von Gastautor | 15. Juli 2021 | KATEGORIEN Erlebnis | 4 Kommentare

Das man im Ruhrgebiet toll wandern kann, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Es gibt jede Menge gut ausgeschilderte und beschriebene Wanderwege, die uns kreuz und quer durch den Pott führen. Das fängt an bei „Oldies“ wie dem Ruhrhöhenweg (der immerhin zu weit mehr als der Hälfte seiner Länge durch den südlichen Pott führt) und dem Emscherparkwanderweg (einmal mitten durch) und geht bis hin bis zum „Youngster“, dem Hohe Mark Steig.

Eine Wanderung ums Ruhrgebiet – Die Idee

Was es aber bislang noch nicht als ausgeschilderten Weg gibt, ist die komplette Umwanderung vom Pott. Mein Ideenlieferant für dieses Projekt waren unsere lieben Nachbarn im Südwesten: Der neanderland Steig führt auf 235 Kilometern rund um den riesigen Kreis Mettmann. Kein geringerer als Manuel Andrack hat die Patenschaft für den Steig übernommen und ihn auch gleich informativ und unterhaltsam in seinem Wanderbuch beschrieben.

Einmal um den Pott – Die Planung

Übersichtskarte zur Wanderung "Einmal rum, um den Pott"
Übersichtskarte zur Wanderung „Einmal rum, um den Pott“

Einfach loswandern konnte ich nicht, weil es den fertigen Weg um den Pott halt noch (?) nicht gibt – logisch. Zuerst mussten ein paar Rahmenbedingungen gesetzt werden und die komplette Route geplant werden. Hier der Rahmen:

  • Als Pott gilt der Verwaltungsbereich vom Regionalverband Ruhr.
  • Start- und Endpunkt jeder Etappe sollten gut mit dem ÖPNV erreichbar sein.
  • Es wird auf bereits vorhandene Wanderwege zurückgegriffen.
  • Bei der Wanderung sollen die äußersten Zipfel vom Pott – also der südlichste, östlichste, nördlichste und westlichste Punkt – besucht werden.

Dank der heutigen elektronischen Helferlein, allen voran dem Wanderroutenplaner NRW, ging mir die Planung schnell von der Hand und hat auch noch richtig Spaß gemacht. Herausgekommen sind 23 Tagesetappen zwischen 10 und 35 Kilometern, mit einer Gesamtlänge von 514 Kilometern und über 6.200 Höhenmetern.

Start und Ende der „Pottumrundung“

Das Foto zeigt eine Kirche in Mülheim-Selbeck
Mülheim-Selbeck – Start und Ende von „Rund um das Ruhrgebiet“

Auf die wichtige Frage: „Wo beginnt ein Rundwanderweg und in welche Richtung soll ich loswandern?“ habe ich für „Rund ums Ruhrgebiet“ eine glasklare Antwort: Mülheim-Selbeck ist der perfekte Startpunkt und Ihr solltet gegen den Uhrzeigersinn wandern. Warum? Bei diesem Startpunkt und dieser Richtung könnte Ihr die ersten 3,5 Etappen dem gut ausgeschilderten neanderland Steig folgen und könnt Euch auch ohne GPS-Navigation gut „eingrooven“. Außerdem bringt Ihr so die allermeisten Höhenmeter bereits in der ersten Hälfte des Weges hinter Euch. Die späteren Wanderungen am Rande des Münsterlands und insbesondere am wunderschönen Niederrhein sind dann einfach nur noch purer Genuss! Zu guter Letzt führt so die Abschluss Etappe zu zwei Orten, die für die Ruhrgebiets-Seele sehr bedeutsam sind.

Ja, und? Lohnt sich das?

Was soll ich sagen? Wir Ruhris wissen ja, dass Grün die vorherrschende Farbe im Pott ist. Für den Rand gilt das natürlich noch viel mehr. Flüsse, Bäche, Seen, Kanäle, Wälder, Felder, Heide, steile An- und Abstiege an der Grenze zum Bergischen Land, endlose Felder an der Grenze zur Soester Börde und am Niederrhein, alte Dorfkerne, ein altes Römerlager und auch Orte der jüngeren Ruhrgebietsgeschichte – es ist wirklich für jeden etwas dabei.

Und selbst für Ruhrpott-Klugscheißer gibt es noch was zu lernen! Oder wusstet Ihr, dass die Issel das nördliche Ende vom Pott definiert, die Lippe im Osten und die Gochfortzley im Westen?

