von Jochen | 24. Juni 2019 | KATEGORIEN Industriekultur, Rad | 10 Kommentare

Ich habe Euch ja schon einige Bahntrassen im Ruhrgebiet vorgestellt, die mittlerweile zu richtig schönen Radwegen umgebaut wurden. Heute möchte ich Euch einen schönen Tourentipp empfehlen, der auf knapp 60 Kilometern einige der besten Bahntrassen miteinander verbindet. Bester Radgenuss größtenteils abseits des Straßenverkehrs ist hier also garantiert. Vielleicht doch genau das richtige für das anstehende Wochenende.

Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet ist einfach ein Träumchen

Diese Rundtour verbindet einige der besten Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet. Rheinische Bahn, Grugatrasse, Ruhrtalbahn, Springorum-Trasse, Erzbahntrasse, Kray-Wanner-Bahn und zum Abschluss der Zollvereinweg – mehr Bahntrassen gehen kaum. Lediglich in den Zentren von Essen und Bochum verläuft die Route entlang von Straßen, aber auch die sind halbwegs fahrradfreundlich.

Start auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein

Ein optimaler Startort für diese Rundtour ist das Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein in Essen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man schnell angereist, auch Parkplätze gibt es dort zu genüge. Wer noch ein Rad benötigt, kann sich das direkt bei RevierRad ausleihen (kleiner Tipp: lieber vorreservieren!). Die Tour läuft komplett über das neue Knotenpunktsystem, die Nummern findet Ihr unten im Infokasten. Los geht´s also direkt am Knotenpunkt 59, der grade richtig schön von bunten Blumen umgeben ist.

Das Bild zeigt den Start der Bahntrassen Tour auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein
Los geht´s zur Bahntrassenradtour am Knotenpunkt 59 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein

Zunächst führt die Route über das Gelände von Zollverein, dann folge ich der Beschilderung in die Essener City. Zu Anfang bin ich also noch viel auf Straßen unterwegs. Es sind aber eher kleinere und wenig befahrene Straßen, teilweise sogar Fahrradstraßen. Aufgrund einer Baustellenumfahrung führt die Route derzeit (Stand Juni 2019) durch die richtig schöne Kleingartenanlage an der Arendahlswiese. Bitte nehmt hier besondere Rücksicht auf die Fußgänger, denn ohne Baustelle wird hier eigentlich nicht geradelt. Die Blicke in die schönen Gärten sollte man aber eh genießen, daher bietet sich das langsame Radeln hier sowieso an.

Das Bild zeigt eine Kleingartensiedlung
Kurze Baustellenumleitung durch die Kleingartensiedlung

Die Rheinische Bahn und die Grugatrasse

Noch ein paar Straßen in der Essener City, dann startet an der Uni Essen endlich der erste Bahntrassenradweg dieser Tour, die Rheinische Bahn. Eines Tages soll hier der Radschnellweg herführen. Noch ist es ein normaler Bahntrassenradweg, der am Anfang asphaltiert ist, später dann über eine wassergebundene Decke führt. Mit dem Kruppsee und dem Niederfeldsee passiere ich zwei künstliche Seen, die die Attraktivität des Stadtteils spürbar aufgewertet haben. Es geht zügig Richtung Westen und man könnte sehr leicht bis Mülheim an der Ruhr durchbrausen, aber die Route zweigt kurz nach der Mülheimer Stadtgrenze am Knotenpunkt 1 ab auf die Grugatrasse.

Das Bild zeigt die Knotenpunkttafel der Rheinischen Bahn
An den neuen Knotenpunkttafeln kann man sich wunderbar orientieren, wie die Route weiter geht

Die Grugatrasse führt zunächst berghoch nach Rüttenscheid und dann mit einer rasanten Abfahrt wieder runter ins Ruhrtal. Dort stoße ich auf den Ruhrtalradweg, dem ich weiter Richtung Bochum folge. Auf den ersten Kilometern bin ich dabei immer noch auf einer ehemaligen Bahntrasse unterwegs. Am Wegesrand erklärt eine Infotafel die frühe Geschichte des Bergbaus an der Ruhr.

Das Bild zeigt eine Infotafel zum Bergbau in Essen-Steele
Infotafel zum frühen Bergbau direkt an der Ruhr in Essen-Steele

Nachdem ich das Ruhrufer auf die südliche Seite gewechselt habe, geht es über den früheren Treidelpfad direkt am Wasser entlang. Das Stück, auf dem früher Pferde die Schiffe flussaufwärts gezogen haben, gehört zu den wohl schönsten Abschnitten des RuhrtalRadweges – ein echtes Naturjuwel mitten im Pott.

