von Melissa | 30. April 2020 | KATEGORIEN Erlebnis, Industriekultur | 3 Kommentare

Mal ganz ehrlich, wer von Euch lässt eine Gelegenheit aus, um ein paar verrückte Fakten zum Angeben rauszuhauen? Ich auf jeden Fall nicht, besonders wenn es um meine Heimat das Ruhrgebiet geht. Da ist es mein Glück, dass viele meiner Kollegen schon seit Jahren im Ruhrgebiet unterwegs sind und super viel Wissen über die Region angehäuft haben. Deshalb haben wir Euch 10 Fakten zum Schlaubergern zusammengestellt und nehmen Euch mit auf eine etwas andere Reise quer durch das Ruhrgebiet.

1. Welcher berühmte Spion kommt aus Wattenscheid?

Das Foto zeigt ein James Bond Double der Ausstellung, die 2019 in Bochum zu sehen war
Die James Bond Ausstellung 2019 in Bochum © Bochum Marketing GmbH, Andreas Molatta

Nein, es ist kein Scherz: 007, der berühmte Weltretter, soll mitten im Ruhrgebiet geboren worden sein. Lange wurde über seine Herkunft gemunkelt, doch seit in den 70er Jahren die offizielle Biografie erschienen ist, ist es ganz klar: James Bond kommt aus dem Pott. Er wurde vor 100 Jahren, am 11. November 1920, in Wattenscheid geboren. Unter dem Titel „In geheimer Mission – Der Spion, der aus Wattenscheid kam“ gab es im letzten Jahr sogar eine Bond-Ausstellung in Bochum. Glaubt man Medienberichten, weiß der Autor der Biografie selbst gar nicht mehr so genau, warum er Wattenscheid ausgewählt hat. Ich kann mir 007 gut vorstellen, wie er seine Pommes-Schranke stehen lässt, um kurz die Welt zu retten und plädiere dafür, dass Bond in seinem nächsten Film seinen Geburtsort wiederentdeckt.

2. Wo befindet sich die höchste freistehende Rolltreppe Deutschlands?

Zuerst die schlechte Nachricht: Die längste Rolltreppe Deutschlands befindet sich nicht mehr im Ruhrgebiet, da haben uns die Hamburger mittlerweile überholt. Dafür präsentiere ich Euch heute die Ex-längste Rolltreppe des Ruhrgebiets, die aber den Titel als höchste freistehende Rolltreppe Deutschlands behalten durfte. Klingt zwar nicht ganz so cool, aber hey ein Titel ist ein Titel. Und diese Rolltreppe befindet sich auch noch an einem ganz besonderes Ort, nämlich auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen.

Das Foto zeigt die Rolltreppe auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein
Und los geht’s – nach rund 90 Sekunden fahrt seid Ihr oben angekommen

Das Fahrterlebnis dauert 90 Sekunden und verlängert sich auf ganze 180 Sekunden, wenn ihr oben angekommen, nach links schwenkt und die andere Rolltreppe nach unten nehmt (wie ich es gemacht habe). Wer mehrmals fährt, hat schlussendlich einige Höhenmeter auf dem Tacho, denn die Fahrt befördert Euch auf 24 Meter zum Eingang des Ruhr Museums. Wem das zu unsportlich ist, der kann auch die Treppe in der Mitte nutzen. Besonders schön sieht die Rolltreppe übrigens im Dunkeln aus, dann leuchtet sie in quietschigem Orange.

3. Wo liegt eines der kleinsten Hotels in NRW?

Das Foto zeigt das Mini Hotel in Herdecke
Das Mini Hotel in der Altstadt von Herdecke © Lukas Holzmeier

Mal eben ein ganzes Hotel mieten, das werden sich die wenigsten von uns leisten können. Anders ist das im Mini Hotel in Herdecke, das hat nämlich nur drei Zimmer. Wer also mit der ganzen Familien anreist, hat das Hotel quasi für sich. (Wenn Eure Familie mehr als vier Personen zählt, wird’s aber auch schon eng). Klein aber oho trifft beim Mini Hotel auf jeden Fall zu, denn das Gebäude hat eine lange Geschichte. Es wurde bereits 1730 erbaut und ist damit fast dreihundert Jahre alt. Auf Komfort müsst Ihr aber nicht verzichten, denn es wird immer wieder mal renoviert (so auch im Moment). Die Lage ist optimal, um die schöne Altstadt von Herdecke zu erkunden oder um zu einem Ausflug auf dem RuhrtalRadweg zu starten. Rebecca hat schon im Mini Hotel „genächtigt“ und zeigt Euch in ihrem Artikel noch weitere ungewöhnliche Übernachtungserlebnisse im Ruhrgebiet.

