von Jochen | 5. August 2021 | KATEGORIEN Rad | 0 Kommentare

Der Sommer lockt mit mediterranen Temperaturen (halt irgendwo anders auf der Welt, nur irgendwie nicht im Ruhrgebiet) und da gibt es doch nichts Schöneres als eine kulinarische Radtour durch die Weinberge. Weinberge im Ruhrgebiet? Ihr lest richtig! Ich nehme Euch mit in eine der vermutlich außergewöhnlichsten Weinbauregionen Deutschlands: nach Dortmund!

Meine Radtour durch Dortmund führt auf rund 63 Kilometern einmal rund um die Stadt, die zugegebenermaßen eigentlich weniger für Wein, Berge und Wälder bekannt ist, sondern den Dreiklang Stahl – Fußball – Bier so intensiv verkörpert, wie keine andere Stadt im Ruhrgebiet. Natürlich erleben wir auch diese Themen bei der Runde intensiv, aber so richtig gepackt haben mich nun mal die Themen Wein, Wald und Berg, weil sie fürs Ruhrgebiet so unerwartet sind!

Los geht’s ab Phoenix West

Ein guter Startort ist das Areal Phoenix West. Wenn Ihr mit dem Auto anreist, werdet Ihr hier bestimmt einfach einen Parkplatz finden. Wer die Runde ab Dortmund Hauptbahnhof starten möchte, muss zunächst ein wenig Stadtverkehr bis zur Emscher hinter sich bringen. Von Phoenix West gelangt man dagegen direkt ins schöne Emschertal und der Radgenuss kann sofort losgehen.

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund am Florianturm
Der „Florian“ ist bei einer Radtour in Dortmund natürlich (fast) immer in Sichtweite

Bergauf-bergab am Emscher-Weg

Ja, auch hier sieht man die Auswirkungen des Starkregens im Juli. An manchen Stellen ist die Oberfläche abgetragen worden, an anderen Stellen haben sich kleine Schotterflächen abgelagert. Aktuell (August 2021) sollte man daher überall im Ruhrgebiet etwas mehr aufpassen beim Radeln als üblich, aber grundsätzlich kommt man gut voran. Ich bin wieder mit meinem Kollegen Pascal unterwegs, der die tollen Bilder macht und Euch damit hoffentlich noch mehr motiviert, diese Runde nach zu radeln. Wir fahren uns erstmal locker neben der Emscher ein.

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund mit Blick auf den Signal Iduna Park
Blick auf den Signal Iduna Park

Schnell wird klar, dass Dortmund deutlich hügeliger ist als viele annehmen. Aus dem Tal der Emscher schrauben wir uns der Ausschilderung des Emscher-Wegs folgend im Ortsteil Barop das erste Mal berghoch. Belohnt werden wir dafür mit einem schicken Ausblick auf den Signal Iduna Park. Ok, je nach Vereinsvorlieben mag dieser Anblick nicht jedem gefallen, aber ganz neutral betrachtet (ohne Vereinsfarben im Kopf) ist die Aussicht schon richtig schön.

Nach kurzer Abfahrt unter der A 40 rollen wir durch eine schicke Kleingartensiedlung direkt neben der Emscher. Die Sonnenblumen ranken um die Wette und die Kleingartenidylle scheint perfekt.

Das Echo des Emschertals

Und wie es in den Bergen halt typisch ist, können wir uns auch hier im Emschertal über ein gewaltiges Echo freuen. Ja, ok, man muss dafür zunächst kurz vom Rad steigen und ein Kunstwerk am Wegesrand betreten, aber beeindruckend ist es dafür umso mehr. „Zur Kleinen Weile“ heißt das Kunstwerk und ich kann einfach nur sagen: geht da rein! Was von außen für einen Kunstbanausen wie mich so aussieht, wie die überdimensionierte Hinterlassenschaft eines stattlichen Vierbeiners, bietet von innen ein gewaltiges Echo und Klangerlebnis. Also: reingehen und klatschen! Wer eine gute Stimme hat, kann auch das Steigerlied laut zum Besten geben, die Akustik ist einfach sensationell.

Das Foto zeigt das Kunstwerk „Zur Kleinen Weile“ am Emscher-Weg
Kunstwerk „Zur Kleinen Weile“ am Emscher-Weg

Gipfelglück am Deusenberg

Wir radeln weiter auf dem Emscher-Weg und gelangen schnell zum nächsten Highlight der Tour – hier sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es geht hoch, richtig hoch. Kurz vor dem Deusenberg schlängeln wir uns links durch einen kleinen Trampelpfad, gelangen wieder zu einem verlassenen Asphaltweg und umrunden die Halde im Uhrzeigersinn, bis ein geschotterter Feldweg berghoch führt. Während die Muskelfasern auf Hochtour arbeiten und die Waden zunehmend anfangen zu glühen, versuchen wir den Blick auf die Kokerei Hansa und leicht hinter uns die Zeche Hansa zu genießen. Ein kurzes Päusken auf halben Weg hilft natürlich dabei.