Ein paar Eindrücke gefällig? Sehr gerne!

Ich mache für Euch eine ganz kurze Beschreibung der einzelnen Etappen (in Klammern: Länge in km und Höhenmeter in m). Falls Ihr es ganz genau wissen wollt, findet Ihr die Start- und Endhaltestellen sowie die Tracks als Downloads bei komoot oder beim Alpenverein – sucht einfach nach „Rund um’s Ruhrgebiet“. Da gibt’s auch noch mehr Fotos. Die Kilometerangaben hier und bei komoot/Alpenverein weichen leicht voneinander ab. Hier findet Ihr die Angaben aus der Planung. Bei kommot/Alpenverein sind die tatsächlich gelaufenen Tracks hinterlegt. Falls Ihr die komplette Tour oder einzelne Etappen nachwandern wollt, empfehle ich Euch, die Etappen vorher zu aktualisieren, zum Beispiel im Wanderplaner NRW. Und noch ein Tipp für Besucher: Wer sich die komplette Tour als Tourist vornehmen will, muss nicht sein komplettes Gepäck mitschleppen. Mit einer Unterkunft in der Nähe eines Bahnhofs entlang der Strecke zwischen Duisburg und Hamm, lassen sich alle Etappen prima als Tagestouren angehen.

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 1: Mülheim-Selbeck – Essen-Kettwig (10,5/173)

Das ist die kürzeste Etappe von allen. Und wie gesagt: Zu Beginn folgen wir dem neanderland Steig, also einfach dem weißen „n“ auf rotem Grund. Die Höhenmeter kommen zum Schluss, im Wald rund um Schloss Landsberg.

Das Foto zeigt das Schloss Landsberg in Essen
Schloss Landsberg

Da Ihr nach dieser Tour bestimmt noch nicht müde seid, ein paar Tipps von mir: Am Schloss Landsberg könnte Ihr noch einen Abstecher zum Schloss Hugenpoet machen. Das Wasserschloss ist mit seinem Park hübsch anzusehen und gutes Essen gibt es dort auch. Oder Ihr lauft am Ende der Tour noch über die Ruhr, in den schmucken Essener Stadtteil Kettwig. Als Belohnung locken eine schöne Altstadt und zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. In den warmen Monaten lädt auch die Weiße Flotte zur Mini-Ruhrkreuzfahrt ab Kettwig ein: Zurück nach Mülheim oder weiter bis zum Baldeneysee sind mögliche Ziele.

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 2: Essen-Kettwig – Velbert (14/435)

Die ersten 4,5 Kilometer geht es tüchtig rauf und runter. Tolle Ausblicke ins Ruhrtal entschädigen Euch aber für die Mühe. Nicht-Ruhris sind auf dieser Tour wie auch im ganzen Pott immer herzlich willkommen. An dieser Stelle aber eine kleine Warnung an Euch: Mitwandernde Ruhris werden mindestens die Augen verdrehen, wenn Euch hier ein „Meine Güte, ist das grün hier!“ über die Lippen kommt … Die Tour endet in der Schloß- und Beschlägestadt Velbert. Sie gehört bereits zum Kreis Mettmann und damit nicht mehr zum Ruhrgebiet. Ist trotzdem schön dort. In den nächsten Etappen durchwandern wir nun Teile das Bergischen Lands, benannt nicht etwa nach den zahlreichen Hügeln, deren auf und ab wir zu spüren bekommen werden, sondern nach dem historischen Herzogtum Berg.

Das Foto zeigt den Blick ins Ruhrtal bei Kettwig
Blick ins Ruhrtal bei Kettwig. Im Hintergrund die Ruhrtalbrücke

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 3: Velbert – Velbert-Nierenhof (19,4/552)

1975 – im Zuge der letzten großen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen – wurden die Gemeinden Neviges, Langenberg und Velbert zu einer Stadt zusammengeschlossen. Dabei war die einwohnerstärkste Gemeinde Velbert namensgebend für den neuen Verbund. So führt diese Tour also fast ausschließlich über Velberter Stadtgebiet, ermöglicht aber noch – je nach Vegetation – einen Blick auf die Schalke-Arena und den Baldeneysee! Am Ende der Tour lohnt sich architektonisch und kulinarisch der Abstecher in die Langenberger Altstadt. Die zahlreichen altehrwürdigen Villen zeugen vom Reichtum dieser ehemals selbständigen Stadt. Der Handel als Grenzstadt und die Tuchfertigung waren die Quellen dieses Reichtums.

