von Jochen / Thema: Rad / am 4. April 2019um9:15

Das (Radler-)Leben besteht aus Herausforderungen – die RuhrAroundChallenge

Es liegt wohl in der Natur des Menschen, sich ständig und gerne messen zu wollen. Ob im Wettkampf gegen andere oder halt einfach mit sich selbst und gegen die Welt. Für mich ist die sportliche Auseinandersetzung gegen andere nicht so wichtig, dafür stelle ich mich gerne eigenen Herausforderungen. Gerade beim Radfahren liebe ich lange Touren und die RuhrAroundChallenge gehört wohl zu den größten Aufgaben, die man an einem Tag im radrevier.ruhr meistern kann. Für sportliche Rennradfahrer mag dies zum Alltag gehören, für uns Ottonormal-Tourenradler wird diese Tour aber bestimmt zu einem ganz besonderen Erlebnis.

200 Kilometer an einem Tag


(Die Karte und die GPX-Daten zeigen den aktuellen Stand der Planung. Aufgrund von Baustellen und Genehmigungsverfahren kann und wird sich der finale Track am Eventtag noch ändern!)

Die Haupt-Challenge heißt eigentlich „Ruhr2NorthSeaChallenge“ und führt über 300 Kilometer wie der Name schon vermuten lässt von Duisburg im Ruhrgebiet nach Bensersiel an die Nordsee. Diese Tour steht schon seit einigen Jahren auf meiner „Lebensliste“. Leider habe ich am 15. Juni 2019 keine Zeit und muss diesen Traum daher erneut verschieben. Aber da man ja bekanntlich klein anfangen sollte, habe ich mir in diesem Jahr die kleinere RuhrAroundChallenge vorgenommen. Darunter gibt es übrigens noch die „OuterRuhrChallenge“ am 28. April über 100 Kilometer Länge.

Die RuhrAroundChallenge am 26. Mai 2019

Die eigentliche Tour findet im Mai statt. Da ich mit diesem Artikel aber auch den einen oder anderen von Euch motivieren möchte, die Tour mit zu radeln, habe ich mich in Absprache mit dem Veranstalter schon Ende März auf die Strecke begeben, um diese Tour zu testen und Euch von meinen Erfahrungen zu berichten. Großer Vorteil: ich konnte mir bestes Frühlingswetter aussuchen, einfach herrlich. Nachteil: ich konnte das gesamte Gruppenerlebnis, welches natürlich ein besonders wichtiger Bestandteil des Events am 26. Mai sein wird, nicht erleben. Dennoch, meine Bilanz vorweg: Fahrt mit! Es ist eine tolle Tour, die Ihr nie vergessen werdet.

Morgenstund ist nichts für einen geborenen Langschläfer

Das Foto zeigt ein Fahrrad vor der Schauinsland Arena in Duisburg

Am Start in Duisburg mit 255 Km Restreichweite

Es ist 7 Uhr morgens und ich stehe völlig übermüdet vor der Schauinsland Arena in Duisburg. Zur Müdigkeit gesellt sich eine gewaltige Unsicherheit, ob ich mir da nicht zu viel vorgenommen habe. Meine Komoot-App zeigt 190 Kilometer auf der ToDo-Anzeige an, also etwas weniger als ursprünglich erwartet. Dafür stehen aber auch rund 850 Höhenmeter auf dem Programm. Ich muss gestehen, so früh in der Saison war ich mir selber nicht sicher, ob ich das schaffe und habe daher ein E-Bike für heute gewählt. Mit 1000 Wh Akkuleistung an Bord zeigt das Display 255 Kilometer Reichweite im Eco-Modus an – das könnte am Ende knapp werden.

Ich packe mein Fahrrad und radel los, erstmal ganz ohne Unterstützung etwas Strom sparen. 10 Kilometer habe ich mir so vorgenommen. Es geht vorbei an der Wasserwelt Wedau, ein entspannter Einstieg morgens um diese Uhrzeit. Schnell sind die ersten 10 Kilometer erreicht und ich entscheide mich, weitere 10 Kilometer ohne Unterstützung zu fahren. Nach etwas Stadtverkehr und dem schönen Ortskern von Mülheim-Saarn bin ich endlich an der Ruhr. Über den ehemaligen Treidelpfad geht es bis nach Kettwig, hier gönne ich mir ein zweites Frühstück.