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund auf dem Deusenberg mit Blick auf die Zeche Hansa
Blick vom Deusenberg auf die Zeche Hansa

Der Atem wird kräftiger. Ich bin mit meinem „Biobike“ unterwegs und vermisse den Turbo-Knopf meines E-Bikes, während ich weiter aufwärts keuche, bis wir schließlich eine große Anlage von Sonnenkollektoren umfahren und einen wunderbaren Ausblick auf Dortmund genießen können. Für mich ist das hier oben einfach der beste Blick auf die größte Stadt des Ruhrgebiets und jede Schweißperle wert.

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund mit Ausblick auf die Skyline von Dortmund
Panoramablick auf die Dortmunder City

Wer die Aussicht ohne Rad genießen möchte, kann dieses auch unten am Emscher-Weg abstellen und über eine Treppe die Halde zu Fuß schnell erklimmen. Wer mit einem geländegängigen Rad unterwegs ist, kann sich hier oben dagegen in einem kleinen Dirtpark mit schönen Anliegern und kleinen Sprüngen austoben.

Kanal-Radeln am Dortmund-Ems-Kanal

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund am Dortmund-Ems-Kanal
Radeln am Dortmund-Ems-Kanal

Nach der Abfahrt verlassen wir den Emscher-Weg und fahren zum Dortmund-Ems-Kanal, dem wir ein kurzes Stück vorbei an Hafenanlagen folgen. Dann biegen wir auf unserer Radtour durch Dortmund ab Richtung Osten und gelangen doch recht zügig in ein tolles Waldgebiet. Ja, auch das verbinden wohl die wenigsten Auswertigen mit Dortmund, aber die Waldwege lassen sich lässig cruisen und von einem Aussichtsturm können wir sogar Rehe beobachten – einfach ein tolles Naturerlebnis und das so nah an der Großstadt! Pascal geht natürlich gleich mit seinem Teleobjektiv auf „Jagd“ nach dem perfekten Foto. Gerade für Familien ist das Wildgehege natürlich ein prima Platz für eine kleine Erlebnispause.

Ne Currywurst muss einfach sein

Wir fahren weiter und so langsam macht sich unser Magen bemerkbar. Über Felder gelangen wir schließlich zur Gneisenautrasse, der wir eigentlich zur gleichnamigen Zeche folgen würden. Wenn der Hunger aber laut schreit und man doch weiß, dass am anderen Ende der Gneisenautrasse am Preußenhafen in Lünen eine der besten Currywürste der Region serviert wird, biegt man auch mal gerne falsch ab und nimmt die jeweils 4,5 Kilometer in die falsche Richtung in Kauf. Natürlich muss dieser Abstecher nicht sein und Ihr könnt die Tour so auf schlanke 54 Kilometer verkürzen. Wer aber auf einer Tour gerne eine leckere Currywurst „mitnimmt“, macht mit diesem kurzen Stich nach Lünen alles richtig. Uns gibt sie jedenfalls genügend Energie für die restlichen Kilometer. Während ich mir die klassische Currywurst-Pommes-Mayo gönne, wählt Pascal als „Beilage“ zur Currywurst die Frikadelle – naja, ein Ernährungsberater würde sich wohl bei uns beiden die Zähne ausbeißen…

Das Foto zeigt Currywurst-Pommes am Preußenhafen in Lünen
Verführerisch lecker: die Currywurst am Preußenhafen

Über die Trasse fahren wir zügig zurück und genießen natürlich auch wieder den tollen Blick auf die schönen Gerüste der Zeche Gneisenau. Für mich gehören die Türme einfach zu den schönsten Zechen im Ruhrgebiet. Nur schade, dass man die Zeche nicht wirklich besichtigen kann und der große Campingladen die Optik doch ordentlich einschränkt. Aber als Fotomotiv ist die Zeche Gneisenau einfach unschlagbar.