Das Foto zeigt Fachwerk in der Langenberger Altstadt
Langenberger Altstadt

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 4: Velbert-Nierenhof – Schwelm (21,9/559)

Gleich zu Beginn der Wanderung überqueren wir die bedeutendste Grenze innerhalb von NRW: Der Deilbach markierte hier über Jahrhunderte die Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen. Glücklicherweise werden wir auf unserer Wanderung nur noch historische Hinweise auf diese Grenze finden. Heute heißt es auch Abschied nehmen vom neanderland Steig. Ab jetzt werden Karte und Kompass oder GPS-Navigation benötigt. Der neanderlandsteig wendet sich Richtung Südwest, während wir Richtung Südost auf Schwelm zuwandern. Schwelm ist die Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises und damit wieder Ruhrpott – zumindest formal gemäß der Definition vom Regionalverband Ruhr. Wobei ich glaube, dass der Ennepe-Ruhr-Kreis gefühlsmäßig gespalten ist, was die Zugehörigkeit zum Pott angeht. Meine These: Würde man die BürgerInnen der nordwestlichen Gemeinden – also Hattingen, Witten, Herdecke, Wetter und Sprockhövel – fragen: „Seid Ihr Ruhris?“ würden die einen mehrheitlich schräg angucken und antworten: „Watt willst Du denn von mir? Ja, klar!“ Immerhin ist hier die Wiege des Ruhrbergbaus! Die gleiche Frage in Gevelsberg, Schwelm, Ennepetal oder Breckerfeld hätte vermutlich mehrheitlich ein knappes „Wir sind Bergische!“ zur Antwort. Über andere Meinungen zur These in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen!

Das Foto zeigt die Altstadt von Schwelm
Gastronomische Außenwerbung in Schwelm

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 5: Schwelm – Breckerfeld (23/617)

Von allen Etappen ist dies hier diejenige mit den meisten Höhenmeter – also mit Respekt ans Werk! Die Kreisstadt bietet eine ganze Menge an bergischer Bausubstanz: Viel Schieferverkleidung, die oberen Etagen werden größer verglichen zum Grundriss des Erdgeschosses und zum Töttern sind die Eingangstüren zweigeteilt. Hinter der Stadtgrenze wird es richtig ländlich – Wälder und Felder dominieren den Rest des Weges. Die Breckerfelder lieben es, den städtischen Wanderer vor lustigen Herausforderungen zu stellen. Gerne führt der markierte Wanderweg über eine Weide voller Rindviecher. Deren Hörner sind ganz schön spitz. Und groß sind die auch, wenn man sich ohne Zaun Aug‘ in Aug‘ gegenübersteht…

Das Foto zeigt grüne Wiesen Richtung Breckerfeld
Richtung: Breckerfeld

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 6: Breckerfeld – Radevormwald (24,7/515)

Breckerfeld ist die südlichste Gemeinde im Pott. Demzufolge ist der südlichste Punkt von Breckerfeld der südlichste vom Pott. Ihm gilt der Schlenker der heutigen Tour. Leider ist er nicht direkt zugänglich, sondern liegt unspektakulär und versteckt hinter einem Reiterhof. Typisch Pott eben. Baulicher Star dieser Etappe ist zweifellos die Ennepe-Talsperre. Es ist eine von acht Talsperren, die der Ruhrverband bewirtschaftet, um die Trinkwasserversorgung der Region sicherzustellen.

Das Foto zeigt die Ennepe-Talsperre
Die mächtige Ennepe-Talsperre

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 7: Breckerfeld – Hagen Hohenlimburg (21,3/478)

Und noch einmal ist Breckerfeld Ausgangspunkt für eine Etappe. Vom Land in die Stadt könnte man meinen. Osthaus Museum und Hohenhof statt Scheunenfest. Tatsächlich ist aber die gesamte Tour durch die Natur dominiert. Auch der Hagener Stadtteil Hohenlimburg hat sich seinen schönen dörflichen Charakter sehr gut bewahrt. Und liebe Hagener und Folkwang-Jünger – bitte nicht böse sein: Müsste ich mich zwischen dem Hohenhof und einem von der Breckerfelder Landjugend organisierten Scheunenfest entscheiden…

Das Foto zeigt Hühe in Breckerfeld
Morgens in Breckerfeld

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 8: Hagen Hohenlimburg – Schwerte (24,1/380)

„Einfach durch die schöne Natur“ beschreibt diese Etappe ziemlich gut. Wer die notwendige Kondition hat, dem sei noch ein Abstecher zur Dechenhöhle in Letmathe empfohlen. Am Ende der Tour treffen wir wieder einmal auf die Ruhr. An der reduzierten Breite – verglichen mit dem letzten Anblick in Kettwig – erkennen wir, dass wir uns schon deutlich Richtung Quelle bewegt haben.