Das Foto zeigt das Ruhrtal bei Mülheim an der Ruhr

Das Ruhrtal bei Mülheim an der Ruhr

Über den RuhrtalRadweg bis Witten

Ab jetzt fahre ich im Eco-Modus immer entlang der Ruhr. Es ist ein idealer Anfang einer so langen Runde. Keine Höhenmeter, landschaftlich wunderschön und man kann sich selbst richtig schön in einen runden Tritt bringen. Ich passiere Werden, den Baldeneysee, dann die Ruhrauen bei Steele. Ich merke, dass mein Körper fit genug ist und der Spaß am Radeln immer größer wird. Nur hin und wieder nach kurzen Zwischenanstiegen werde ich nervös, wenn kurzzeitig die angezeigte Restreichweite sinkt. Aber in der Ebene gleicht es sich immer schnell wieder aus. In Bochum-Dahlhausen muss ich kurz die Hochwasserumfahrung nehmen, der Regen der letzten Tage hat den Leinpfad überspült. In Hattingen wechsle ich die Ruhrseite und schon wenige Pedaltritte später bin ich am Kemnader See.

Das Foto zeigt einen Fahrradsattel und im Hintergrund die Ruhr

Ein guter Sattel und eine gute Radlerhose sind bei solch langen Touren besonders wichtig

Gruppenfrühstück im Haus Kemnade

Für die Teilnehmer der RuhrAroundChallenge wird am 26. Mai im Haus Kemnade ein dickes Frühstück aufgebaut. Hier könnt Ihr Euch dann stärken. Ich lass den Abzweig liegen, passiere den See und stehe bald vor der Fähre Hardenstein in Witten. Da diese im März noch im Winterschlaf ist, muss ich die nördliche Umfahrung wählen. Das Zentrum von Witten ist dann sicherlich kein Leckerbissen für Radler. Ich kämpfe mich durch den Stadtverkehr und ärgere mich über viele Baustellen. Endlich gelange ich auf den Rheinischen Esel, der mich leicht ansteigend Richtung Dortmund führt. Bahntrassen sind einfach unglaublich angenehm für Radler (warum und welche Bahntrassen es im radrevier.ruhr gibt, verrate ich Euch in meinem Blogartikel), dass merke ich schon kurz nach dem Ende der Trasse, als ich mich erneut im Straßenverkehr wiederfinde. Bei einer rasanten Abfahrt auf einer Landstraße braust ein dicker SUV gefühlte 2 cm an meinem Lenker vorbei – ein Träumchen.

Halbzeit am Phoenix See in Dortmund

Ab jetzt wird es wieder viel entspannter. In Dortmund-Hörde stärke ich mich mit einer leckeren Lasagne, dann geht es um den Phoenix See herum. Die Anzeige der zurückgelegten Kilometer ist genauso groß wie die der noch zu bewältigenden. Meine Stimmung ist top, auch wenn ich zeitlich ziemlich spät dran bin. Mit dem E-Bike geht’s halt doch nicht so schnell voran wie mit meinem Trekkingbike. Durchs Emschertal führt die RuhrAroundChallenge nun an dem gewaltigen Areal Phoenix West vorbei, bis ich zum Signal Iduna Park komme.

Das Foto zeigt ein Fahrrad vorm Phoenix See in Dortmund

Halbzeit am Phoenix See

Heimwärts auf der Route der Industriekultur

Die Zeche Zollern ist das nächste große Highlight am Wegesrand. Natürlich bleibt nur ein kurzer Blick auf das Schloss der Arbeit, dennoch finde ich es toll, dass so viele Industriedenkmäler direkt an der Strecke liegen. In Bochum überrascht mich die richtig schöne Strecke entlang des Grummer Bachs, die ich bisher noch gar nicht kannte. Ein kleiner Junge auf einem Kinderrad fragt mich, wo ich hinfahre. Bei der Antwort Duisburg ernte ich einen erstaunten Blick – genau die richtige Motivation für das letzte Drittel. Denn ich merke nun, dass die Muskeln müde werden und die Gelenke eigentlich nach Feierabend schreien. Bergauf schalte ich nun gerne mal auf den Tourmodus hoch.

