenne ich zum Teil und gebe dir Recht – wird Zeit für eine Renovierung. Viele Grüße, Melissa

  2. Danke, Melissa. Da sind wirklich gute Tipps dabei. Ich habe Anfang des Jahres die Revierparks entdeckt. Zwar nicht wirklich „lossed“ aber auch in die Jahre gekommen. Das hat aber auch der RVR entdeckt, daher steht dort große Renovierung an. Man muss sich daher beeilen …

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