von Rebecca / Thema: Erlebnis / am 24. Mai 2018um9:15

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet – meine fünf Tipps

Man muss nicht weit fahren, um etwas Spannendes zu erleben. Viele Abenteuer liegen direkt vor der Tür. Microadventures – werden diese kleinen Erlebnisse der besonderen Art auch genannt – ein neuer Reisetrend, der es jedem ermöglichen soll, mal eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Auch im Ruhrgebiet gibt es tolle Möglichkeiten, Microadventures zu erleben, man kann zum Beispiel an ungewöhnlichen Orten übernachten – vom Bauwagen oder Hausboot bis hin zum Mini-Hotel ist alles dabei. Ich habe einige Locations für Euch getestet.

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet Tipp Nr. 1: Ruhrcamping in Essen

Das Bild zeigt ein Bauwagenhotel mit Rebecca

Super gemütlich: bei einer Nacht im Bauwagen werden Kindheitsträume war.

Für kleine, ausgebaute Bauwagen hatte ich schon immer ein Faible. Vor allem, wenn sie bunt sind. Dass „Löwenzahn“ in meiner Kindheit zu meinen Lieblingsserien gehörte, brauche ich sicher nicht erwähnen. Umso begeisterter war ich, als ich vom Ruhrcamping in Essen erfuhr, denn hier stehen acht hübsche Bauwagen zum Übernachten bereit. Sie alle sind nach Essener Stadtteilen benannt: Kray, Steele, Rüttenscheid, Werden, Überruhr, Bredeney, Eiberg, und Horst. Letzterer wurde unserer. Die Minihotels auf Rädern sind ideal für alle, die Ruhe und Natur suchen, denn das Gelände liegt direkt am Ufer der Ruhr. Bei gutem Wetter könnt ihr also die Klappstühle rausholen und mit einem Buch und einem Gläschen Wein die entspannte Atmosphäre am Fluss genießen. Ab und zu gleiten ein paar Kanufahrer winkend den Fluss entlang, die sich über einen Gruß zurück freuen. Die Bauwagen verfügen über alles, was man bei so einem kleinen Abenteuerurlaub braucht, nur duschen muss man nebenan im Bootshaus. Mein Fazit: Ich würde sofort wiederkommen. Ach ja, und falls Euch mal die Decke auf den Kopf fällt oder das Wetter nicht mitspielt, seid Ihr mit der S-Bahn in etwa 15 Minuten in der Innenstadt von Essen und könnt die City erkunden.

Das Bild zeigt einen Bauwagen von innen

Horst bot sogar eine kleine Küchenzeile und eine Toilette.

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet Tipp Nr 2.: Das Mini-Hotel in Herdecke

Das Bild zeigt das Mini-Hotel Herdecke

Wirklich winzig: 1,75 Meter hoch ist die Hoteltür. Wie gut, dass ich nur 1,67 Meter groß bin.

Auf diese Location war ich besonders gespannt: das Mini-Hotel in Herdecke. Es ist das vermeintlich kleinste Hotel Deutschlands und so winzig, dass es sogar mal einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde bekommen hat. Das historische Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1730, erst 1975 wurde es zum ersten Mal als Hotel genutzt. Hier haben sogar schon prominente Gäste wie der Künstler Friedensreich Hundertwasser und der Schlagersänger Roy Black genächtigt. Als wir ankamen, standen wir vor verschlossener Tür, denn eine Rezeption oder ähnliches gibt es nicht. Stattdessen muss man einen Zahlencode eingeben, ist der richtig, erhält man Eintritt – es hatte ein bisschen von „Sesam öffne dich!“ im Märchen „Ali Baba und die vierzig Räuber“. Auch von innen war es Liebe auf den ersten Blick: das Mini-Hotel wurde vor seiner Neueröffnung 2017 renoviert und dabei ist es den Betreibern hervorragend gelungen, Altes stilvoll mit Neuem zu kombinieren. Frische und freundliche Farben sorgen dafür, dass das kleine Häuschen mit den kleinen Fenstern nicht zu düster wirkt. Vor allem das niedliche Wohnzimmer mit der Kaffee- und Teeküche und dem mit Kerzen ausgestattetem Kamin hatte es uns angetan. Dieser Wohnbereich wird von allen Gästen gemeinsam genutzt, allerdings gibt es auch nur zwei Einzel- und ein Doppelzimmer im Mini-Hotel.