Das Foto zeigt Zeugnisse der Schwerindustrie in Hohenlimburg
Zeugnisse der Schwerindustrie in Hohenlimburg

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 9: Schwerte – Fröndenberg (28,7/388)

Wir hatten ja bereits im Ennepe-Ruhr-Kreis gelernt, dass es deutlich ältere Regionenbezeichnungen gibt als das Ruhrgebiet. So tragen dort viele mann- und frauhaft das schwere Schicksal, im Bergischen Land UND im Ruhrgebiet zu leben. Ähnliches gilt für die Bewohner von Ausgang und Ziel unserer heutigen Etappe. Als Zugehörige zum Kreis Unna sind sie waschechte Ruhris mit einer „doppelten Staatsbürgerschaft“ ins Sauerland. In einer gemütlichen Etappe folgen wir der Ruhr in ihrem Tal – zum größten Tal auf dem Ruhrtalradweg.

Das Foto zeigt den Verkaufsstand eines Bauernhofs zwischen Schwerte und Fröndenberg
Einkaufen zwischen Schwerte und Fröndenberg

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 10: Fröndenberg – Welver (31,7/316)

Heute verlassen wir die Ruhr – endgültig auf unserem Weg rum um den Pott! Bis zur Quelle in der Nähe von Winterberg wären es noch vier Tagestouren auf dem Ruhrhöhenweg. Aber uns zieht es ja nun zum östlichsten Punkt im Pott und so wandern wir überwiegend durch die Felderlandschaft der Soester Börde.

Das Foto zeigt die Soester Börde
Die Soester Börde präsentierte sich grau in grau

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 11: Welver – Hamm-Heessen (30,1/122)

Heute steht der östlichste Punkt vom Pott auf dem Programm. Ich meine noch gelernt zu haben, dass die Lippe im Norden das Ruhrgebiet begrenzt. Tatsächlich ist sie aber das östliche Grenzflüsslein – und ein sehr ansehnliches dazu! Sehr wohltuend schlängelt sie sich durch die naturbelassenen Lippe-Auen.

Das Foto zeigt den östlichsten Punkt des Ruhrgebiets an den Lippe-Auen
Datt isser – der östlichste Punkt vom Pott fällt ins (Lippe-)Wasser

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 12: Hamm-Heessen – Lünen (34,7/404)

Ich gestehe gleich zu Anfang, dass ich diese Tour in Werne unterbrochen habe. Es war ein verdammt heißer Sommertag und eine brutale Brückensperrung sorgte für eine demoralisierende Streckenverlängerung von einigen Kilometern. Und die Altstadt von Werne ist es absolut wert, ein wenig näher betrachtet zu werden. In Lünen bin ich immer wieder begeistert, wenn ich die Bahnhofsunterführung zu den Gleisen betrete: Die zitronengelbe Farbe hebt sich so angenehm vom Einheitsgrau der Unterführungen ab, und die schön aufgemalten Filmfiguren sind echte eye-catcher!

Das Foto zeigt den Bahnhof von Lünen
Lünen Bahnhof mit Marlene

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 13: Lünen – Datteln (26,3/124)

Kanäle sind wichtige Wasserstraßen im Ruhrgebiet und darüber hinaus. Neben ihrem ursprünglichen Zweck, dem Warentransport, tragen sie heute maßgeblich zum Freizeitwert der Region bei. Wanderer, Angler, Wassersportler, Hobbykapitäne – sie alle kommen hier auf ihre Kosten! Heute wandern wir entspannt an zwei wichtigen Kanälen entlang: am Datteln-Hamm- und am Dortmund-Ems-Kanal.