Über die Pontonbrücke quere ich nach Bochum-Dahlhausen erneut die Ruhrseite. Nach ein wenig Stadtverkehr komme ich zur grade frisch eröffneten Springorum-Trasse.

Frisch für Euch eröffnet: die Springorum-Trasse

Noch bis vor kurzem war die alte Bahntrasse ein richtig holpriger Waldweg und eher für Mountainbiker geeignet. Jetzt gehört die Springorum-Trasse zu den neuen Aushängeschildern in Sachen Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet, denn sie führt frisch asphaltiert bis hinein in die Bochumer Innenstadt.

Der neue Asphalt verleitet zum zügigen radeln. Eigentlich schade, denn am Wegesrand stehen einige interessante Hinweistafeln, die zu einem Bergbaulehrpfad gehören. Zugegebenermaßen haben die Tafeln rein optisch schon bessere Zeiten erlebt, aber dennoch erfährt man auch hier einige spannende Informationen über den frühen Bergbau an der Ruhr.

das Bild zeigt eine Infotafel an der Springorum-Trasse
Infotafeln am Bergbauwanderweg der Springorum-Trasse

Summer in the City – die Bochumer Innenstadt im Hochsommer

Es ist richtig heiß heute und nach der Auffahrt glühe ich gefühlt wie ein Stück Holzkohle auf dem Grill. Ich radel durch die City und blicke etwas neidisch auf die gut gefüllten Straßencafés und Restaurants. Mich zieht´s aber dennoch direkt weiter zur Jahrhunderthalle Bochum, denn es liegen ja noch einige Kilometer vor mir. Am Rathaus mit der gewaltigen Glocke vom Bochumer Verein vor der Tür führt der Weg wieder raus aus der City.

Das Bild zeigt die Glocke vor dem Bochumer Rathaus
Die Glocke vor dem Bochumer Rathaus

Die Erzbahntrasse

Ein kurzes, leider recht fieses Stückchen über die Alleestraße und ich kann im Westpark an der Jahrhunderthalle Bochum endlich wieder aus dem Stadtverkehr ausscheren. Hier ist es wieder richtig grün um mich herum.

Das Bild zeigt die Erzbahnschwinger der Erzbahntrasse am Westpark in Bochum
Die Erzbahnschwinge am Beginn der Erzbahntrasse am Westpark in Bochum (© radrevier.ruhr / Jochen Tack)

An der außergewöhnlichen Erzbahnschwinge startet meine Abfahrt über die Erzbahntrasse bis zur beliebten Erzbahnbude. Auch die ist wie immer gut gefüllt, heute sogar mit Livemusik. Ich fahre weiter, denn es liegt tatsächlich schon wieder ein Gewitter in der Luft – ein kleines Dejavu, denn auch bei meiner Tour mit Sandra donnerte es hier schon hinter unserem Rücken.

Die Kray-Wanner-Bahn

Von dem Kulttradlertreff Erzbahnbude gehe ich nun auf den Rückweg nach Zollverein. Die Kray-Wanner-Bahn bringt mich über besten Asphalt Richtung Westen. Zunächst habe ich noch die Hoffnung, dem Gewitter ein Schnippchen zu schlagen, aber falsch gedacht. Zum Glück bieten die großen Bäume entlang der Trasse guten Regenschutz.

Das Bild zeigt die Kray-Wanner-Bahn im Regen
Regenpause unter den Bäumen der Kray-Wanner-Bahn

Die Himmelsleiter lasse ich im wegen des nunmehr leichten Regens links liegen und ich nähere mich meinem Ausgangspunkt auf Zollverein.

Zu guter Letzt: der Zollvereinweg

Die letzte Bahntrasse dieser Tour ist der Zollvereinweg, der mich zügig zurück zum UNESCO-Welterbe leitet. Die Sonne ist wieder rausgekommen und der Radweg dampft stärker als manch ein Schornstein in seinen besten Zeiten. Auf dem Weg passiere ich mit dem Phänomania Erfahrungsfeld noch einmal ein richtig schönes Zechengerüst, das ursprünglich auch zur Zeche Zollverein gehörte.