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund an der Zeche Gneisenau
Einer der besten Fotospots im radrevier.ruhr: die Zeche Gneisenau in Dortmund

Hinter der Zeche müssen wir ein Stück auf eher schlechterem Untergrund an einer Bahnstrecke entlang radeln, bevor wir auf einen schön ausgebauten Uferweg und schließlich entlang der Alten Körne wieder ganz entspannt radeln können. Dieses Teilstück hatten wir ja schon bei der Entdeckertour durch den Kreis Unna vorgestellt. Vor allem der Waldlehrpfad im Naturschutzgebiet Alte Körne ist toll geeignet, um einfach entspannt durch tolle Natur zu radeln und dabei einiges über die Natur zu lernen.

Die Uferwege von Alter Körne und Körne

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund an der Körne
Radeln entlang der Körne

In Kurl wechseln wir auf den Uferweg neben der eigentlichen Körne. Da aktuell (Stand August 2021) eine Brücke über den kleinen Bach saniert wird, drehen wir eine kleine Umleitungsschleife über Wasserkurl, denn eigentlich haben wir hier den östlichsten Punkt der Tour erreicht und fahren nun nach Süden bis Wickede. Hinter der Bahnstrecke biegen wir rechts ein und fahren neben den Schienen her. Die Strecke ist nicht mehr ganz so schön wie vorher, aber gut, wir kommen ja voran und sind quasi auf der Schlussetappe der Tour. An Feldern vorbei geht es berghoch und natürlich bläst uns der Gegenwind ordentlich ins Gesicht. Zweifel, ob ein Salatteller zu Mittag vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre, werden selbstredend ignoriert und mit dem schmerzverzehrtem Blick eines Tour de France Fahrers einer Ausreißergruppe kurz vor dem Ziel weggedrückt.

Etwas Stadtverkehr, dann erreichen wir eine eher weniger bekannte und auch nicht ganz so toll ausgebaute Bahntrasse, die uns bis zum Phoenix See bringt.

Die Weinberge am Phoenix See

Das Foto zeigt Jochen bei seiner Radtour durch Dortmund im Weinberg am Phoenix See
Im Weinberg am Phoenix See

Wir radeln entspannt am See entlang und gelangen zum bereits erwähnten Weinberg. Man kann den Phoenix See mit seinen Luxusvillen durchaus kontrovers diskutieren, aber der Weinberg der Emscher Genossenschaft ist einfach eine wundervolle Idee. Jetzt im Hochsommer hängen schon große Trauben an den Reben, schicke Holzbänke bieten den entspannten Blick durch die Reben hindurch auf den See – Urlaubsfeeling pur.

Das Foto zeigt Weinreben am Phoenix See in Dortmund
Dicke Weintrauben hängen bereits an den Reben am Phoenix See

Eigentlich möchte man hier am Ende einer Tour gar nicht mehr weg. Nur der Weinkellner mit dem passenden Tropfen fehlt, um den chilligen Moment perfekt zu machen. Aber natürlich haben wir auf unserer Radtour durch Dortmund die passende Location für das Feierabendbierchen noch in der Hinterhand.

Das Finale: die Stehbierhalle der Bergmann Brauerei

Oberhalb der Emscher radeln wir vom See zurück zum Ausgangsort der Tour an den Hochöfen von Phoenix West. Die letzten Höhenmeter bieten nochmal Industriekultur vom Feinsten und sind natürlich schnell erklommen, denn wir freuen uns zum Abschluss der Tour auf ein leckeres Bierchen vor der Stehbierhalle der kultigen Bergmann Brauerei. Ich wähle das helle „Halbstarke“ und Pascal das kräftige „Adam Eichenbock“ – ganz schön lecker. Und während wir das Bierchen trinken begutachten wir die vielen Rennradfahrer, die hier in Phoenix West offensichtlich gerne ihre Trainingsrunden um den Hochofen drehen – mal mehr, mal weniger professionell.

Das Foto zeigt Bergmann Bier an der Stehbierhalle der Bergmann Brauerei in Dortmund
Feierabendbierchen vor der Stehbierhalle

Unser Fazit der Radtour durch Dortmund

Mit Blick auf die Hochöfen lassen wir unsere Radtour durch Dortmund nochmal gedanklich Revue passieren und kommen zu dem Ergebnis: Eine tolle Tagestour rund um Dortmund, die viele Highlights der Stadt erlebbar macht. Nicht jeder Radweg ist so richtig toll und gerade am Ende der Tour muss man hin und wieder ein Äuglein zudrücken. Dafür bietet die Radtour die Möglichkeit, die Stadt Dortmund auch mal abseits der bekannten Klischees kennenzulernen. Ich wünsche Euch jedenfalls wie immer richtig viel Spaß beim Nachradeln!

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Wein, Berge und Wälder – Radtour durch Dortmund

Radtour durch Dortmund
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