Das Foto zeigt ein Hausboot auf dem Datteln-Hamm-Kanal
Entspannung auf dem Datteln-Hamm-Kanal

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 14: Datteln – Haltern am See (20,6/196)

Wer faul ist, muss findig sein – hat schon mein Mathelehrer Kestermann vor über 40 Jahren gesagt! Diese Tour habe ich nicht im Rahmen von „Rund ums Ruhrgebiet“ gemacht. Vielmehr war es eine Wanderung im Rahmen der Sondertouren „Auf der Walz“ vom RVR. Leider habe ich keinen GPS-Track mehr gefunden, aber Fotos gibt’s. Wenn Ihr in den Sommermonaten unterwegs seid, habt Ihr gute Chancen, einen aktiven Holzkohlenmeiler bei Flaesheim zu entdecken. Der Köhler erklärt sehr gerne sein uraltes Handwerk. Fast am Ende der Etappe sind natürlich die Haltener Heide und der Strand am Haltener Stausee echte Hingucker.

Das Foto zeigt einen Holzkohlenmeiler bei Flaesheim
Holzkohlenmeiler bei Flaesheim

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 15: Haltern am See – Dorsten-Rhade (23/193)

In Haltern treffen wir zum ersten Mal auf Spuren der alten Römer. Das wird später noch sehr viel heftiger werden! Bei der Wanderung durch die Hohe Mark begegnen wir am Galgenberg auch dem 2021 eröffneten Steig gleichen Namens.

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 16: Dorsten-Rhade – Borken (22,9/45)

Je weiter wir Richtung Norden wandern umso deutlicher wird nun der münsterländliche Charakter der Landschaft. Die schönen Fachwerke der Bauernhäuser sind eine echte Augenweide. Bei meiner Wanderung hat mich ein Sandsturm (!) vom Abstecher nach Raesfeld abgehalten. Falls Ihr bei besserem Wetter unterwegs seid, solltet Ihr Euch dieses Kleinod nicht entgehen lassen.

Das Foto zeigt einen Sandsturm kurz vor Raesfeld
Sandsturm, kurz vor Raesfeld

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 17: Borken – Bocholt (24,5/62)

Das ist die einzige Etappe, die komplett außerhalb des Ruhrgebiets verläuft. In beiden Städten enden Bahnlinien, trotzdem sind wir nicht am Ende der Welt. Ganz im Gegenteil: Bei der Anreise aus den trubeligen Ruhrgebietsmetropolen spürt man die hohe Lebensqualität, die sich ergeben kann, wenn man einen oder zwei Gänge zurückschaltet und alles etwas familiärer zugeht. Richtig schön sind die renaturierten Bachläufe der Borkener und Bocholter Aa. Hat so ein bisschen was vom mini-Amazonas.

Das Foto zeigt die Aa in Borken
Die Borkener Aa

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 18: Bocholt – Haldern (Rheinl) (22,5/36)

Beim Wettstreit um den nördlichsten Punkt im Pott liefern sich die Kreise Recklinghausen und Wesel ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ganz knapp hat die Gemeinde Hamminkeln im Kreis Wesel die Nase vorn. Bei Isselburg, wo die Straße Münsterlandtor über die Issel führt, da isset.

Das Foto zeigt die Issel am nördlichsten Punkt des Ruhrgebiets
Jetzt nur noch über die Issel, dann sind wir am nördlichsten Punkt vom Pott.

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 19: Haldern (Rheinl) – Xanten (24,8/67)

Nach Bergischem Land, Sauerland, Soester Börde und Münsterland kommen wir nun zur letzten Region mit einem sehr eigenständigen und schönen Landschaftsbild: dem Niederrhein. Der westlichste Punkt vom Kreis Wesel und damit auch vom Pott ist ja linksrheinisch. Also müssen wir zunächst einmal rüber, über den Rhein. Bei Rees gibt es eine Fähre und eine Brücke. An dieser Stelle folgt ein echter Geheimtipp für alle, die – wie ich – nicht gerne über große Brücken gehen. Falls Ihr in Rees zu Beginn des angekündigten Fährbetriebs weit und breit keine Fähre seht: Habt mehr Geduld als ich, der Betrieb beginnt versteckt in der Reeserschanz auf der anderen Seite. Die alternative Brücke ist über einen Kilometer lang und gibt somit hinreichend Zeit, sich VIELE Gedanken um den Zustand der Brücken in NRW zu machen …

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 20: Xanten – Sonsbeck (24,3/67)

Auch ohne Wanderung ist Xanten immer einen Ausflug wert. Schon allein die Altstadt und natürlich das Römermuseum mit seinen imposanten Bauten füllen mehr als einen Tag. Doch wir verlieren heute nicht unser Ziel aus den Augen: der östlichste Zipfel vom Pott in der Gemeinde Sonsbeck. Da, wo das majestätische Grenzflüsslein, die Gochfortzley, auf die Autobahnausfahrt Uedem der A57 trifft. Leider ist der Punkt zu Fuß nicht ganz zu erreichen. Von dort geht es dann noch durch eine schöne Feldlandschaft zum Ortskern von Sonsbeck.