Über die Erzbahntrasse nach Gelsenkirchen

Das Foto zeigt die Grimberger Sichel am Ende der Erzbahntrasse

Die Grimberger Sichel am Ende der Erzbahntrasse

Bergab über die Erzbahntrasse komme ich zügig voran. An der Erzbahnbude komme ich ins Grübeln, warum ich jetzt nicht einfach nach Hause auf die Kray-Wanner-Bahn abbiegen sollte. Aber ich will die RuhrAroundChallenge jetzt auch meistern. Der Ehrgeiz und der Wille, diese Megatour zu einem positiven Ende zu bringen, werden größer. Ein kurzes Stück am Kanal entlang, dann geht’s zum nächsten Fußballtempel: Der Veltins-Arena „auf Schalke“. Am Stadion spüre ich ein seltsames Gefühl, dass sich bei mir das gefühlte Verhältnis von Längen verschiebt. Normalerweise wäre die Strecke von hier nach Duisburg schon eine ordentliche Tour, für mich wirken die verbliebenen Restkilometer nach dieser langen Runde nur noch wie das letzte Ausrollen. Ein Ausrollen im Tourmodus jedoch, vom Eco-Modus habe ich mich verabschiedet.

Dassss Foto zeigt eine Brücke in der Abendstimmung am Rhein-Herne-Kanal

Abendstimmung am Rhein-Herne-Kanal

Die letzten Highlights in der Abenddämmerung

Die Durchfahrt über das Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein ist nochmal ein großes Highlight. Die Kokerei leuchtet rot in der Abendsonne, genau das sind die Momente, in denen mir besonders klar wird, warum ich so gerne Rad fahre.

Das Foto zeigt die Kokerei Zollverein im Sonnenuntergang

Sonnenuntergang an der Kokerei Zollverein

In Essen komme ich auf die Rheinische Bahn, der tolle Asphalt des RS 1 tut meinem Hinterteil auf dem Sattel richtig gut. Ich passiere die Ruhr und nach einer kurzen Stadtrundfahrt geht’s durch ein Waldgebiet nach Duisburg. Meine Akkus haben gehalten und ich gönne mir den Turbomodus, auch weil es jetzt vor der Zeitumstellung bereits stockduster ist.

Der magische letzte Kilometer

Direkt nach dem Waldgebiet folgt der letzte Kilometer zur Wasserwelt Wedau. Ich habe es tatsächlich geschafft, denke ich mir. Die Euphorie in mir kocht über, eine gewaltige Tour liegt hinter mir. Der letzte Kilometer wird richtig gefeiert! Dachte ich, bis ein Klackern und Pfeifen an meinem Hinterrad die Euphorie wie einen Ballon zum Platzen bringt. Unfassbar, eine rostige Schraube raubt mir tatsächlich das Glückserlebnis der letzten Meter. 950 Meter muss ich mein Rad zum Schluss schieben. Aber dennoch, selten habe ich mein Rad so voller Stolz geschoben. Am 26. Mai werdet Ihr hier mit einem kleinen Fest empfangen.

Das Foto zeigt einen rostigen Nagel im Fahrradreifen

Ein böser Spielverderber 950 Meter vor dem Ziel

Nur Mut – die Tour macht richtig Spaß

Ich kann nur sagen, jeder, der gerne längere Touren fährt, sollte sich mal so einer Herausforderung stellen. Ich bin davon überzeugt, dass viele, die nun überlegen, ob 190 Kilometer an einem Tag machbar sind, locker das Zeug dazu haben. Ja, es wird manchmal wehtun, aber das Glücksgefühl am Ende wird jede vergossene Schweißperle vergessen machen. Und wer in diesem Jahr tatsächlich noch nicht so fit ist, kann ja erstmal auf unseren RevierRouten fleißig trainieren und sich der Challenge dann im nächsten Jahr stellen.

Noch sind Plätze für die RuhrAroundChallenge frei und die Anmeldung ist verlängert worden. Ihr könnt Euch daher noch in den nächsten Wochen für diese gewaltige Tour am 26. Mai mitten durch das radrevier.ruhr anmelden. Von mir eine klare Empfehlung, ich werde die Tour jedenfalls nie vergessen!

Allgemeine Informationen

radrevier.ruhr

Website: www.radrevier.ruhr
Facebook: www.facebook.com/radrevier.ruhr
Komoot: www.komoot.de/user/364933523302

Die RuhrAroundChallenge:
Download GPX-Daten*; www.komoot.de/tour/60851780

Bei allen Komoot-Links (auch im Text) gilt: auch ohne Anmeldung könnt Ihr Euch die Touren anschauen. Einfach auf den Link klicken und ein wenig nach unten scrollen.