4. Wer trug die längste Krawatte der Welt?

Das Foto zeigt den Panoramablick vom Florianturm im Westfalenpark Dortmund
Panoramablick vom Florianturm im Westfalenpark

Im Vergleich zum Mini Hotel ist er wirklich nicht so leicht zu übersehen: Die Rede ist vom Florianturm im Westfalenpark in Dortmund. Hier habe ich gleich mehrere Wissenssnacks für Euch: Zum einen war der Florianturm im Westfalenpark mit rund 219 Metern mal kurzzeitig das höchste Gebäude Deutschlands. Der Turm wurde 1959 erbaut, passend zur ersten Bundesgartenschau im Westfalenpark. Einen weiteren denkwürdigen Rekord hat Florian an einem runden Geburtstag geknackt: Zu seinem 40. trug er die längste Krawatte der Welt, die rund 58 Meter lang war.

Das Foto zeigt den Florianturm im Westfalenpark Dortmund
Sah mit Krawatte bestimmt schick aus: Der Florianturm im Westfalenpark Dortmund

5. In welchem Museum steht Beleuchtung im Fokus?

Licht ist ganz praktisch, wenn es dunkel ist. Soviel war mir, etwas überspitzt formuliert, vor meinem ersten Besuch im Zentrum für Internationale Lichtkunst klar. Doch in Unna in der ehemaligen Lindenbrauerei wird in jedem Raum eine ganz andere, eigene Welt aus Licht geschaffen. Mehrere Meter unter der Erde, wandelt ihr durch unterirdische Gänge und ehemalige Kühlräume. Alles liegt in völliger Dunkelheit, abgesehen von den Installationen, die verschiedene Licht-Künstler geschaffen haben.

Das Foto zeigt vier Frauen im Lichtkunstzentrum Unna
Lichtkunst mit Kollegen entdecken © James Turrell, „Floater 99“, Foto: Dennis Stratmann

Besonders gut gefallen hat mir, dass das Museum interaktiv aufgebaut ist und ihr als Besucher irgendwie zum Teil der Ausstellung werdet. Und das Beste ist: Es ist ein Ruhrpott-Original, was Ihr in dieser Form nirgendwo anders auf der Welt findet.

6. Wo liegt eigentlich die geographische Mitte des Ruhrgebiets?

Das Foto zeigt eine Karte, auf der Herne-Röhlinghausen als Mittelpunkt des Ruhrgebiets eingezeichnet ist
Der offizielle Mittelpunkt des Ruhrgebiets: Herne-Röhlinghausen

Dort, wo sich 51 Grad, 31 Minuten und 3 Sekunden nördlicher Breite mit 7 Grad, acht Minuten und 42 Sekunden östlicher Breite treffen, liegt der geographische Mittelpunkt des Ruhrgebiets. Klar, oder? 😉 Für alle, denen das zu kompliziert ist: Die Mitte des Potts liegt in Herne-Röhlinghausen. Bereits 2012 wurde dies wissenschaftlich belegt und unter den Augen der Weltöffentlichkeit ein Markierungsstein enthüllt. Interessierte können den Stein besuchen und finden ihn in der Rolandstraße. Ob die Touristenströme inzwischen kanalisiert werden konnten, ist nicht überliefert.

7. Welches Kino kann mit Deutschlands größtem Kinosaal auftrumpfen?

Den größten Kinosaal Deutschlands findet Ihr in Essen – genauer gesagt in der Lichtburg. 1.250 Plätze bietet dieses altehrwürdige Kino mitten in der Essener Innenstadt, welches Besuchern bereits seit 90 Jahren echten Filmkult bietet. Da Ihr das wunderschöne Ambiente derzeit aufgrund der Corona Pandemie nicht nutzen könnt, hat die Lichtburg ein alternatives Konzept gestartet. In Kooperation mit verschiedenen Partnern könnt Ihr derzeit ein Autokino am Flughafen in Mülheim an der Ruhr besuchen.

Über die schönsten Kinos im Ruhrgebiet hat übrigens Sandra in einem Blogbeitrag berichtet. Sie erzählt Euch beispielsweise auch, welches das älteste Kino im Ruhrgebiet ist, also lest mal rein.