Das Foto zeigt zeigt die westliche Grenze des Ruhrgebiet ins Xanten und Sonsbeck
Da hinten rechts ist der Pott im Westen zu Ende.

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 21: Sonsbeck – Kamp-Lintfort (26,4/238)

Ganz beschaulich geht es durch Felder und Wälder nach Kamp-Lintfort. Ihr müsst unbedingt am Kloster Kamp eine längere Pause einplanen. Der Klostergarten ist ja weithin bekannt und besticht vor allem durch seine spiegelsymmetrische Anordnung. Und ja, wer Ähnlichkeiten zu Sanssouci entdeckt: Der Baubeginn in Kamp war ca. 4 Jahre vor dem Baubeginn in Sanssouci und Friedrich II bereiste in dieser Zeit den Niederrhein.

Das Foto zeigt den Garten von Koster Kamp
Der Garten von Koster Kamp

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 22: Kamp-Lintfort – Duisburg-Trompet (18,6/66)

Ein Stück weit folgen wir in Kamp-Lintfort dem Bergbauwanderweg. Und natürlich führt der uns durch die Alt-Siedlung Friedrich Heinrich. Diese Bergarbeiter-Siedlung, gerne Zechenkolonie genannt, entstand in den 1930er Jahre. Sie ist eine der größten ihrer Art im Pott. Ach so – hier noch ein Geheimtipp für die Frühaufsteher: Ein kurzer Teil der Etappe führt über das Gelände des Kleingartenvereins Sonnenblume. Die Kleingärtner versprechen, morgens um 8 Uhr aufzuschließen … das nehmen sie nicht so genau. Es sei ihnen gegönnt. Später geht es durch die wunderschöne Innenstadt von Moers. Auch wenn die zahlreiche Außengastronomie zum Verweilen einlädt: Pause ist OK – aber Ziel bleibt Trompet!

Das Foto zeigt die Innenstadt von Moers
Richtig einladend – die Innenstadt von Moers

Einmal Rund ums Ruhrgebiet – Etappe 23: Duisburg-Trompet – Mülheim-Selbeck (21,3/220)

Seid Ihr bereit für die Schluss-Etappe? Prima! Vorbei an Tegge und Töppersee streifen wir den Stadtpark von Rheinhausen. Und dann wird es episch. Vor uns der Rhein und die „Brücke der Solidarität“, die ja Rheinhausen mit Hochfeld verbindet. Die Älteren von uns werden sofort Bilder und Worte im Kopf haben, die im Arbeitskampf um das Hüttenwerk in Rheinhausen im Winter 1987/88 entstanden sind. Den Jüngeren möchte ich es wirklich nahelegen, ein wenig im Internet zum Thema zu stöbern.

Ein Sprung in die Geschichte

Wusstet Ihr, dass Helmut Laakmann, der rhetorische Kopf im Arbeitskampf, nicht etwa Betriebsrat und Gewerkschafter war, sondern einer der Betriebsleiter im Werk? Den hat nix vor einer Kündigung durch seinen Arbeitgeber geschützt – außer seinen Mut, der auch heute noch allergrößten Respekt verdient. Als Betriebsrat war Theo Steegmann auf der Bühne der Stillere, konnte so aber mit dem Vorstand die wichtigen Verhandlungen führen. Eine geniale Arbeitsteilung! Ich bin sicher, auch Ihr werdet schnell eine Gänsehaut bekommen und vielleicht auch ein wenig „Pippi in die Augen“, falls Ihr Euch mit dem Thema beschäftigt. Strukturwandel kann so grausam sein; ihn vermeiden zu wollen ist aber leider keine nachhaltige und wirksame Strategie. Strukturwandel als Generationenprojekt begreifen und mitzugestalten, das scheint mir der erfolgversprechendste Weg zu sein. Und da sind wir im Pott verdammt gut!