(Die Karte und die GPX-Daten zeigen den aktuellen Stand der Planung. Aufgrund von Baustellen und Genehmigungsverfahren kann und wird sich der finale Track am Eventtag noch ändern!)

Allgemeine Infos zur RuhrAroundChallenge:
Website: www.r2nsc.de/200-2
Onlineanmeldung: www.r2nsc.de/shop/01-touren/ruhraroundchallenge-2019-200-km


Rad Revier Ruhr Logo EFRE logo NRW Aktiv Logo

Jochen Ein Artikel von

Ich heiße Jochen und bin gebürtiger Essener. Nach meinem Geographiestudium in Trier zog es mich direkt zurück ins Ruhrgebiet, denn hier fasziniert mich die besondere Mischung aus Großstadttrubel und ländlicher Idylle. Am liebsten erkunde ich die Region mit dem Rad und ich freue mich darüber, dass ich diese Leidenschaft über meinen Beruf als Projektverantwortlicher des radrevier.ruhr mit vielen Menschen teilen kann. Daher stelle ich Euch regelmäßig Tourentipps vor und hoffe, auch in Euch die Begeisterung für das radrevier.ruhr zu entfachen.

4 Reaktionen (4 Kommentare)
  • Grischa Schilgen-Begaß schrieb am 4. April 2019:

    Toller Text* & tolle Bilder, Jochen! (Wenigstens dafür hast Du Dir die Zeit unterwegs ja genommen!) Wenn ich mich nicht vorher schon zu einer Teilnahme dieses Jahr entschlossen hätte, tät‘ ich’s jetzt sicher! :0)
    Hoffentlich klappt’s auch noch – möchte ja ungern allein fahren, so ganz ohne Windschatten… ;0) Ohne Motor ist dafür aber Ehrensache bei uns!
    (hoffe, die Runde ist rennradtauglich?!)
    Tschö,
    Grischa

    * Deine Beobachtungen zur Streckenwahrnehmung unterwegs kann ich von diversen Langstreckentouren nur bestätigen!

    • Jochen
      Jochen schrieb am 5. April 2019:

      Hallo Grischa,
      ohne Motor ist man sicherlich schneller, denn mit dem E-Bike bewegt man sich ja meistens nur um die 25 Km/h. Dafür spart man sich bei den Anstiegen viel Kraft, dass hab ich gern mitgenommen.
      Die Runde wie ich sie beschrieben habe ist tatsächlich eher für Tourenradler gedacht. Der Bodenbelag ist nicht durchgehend rennradtauglich. Die Organisatoren geben aber eine extra Route für Rennradfahrer raus, die zwar grob ähnlich verläuft, die Bereiche mit weichem Untergrund aber über das Straßennetz umfährt. Die RAC ist also auch für Rennradfahrer sehr gut geeignet.
      Schönen Gruß
      Jochen

  • Cordi schrieb am 4. April 2019:

    Hallo Jochen, toller Bericht von der „vorab“ RAC Tour die du gefahren bist macht Laune da auch mal mitzufahren, 200km aber als Tages Tour nicht ohne !!!
    Wo bekommt man Infos zur 100km Runde ?
    Dickes Lob nochmal ans Rad Revier Ruhr mit dem aufgebauten Knotenpunkt Leitsystem.
    Ride on, Gruß Cordi

    …und wo bekommt man das Trikot mit dem Zechenlogo ?!

    • Jochen
      Jochen schrieb am 5. April 2019:

      Hallo Cordi,
      schön, dass Dir der Artikel gefällt. Die Tour war einfach gewaltig. Meine bislang längste Tour war 110 Kilometer lang. Einmalig sind dann auch so lange Touren machbar. Die 100 Kilometer Tour ist sicherlich auch ein guter Einstieg, jedoch bin ich mir da nicht ganz sicher, ob noch Plätze frei sind. Hier der Link direkt zur kleinen Tour: http://www.r2nsc.de/100-2/
      Das Trikot gibt es übrigens hier: http://www.emotion-sportswear.de. Tolle Optik, aber schwierige Größenbezeichnung. Ich trage normalerweise L, hier ist mir selbst 2XL ein wenig zu eng.
      Schönen Gruß
      Jochen


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