Falls Ihr mal hierher kommt, solltet Ihr Euch unbedingt das Gästebuch in Ruhe anschauen, denn im Mini-Hotel übernachten nicht nur gerne Radfahrer, sondern auch Pilger. Und wenn Ihr so durch die Seiten blättert, findet Ihr auch die ein oder andere spannende Geschichte zum Jakobsweg.

Service oder eine richtige Küche, in der man sich Essen zubereiten kann, gibt es nicht im Mini-Hotel. Das ist aber gar nicht schlimm, denn im kleinen Örtchen Herdecke, in dem Ihr noch viele weitere niedliche Fachwerkbauten bewundern könnt, sind zahlreiche Essensmöglichkeiten wie Restaurants und Bäckereien vorhanden. Zum Beispiel die Pizzeria Bei Nunzio, wo Ihr Euch das warme frische Pizzabrot mit Kräuterbutter nicht entgehen lassen solltet. Mein Tipp: Etwa acht Autominuten vom Mini-Hotel entfernt liegt der Hengsteysee, an dessen Ufer sich das griechische Restaurant Proto im Schiffwinkel befindet. Bei schönem Wetter könnt Ihr draußen sitzen und habt einen tollen Ausblick aufs Wasser!

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet Tipp Nr. 3: Das Road Stop Motel Dortmund

Das Bild zeigt einen roten Chevrolet Oldtimer vor dem Road Stop Motel

Hingucker: Mit dem Chevrolet hätte ich auch gerne mal ne Runde gedreht.

Bereits bei unserer Ankunft auf dem Parkplatz machte sich reichlich US-Flair breit: denn dort präsentierten sich so einige Gäste mit ihren Chevrolets, röhrenden Achtzylindern, Harleys und anderen schicken Gefährten. Und auch beim Betreten des Road Stops  fühlt man sich direkt, als sei man mitten an der Route 66 gelandet: Büffelköpfe treffen auf Benzinkanister und Burger. Das Road Stop Motel hat sechs verschiedene Themenzimmer, die mit originial amerikanischen Austattungs- und Dekorationsobjekten eingerichtet wurden: Las Vegas Suite, Jail House Cell, Harley Campsite, Jim Bean Log Cabin, New York Central Park und L.A. White Room – da ist für jeden Geschmack was dabei. Wir haben im „New York Central Park“ übernachtet, da mir die Idee mit dem integrierten Baum so gut gefiel. Das Bett – bei dem es sich zu meiner Freude um ein Wasserbett handelte – ist eine „Bühne“ und ihr seid mitten drin im Konzertgeschehen.

Das Bild zeigt ein Zimmer im Road Stop Motel

A night in the Park: das wird hier möglich.

Auch das Personal lebt den American way of life und ist super nett und super lässig. Wenn Ihr im Restaurant esst, solltet Ihr bei all den leckeren Burgern nicht vergessen, Euch umzuschauen – denn die Deko ist der Hammer! Ein Muss für alle USA-Fans!

Das Bild zeigt die Bar des Road Stop Motels

Let’s have da Drink: Die Bar im Road Stop.

Mitten im Grünen und nur etwa 800 Meter vom Road Stop Motel entfernt, liegt übrigens die historische Burgruine Hohensyburg, die wirklich sehenswert ist. Mein Tipp: Nehmt die paar Treppenstufen des Vincketurms und die 2 Euro Eintritt in Kauf, denn der Ausblick von oben, hinab auf das Tal, ist einfach atemberaubend.

Das Bild zeigt Rebecca und den Ausblick auf die Ruhr

Grün soweit das Auge reicht: der Aufstieg auf den Vincketurm lohnt sich

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet Tipp Nr. 4: Das Parkhotel im Bernepark Bottrop

Übernachten in ehemligen Kanalrohren © Gregor Evers

Achtung, jetzt wirds richtig abgefahren: Im Parkhotel des Berneparks Bottrop könnt Ihr in ehemaligen Kanalrohren übernachten. Und als ob das nicht schon verrückt genug wäre, läuft das mit der Bezahlung hier nach dem Pay-as-you-wish-Prinzip. Ihr hinterlasst in der „Suite“ also einfach den Betrag, den euch die Übernachtung wert ist. Früher wurden an diesem Ort Abwässer geklärt, vierzig Jahre später hatte der österreichische Künstler Andreas Strauss die Idee, fünf Kanalrohre in komfortable Mini-Suiten umzufunktionieren. Im Inneren der Röhren befindet sich nun ein Doppelbett mit Nachttisch, und direkt vor der Tür liegt die Blumenlandschaft des Berneparks. Wer hätte gedacht, dass eine alte Kläranlage so viel Potenzial für Romantik bietet?! Ich nicht. Das Ruhrgebiet ist halt immer wieder für eine Überraschung gut. Ein weiteres Highlight dieser ungewöhnlichen Unterkunft ist die Tatsache, dass die Decke noch mit einem Bullauge ausgestattet ist, durch das Ihr in den Sternenhimmel schauen könnt. Auch für Verpflegung ist gesorgt, denn eine Minibar und eine Cafeteria befinden sich in unmittelbarer Nähe. Duschen und Toiletten natürlich auch. Wenn ihr hier mal übernachten möchtet, müsst ihr allerdings schnell sein, denn die Röhren sind ziemlich beliebt!

