von Jan | 10. September 2020 | KATEGORIEN Kultur, Rad | 1 Kommentar

38 Grad, zwei Räder, zwei Radler und jede Menge Kunst – So beginnt es, das rART-Abenteuer meiner Kollegin Frauke und mir. Denn in einigen Dingen kann man uns Einwohnern des Ruhrgebiets ja nun wirklich nichts vormachen. Zwei davon sind (Nein, nicht Bergbau und Nein, nicht Currywurst) die Kunst im öffentlichen Raum und das Radwegenetz. Beides kombiniert also, ergibt eine entspannte rArt Tour mit 30 km Länge, die von Bochum bis Gelsenkirchen, von abstrakt bis figürlich, von Stahl bis Stein und von Kunstwerk zu Kunstwerk führt.

Public rArt Tour – Kunst im öffentlichen Raum per Rad entdecken

Das Foto zeigt einen Radfahrer auf der Erzbahnschwinge in Bochum
Die Street und Public Art mit dem Fahrrad erkunden

Große Künstler wie der bereits erwähnte Richard Serra, Giuseppe Spagnulo oder Francois Morellet, sowie unzählige weitere bedeutende Kunstschaffende, wählten und wählen das Ruhrgebiet, mit seinen monumentalen Stahl- und Backstein-Konstruktionen ohnehin wie ein überdimensionaler Konstruktions-/Skulpturenpark wirkend, schon seit den 60er Jahren als Ausstellungsort ihres ebenso monumentalen Schaffens. Das bestens ausgebaute Radwegnetz des radrevier.ruhr erstreckt sich über 1.200 km durch die gesamte Region und ist in seiner Vielfalt an urbanen, grünen oder industriell geprägten Streckenführungen ebenfalls einmalig.

Public rArt Tour – Durch’s Grün ins Grün

Das Foto zeigt die Installation KunstLichtTor von Christoph Hildebrandt unter der Unterführung des Bochumer Hauptbahnhofs
Unter der Unterführung beim Hauptbahnhof wird man von Christoph Hildebrandt in 24 Neonschriftzügen nach dem Woher und Wohin gefragt

Beginnend an Bochums Hauptbahnhof und Christoph Hildebrands Brücken-Lichtinstallation „KunstLichtTor 15 – Wohin/Woher“ aus dem Jahre 2014, geht es an diesem Freitagmorgen ‚per Pedales‘ Richtung Süden und auf die fernab des Verkehrs, im Grünen liegende Springorum-Trasse. Diese wurde kürzlich fertiggestellt und führt uns, dank leichter Senkung, rollender Weise geradewegs in den angrenzenden Schlosspark Haus Weitmar.

Das Bild zeigt den Schlosspark Weitmar.
In der Schlossruine des Schloss Weitmar befindet sich das Museum „Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst“

Hier befindet sich im Schutz des Schattens der teils über hundert Jahre alten Bäume das RuhrKunstMuseum „Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst“. Mit seinem spektakulären, in die Schlossruine integrierten KUBUS und dem unterirdischen Museum unter Tage ist hier ein besonderer Kunst-Ort entstanden. Rund um das gleichzeitig moderne und verwunschene, ruinöse Ensemble, mit der Schlossruine als Mittelpunkt, liegt der Skulpturenpark Weitmar. Wir streifen, dank des Blattwerks vor der Mittagssonne geschützt, durch das Grün und die Ruinen des alten Schlosses und entdecken überall neue Figuren, Skulpturen und Plastiken. Diese sind so bedacht und behutsam in die natürliche Umgebung eingebettet, dass man teilweise zwei Mal hinschauen muss, um die Werke zu entdecken. Einmal gefunden darf man sich dann hier über Werke von Giuseppe Spagnulo, Francois Morellet oder Richard Serra freuen. Ebenfalls im KUBUS befindet sich übrigens das Baristoteles, ein Café/Bistro und gleichzeitig eine Event-Kaffeerösterei. Hier gibt es natürlich Spitzen-Kaffee und kleine liebevolle Snacks für die kreativ-kulinarische Pause.

Das Foto zeigt Frauke auf der Terrasse des Baristoteles im Schlosspark Weitmar in Bochum
Gönnung nach so viel Kraftaufwand – neben dem Kunstkonsum darf der kulinarische Genuss nicht fehlen

Public rArt Tour – Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.

Mittlerweile ist es 13 Uhr und nach der befriedeten Ruhe des Schlossparks und einer kleinen Stärkung im Baristoteles geht über die direkt angrenzende Hattinger Straße in Richtung Stadtzentrum und bis ins trubelige Bochumer Ehrenfeld. Hier findet man viel Hippes und Nippes aber auch Kunst. Kunst, wie sie „auf der Straße“ oder in oftmals eher heterogeneren Gesellschafts- und Lebensräumen entsteht. Street Art, wie diese Stilrichtung seit dem Jahr 2000 heißt, ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Public Art und in Bochum vielerorts zu finden. So z.B. an der Alten Hattinger Straße, wo der Künstler Zone 56 ein überdimensionales Mural (dt.: Wandgemälde) einer interessant porträtierten Frau geschaffen hat.