Das Bild zeigt den Förderturm des Phänomania Erfahrungsfeld auf dem Zollvereinweg
Abendstimmung auf dem Zollvereinweg

Nach der Zielgraden komme ich auf Zollverein an und genieße die schöne Abendstimmung auf dem Gelände. Mein Fazit: ein richtig schöner Rundkurs, der einfach Spaß macht zu fahren. Wer sich Zeit nimmt für die vielen Infotafeln am Wegesrand, kann hier richtig viel über die Geschichte des Ruhrgebiets lernen.

Mein Kulinarik-Tipp für diese Tour: Das Wolperding!

Für alle Liebhaber eines leckeren Grillhähnchens empfehle ich die Einkehr in den schönen Biergarten des Wolperding. Er liegt unweit der Kray-Wanner-Bahn ziemlich am Ende der Tour und ist somit ein idealer Abschluss, um sich nach der Tour zu stärken. Das Wolperding liegt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Bonifacius in Essen-Kray. Beinahe alle Gerichte drehen sich ums Hühnchen, aber natürlich gibt es auch vegetarische Gerichte. Mein Favorit ist das Hähnchen „Bonifacius“ mit leckeren Kräutern und Knoblauch.

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Bester Radgenuss im Ruhrgebiet

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Bahntrassen-Radeln im mittleren Ruhrgebiet:
Knotenpunktnummern: 59-57-81-56-1-51-80-27-28-21-HBF-77-29-47-46-48-49-60-59

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Infos zum Wolperding:
www.wolperding-essen.de

Bei allen Komoot-Links (auch im Text) gilt: auch ohne Anmeldung könnt Ihr Euch die Touren anschauen. Einfach auf den Link klicken und ein wenig nach unten scrollen.

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10 Kommentare auf den Beitrag “Tourentipp – Bahntrassen-Radeln im mittleren Ruhrgebiet

  1. Vielen Dank für den tollen Bericht und die Tour!
    Werde ich auf jeden Fall probieren!
    Samstag, vor der Extraschicht ist vielleicht genau der richtige Zeitpunkt…!

  2. Hallo Jochen,
    der Bericht liest sich gut und es wird eine interessante Tour sein, vielen Dank dafür. Wir sind eine Gruppe von Inlineskater und immer auf der Suche nach asphaltierten Strecken und Bahntrassen. Du schreibst das ein Teil wohl nicht asphaltiert ist, aber die restlichen Wege und Trassen schon, oder? Kannst du uns vielleicht die Länge des nicht asphaltierten benennen und ob es es vielleicht eine Alternative bzw umfahrung geben könnte?? Unsere Touren liegen meist so zwischen 70 und 100 km somit wäre ein kleiner Umweg kein Problem nur bei kurzem knackigen Gefälle wird es wieder schwieriger….
    Vielen Dank für eine Rückmeldung und vielleicht einen Tipp zur Umleitung
    Grüße Dirk

    • Hallo Dirk,
      ich glaube, dass wird schwierig bei dieser Runde. Als Radler achte ich nicht ganz so auf den Untergrund. Aber Ihr werdet hier immer mal wieder auf Untergründe stoßen, die mit Skates nicht gut zu fahren sind. Die Rheinische Bahn hinter Altendorf und die erste Hälfte der Grugatrasse sind mit Skates derzeit nicht fahrbar. Auch diese Trassen sollen asphaltiert werden, aber noch habt Ihr hier eine wassergebundene Decke. Alternativ wird man in den Straßenverkehr ausweichen müssen, was sicherlich nicht so schön ist. Kurz vor der Bochumer Innenstadt ist nach der Springorum-Trasse ein kurzer Anstieg, der auch nicht so schön sein wird. Daher diese Tour aktuell lieber mit nem schönen Tourenrad fahren, das sollte bestens klappen.
      Schönen Gruß
      Jochen

      • Hey Jochen, vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Dann schauen wir mal weiter, vielleicht fällt Dir zufällig mal eine Strecke ein und denkst an uns 😎
        Grüße

        • Als (auch) Rennradler werde ich mich in Zukunft mal auch um Inliner-Strecken kümmern. Feinschotterdecken wie auf der Rhein. Bahn sind für mich zwar durchaus rennradtauglich, auf Skates aber erfahrungsgemäß nahezu unmöglich…

  3. Moin, kein Wunder sind für dich und dein Gefährt Untergründe und Entfernungen sowas von egal. . . . . ein R+M mit dual Battery, ein Brookssattel und dann noch komoot auf dem Handy. . . . . da kannst ja gleich zweimal rumfahren 🙂
    Mal schaun ob dieses Gebiet von mir im Frühjahr entdeckt werden wird, Bericht macht Lust drauf

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