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet Tipp Nr. 5: Die Grüne Flotte in Mülheim an der Ruhr

Das Bild zeigt Rebecca an einem Boot auf der Ruhr

Einfach schön: ich hätte nie gedacht, dass die Ruhr so viel Natur bereithält.

Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich die Tour über die Ruhr mit einem Haustretboot der Grünen Flotte. Am Mülheimer Hafen angekommen, wurde uns ein Hausboot namens Chantal ausgehändigt. Nach einer kurzen Einweisung konnte es losgehen, ich war froh über das kleine Briefing in Sachen Verkehrsregeln zu Wasser, denn über einen Bootsführerschein verfügte keiner von uns. Den braucht man aber auch gar nicht, um so ein Escargot (französisch für Schnecke) zu steuern – wie sich diese kleinen Haustretboote nennen – wie der Name schon sagt, kommt man mit ihnen nicht sonderlich schnell voran. Doch dabei geht es hier ja auch gar nicht: Entschleunigung pur ist das was man erleben und genießen kann. Und so hat man genügend Zeit, die wunderschönen, saftig grünen Auerlandschaften am Ufer zu bestaunen und mit etwas Glück auch allerlei Tiere, die man sonst vielleicht nicht so oft sieht: zum Beispiel einen Eisvogel. Mein Tipp: An heißen Sommertagen ist es herrlich, zwischendurch immer mal wieder irgendwo anzulegen, um die Beine ein wenig im kühlen Wasser baumeln zu lassen. Wenn Ihr die Muskelpower habt, könnt Ihr vom Mülheimer Hafen bis nach Essen fahren. Dabei gilt es so einige Schleusen zu passieren und allein das ist schon ein Abenteuer für sich.

Das Bild zeigt Rebecca auf der Ruhr

Freiheit: In manchen Ecken habt Ihr die Ruhr auch mal für euch allein.

Nach unserer Rückkehr ankerten wir im Hafen und stellten uns Klappstühle auf den Steg. Es war der perfekte Ort, um zuzuschauen, wie die Sonne farbenprächtig am Horizont versinkt und die letzten Graureiher ihren Heimweg antreten. Als der Mond langsam emporstieg, machten wir es uns in der kleinen Koje des Hausbootes gemütlich und ließen uns von den sanften Bewegungen des Wassers in den Schlaf schaukeln.

Ungewöhnlich Übernachten im Ruhrgebiet – Mein Fazit

Ich bin wirklich überrascht, wie viele Abenteuer #MeinRuhrgebiet zu bieten hat. Das Beste daran ist, dass ich noch längst nicht alles ausprobiert habe, denn da warten noch das Baumzelt in der Dingdener Heide oder Floating 44 in Xanten … Und welches wird Euer nächstes Microadventure?

Alles Fotos sind von Lukas Holzmeier für Rebeccas Welt.


Rebecca Schirge Ein Artikel von

Unsere Gastbloggerin Rebecca Schirge ist selbstständige Redakteurin mit ständigem Fernweh. Während einer abenteuerlichen Reise, die sie nach Kambodscha, Vietnam und zur Hochzeit ihres besten Freundes nach Sydney führte, berichtete sie für Familie und Freunde auf ihrem extra dafür erstellten, privaten Blog von ihren Erlebnissen. Das machte ihr so viel Spaß, dass sie ihren Blog Rebeccas Welt 2015 öffentlich machte. Darauf gibt Rebecca Tipps zu Reisen, deren Fokus auf Natur, Nachhaltigkeit, Yoga und Wellness liegt oder sie erzählt von ihren ungewöhnlichsten Übernachtungen – vom einfachen Baumzelt im Wald über eine Eco-Lodge im Regenwald Sri Lankas bis hin zum luxuriösen Schloss am Bodensee. Diese und andere Geschichten verfolgen mittlerweile mehr als zwanzigtausend Leser monatlich auf www.rebeccaswelt.de.

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