Das Foto zeigt eiin Mural von Zone56 auf einer Hausfassade an der Alten Hattinger Straße 11.
Ein Bild von Zone56 verziert die Hausfassade in der Alten Hattinger Straße 11, das beim Wright Festival 2018 entstand

Die Stimmung ist hier allerorts super an diesem, wenn auch heißen, wunderschönen Sommertag und die Atmosphäre in den kleinen Cafés und Bars fast mediterran. Wenige Radminuten vom ersten Mural entfernt, liegt der Springerplatz. Marktstände, Kinderspiele und ein proppenvolles Café sorgen hier für Trubel und Lebendigkeit. An der Hausnummer 40 ragt schon das nächste Mural in die Höhe. Hier ist eine urbane Ausstellungsfläche von 20 Metern entstanden, auf der ein von den Künstler Sinero/Jan Schoch und Olli Rose geschaffenes, stark inspirierendes Wandgemälde, bewundert werden kann.

Das Foto zeigt die Murals von SineroJan Schoch und Olli Rose am Springerplatz 40
Die Murals von Sinero/Jan Schoch und Olli Rose am Springerplatz 40

Public rArt Tour – Mit Schwung gen Himmel

Wieder raus aus dem Trubel und hinein ins Grün. Denn vom Springerplatz sind es nur wenige hundert Meter bis zum Eingang des Westparks und der darin liegenden Jahrhunderthalle. Hinter dieser befindet sich, mitten auf der Wiese ein aus alt-industriellen Zeiten stammender rostbrauner Zylinder, an dem große silberne Lettern prangern. „Appeal to the Youth of All Nations – Aufruf an die Jugend der Nation“, so der Titel des Werks, wurde 2018 installiert und stammt von dem Künstler Olu Oguibe. Der allansichtige Text wiederholt sich Englisch und Romani und behandelt die Themen Migration und Diskriminierung.

Das Foto zeigt Olu Oguibe, Appeal to the Youth of All Nations – Aufruf an die Jugend der Nation, 2018
Olu Oguibe, Appeal to the Youth of All Nations – Aufruf an die Jugend der Nation, 2018

Die Sonne steht nicht mehr ganz so hoch am Himmel und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen es wäre bereits ein wenig abgekühlt. Wir treten in die Pedale und radeln in westlicher Richtung vorbei an der Graffiti Wall, geradewegs auf eine Brückenkonstruktion der besonderen Art zu. Der weltweit renommierte Stuttgarter Architekt Jörg Schlaich hat mit der Erzbahnschwinge (2003), eine doppelt gekrümmte Hängebrücke fertiggestellt, die völlig ohne Abspannseile auskommt. Dem S-Verlauf der Brücke folgend, fahren wir geradewegs auf den hier beginnenden Radweg Erzbahntrasse.

Das Foto zeigt die Erzbahnschwinge im Westpark Bochum
Jörg Schlaich´s Erzbahnschwinge im Westpark Bochum (2003)

Nach ca. 5 km erhebt sich die im Stadtteil Ückendorf liegende Halde Rheinelbe in die Höhe und verschafft der Himmelstreppe (1999), unsere nächste und letzte Station, eine exponierte Lage. Die weithin sichtbare Landmark des Künstlers Herman Prigann liegt auf 110 Metern Höhe und misst selber nochmal 12 Meter. Von hier aus genießt man einen herrlichen Ausblick über das Ruhrgebiet! Nach dieser letzten Station des Tages geht es entlang der Weststraße über Bochum Wattenscheid und den Wattenscheider Hellweg bzw. die Alleestraße zurück zum Ausgangspunkt der Tour.

Das Foto zeigt die Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen
Die Himmelstreppe von Hermann Prigann (1999) aus 30 Betonquadern ist begehbar

Public rArt Tour –  Unser Fazit

So endet sie, unsere Public rArt Tour und wir besiegeln den schönen Tag stilecht mit einem Moritz Fiege-Bier. Unser Fazit: Absolut empfehlenswert, ein künstlerischer Tagesausflug mit schöner Streckenführung, leichtem Schwierigkeitsgrad und renommierter, frei zugänglicher Kunst. Den Kunstliebhabern, und solchen die es werden wollen unter euch, bieten wir online eine Art „Werksverzeichnis“ mit ausführlichen Fach-Texten zu allen Kunstwerken der Public rART Tour an. Das PDF dazu sowie unsere Route und weitere Infos findet ihr hier.

Ein Kommentar auf den Beitrag “Public rArt Tour – Eine kunstvolle Radtour von Bochum nach Gelsenkirchen

  1. Moin Jan,
    ich bin total begeistert von deiner Radtour.Nun frage ich mich aber wo man sich dafür bewerben kann, oder war dies nur ein einmaliges Ding? Komme aus Hamburg und bin immer mal wieder in Deutschland mit dem Fahrrad unterwegs. Könntest du mir vielleicht verraten, wo und wie ich mich frür deine Tour anmelde, bzw ob du in absehbarer Zeit noch eine Tour startest?
    Greeting from Hamburg Basti

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