8. In welcher Stadt befindet sich Deutschlands älteste Tankstelle?

Ihr möchtet mal an einer Tankstelle mit Historie tanken? Dann kann ich Euch Deutschlands älteste Tankstelle ans Herz legen, die bereits seit 1924 geöffnet hat. Für uns heute ist es ganz normal, dass es Tankstellen an jeder Ecke gibt, damals sah es anders aus. Viel weniger Menschen hatten ein Auto, das war damals noch ein Luxusgut und die Tankstellen waren viel kleiner und hatten weniger Zapfsäulen.

Das Foto zeigt eine Skizze der ältesten Tankstelle Deutschlands in Essen-Holsterhausen
Tanken an der ältesten Tankstelle Deutschlands in Essen-Holsterhausen

Selbst tanken musste man nicht, das gehörte zum Service und wurde von einem Tankwart übernommen. Die Tankstelle versprüht etwas nostalgischen Flair und man kann erahnen, wie es hier früher ablief. Wer mal für einen Tankstopp vorbeischauen möchte, Ihr findet Deutschlands älteste Tankstelle in der Gemarkenstraße in Essen-Holsterhausen.

9. Wo liegt das Schloss Sanssouci des Ruhrgebiets?

Das Foto zeigt die Terrassengärten des Kloster Kamps in Kamp-Lintfort
Ein absoluter Hingucker: Die Terrassengärten des Kloster Kamp

Gerüchte sagen, dass das ehemalige Kloster Kamp eine Inspiration für den Bau der Gärten im Schloss Sansscouci gewesen sein soll. Die Terrassengärten sind auch heute noch so beeindruckend, dass sie Menschen mit und ohne grünen Daumen zum Staunen bringen.
Jahrhundertelang war das Kloster Kamp ein bedeutendes religiöses Zentrum und mit seiner Gründung im Jahr 1123 das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden. Die Ziesterzienser sind Mönche, die nach ihrem ersten Kloster „Cistercium“ in Frankreich benannt sind. Im Gebäude selbst und in den Gärten erfahren Besucher viel Wissenswertes über die Geschichte und das Leben der Mönche. In diesem Jahr ist das Kloster Kamp Teil der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort.

10. Wo befindet sich die größte Haldenlandschaft Europas?

Einen richtigen Knaller in puncto Angeberwissen habe ich für’s Ende aufbewahrt. Wusstet ihr, dass Europas größte Haldenlandschaft mitten im Ruhrgebiet liegt? Die Rede ist von dem Landschaftspark Hoheward. Entstanden ist diese Großhalde, indem in den 80er Jahren mehrere Halden zusammengelegt wurden. Dafür wurden 150 Millionen Tonnen Material aufgeschüttet, verdichtet und zu einer 152 Meter hohen Bergelandschaft modelliert.

Heutzutage bekommt ihr dort nicht nur ein 360 Grad Erlebnis erster Sahne geboten, sondern erlebt, wie aus dem Bergematerial des Steinkohlebergbaus eine echte Freizeitoase entstanden ist. Jochen verrät Euch in seinem Artikel z.B., wie gut sich diese Haldenlandschaft mit dem Mountainbike erkunden lässt.

Ich wusste es, ich wusste, iiiich wusste es…

Bestimmt kanntet Ihr den einen oder anderen Fakt oder Euch fällt noch etwas ein, was das Ruhrgebiet einzigartig macht und auf keinen Fall vergessen werden sollte. Die Region ist vielfältig und überrascht mich immer wieder, deshalb würde ich mich freuen, wenn Ihr Euer Angeberwissen in den Kommentaren beisteuern würdet. 😉

3 Kommentare auf den Beitrag “Ruhrgebiet Angeberwissen – 10 Fakten zum Schlaubergern

  1. Hi Romy, es stimmt, dass die Tankstelle kurzzeitig geschlossen war. Mittlerweile hat sie aber einen neuen Betreiber und wieder eröffnet. Viele Grüße, Melissa

  2. Hallo Melissa,
    mit dem Mittelpunkt vom Ruhrgebiet liegst Du leider knapp daneben. Es ist Röhlinghausen aber nicht die Rolandstraße sondern die Tiefenbuchstraße 10. Und ja, Du hast Recht: Es steht doch ein Gedenkstein in der Rolandstraße und auch Wikipedia schreibt Rolandstraße. Ich bin da vor 3 Jahren drüber gestolpert und hatte auch Kontakt zu einem Geodaten-Techniker vom rvr, der zum gleichen Ergebnis (Tiefenbuchstraße 10) kam und den Ort auf den Internet-Seiten des rvr korrigiert hatte. Aber offenbar will keiner den Stein umsetzen 🙂

    Lieben Gruß und Glück Auf,
    Dirk

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