Schreckliche Erinnerungen an die Love Parade

Allein diese Geschichte birgt Emotionen für weit mehr als eine Wander-Etappe. Aber wenn wir auf der Karl-Lehr-Straße die Bahnstrecke Duisburg-Düsseldorf unterqueren, dann begegnen wir einem weiteren Drama aus der jüngeren Ruhrgebiets-Geschichte. Mitten im Jahr 2010, als Essen für das Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt war, starben in diesem Tunnel 21 junge Menschen, Hunderte wurden verletzt. Sie alle wollten einen vergnüglichen Tag und Abend auf der Love Parade verbringen. Bestimmt haben die allermeisten von Euch jetzt auch direkt die fürchterlichen Bilder von Panik und tödlichem Gedränge vor Augen. Als einer der zahlreichen Volunteers bei der Kulturhauptstadt war ich an diesem Tag am Duisburger Hauptbahnhof und habe die ausgelassen feiernden Gäste empfangen. Sehr wahrscheinlich, dass auch einige der späteren Opfer darunter waren. Bestimmt versteht Ihr, dass ich immer wieder einen dicken Kloß im Hals habe, wenn ich durch diesen düsteren Tunnel schreite …

Glücklicherweise endet unsere Wanderung nicht hier. Das satte Grün rund um die 6-Seen-Platte, im Wambach- und im Rottbachtal hilft, diese Wanderung in Selbeck mit positiver und glücklicher Stimmung zu beenden – die Wanderung einmal „Rund ums Ruhrgebiet“.

Ein Artikel von Dirk Spingat

Das Foto zeigt Dirk Spingat
Ich habe den Rundweg „Rund ums Ruhrgebiet“ geschafft!

Dirk Spingat ist in Essen geboren und dort zur Schule und zur Uni gegangen. Nach der Promotion in Theoretischer Chemie hat er knapp 30 Jahre in einem global agierenden Pharmaunternehmen arbeiten können. Dabei hat er einiges von der Welt gesehen und ist sich immer noch total sicher: Der Pott ist „the place to be“! Für seinen Geschmack machen wir zwar den notwendigen Strukturwandel immer noch zu langsam und zu halbherzig – aber hey: zeige erstmal eine/r, wo es besser läuft! „Läuft“ bringt ihn dann auch zum Wandern. Einer Leidenschaft, der man im Ruhrgebiet ausgiebig nachgehen kann. Neben „nett im Grünen“ gibt es hier aber noch viel mehr zu erwandern: Parks, Seen, Bäche, Flüsse & Kanäle, Wälder, Felder, Moore, Heide, Strand, Halden, Häfen, Siedlungen, Altstadtkerne, Kirchen, Industriekultur, Buden, Burgen & Schlösser, Schleusen, tolle Brücken, … Dazu noch die 5,1 Millionen Ruhris – die allermeisten davon Nachfahren von Zugezogenen der letzten 200 Jahre! Nennt man wohl Schmelztiegel. Watt gibbet hier eigentlich nich‘? Ach so, seit 2020 kann Dirk sich neben dem Wandern auch noch seinen weiteren Leidenschaften widmen: Familie, Fotografie, Schach und fineeatanddrink (von der Pommesbude bis zum Sterneschuppen)!

4 Kommentare auf den Beitrag “Meine Wanderung einmal rund ums Ruhrgebiet – 514 Kilometer und 23 Etappen

  1. Als Breckerfelder kann ich sagen, dass wir uns mehrheitlich als Sauerländer fühlen, aber dennoch den „höchsten Punkt des Ruhrgebiets“ gerne im Stadtgebiet haben. Dieser tolle Bericht wandert (unabsichtlicher Wortwitz) direkt zu meinen Lesezeichen, auch wenn ich die Strecke wahrscheinlich eher mit dem Mountainbike angehen würde. Aber Lust zu starten habe ich direkt bekommen. Et is hier schöner allze denks!

    Viele Grüße aus den Breckerfelder Hügeln!

  2. Toll, vielen Dank für diese Planung. Es juckt beim Lesen richtig in den Füßen und ganz kleinlaut muss ich zugeben, dass ich die majestätische Gochfortzley noch gar nicht kannte ☺️… soviel noch zu entdecken!

    • Hallo Eva – Danke für den netten Kommentar! Ja, die Gochfortzley war mir vorher auch unbekannt. Eine Bildungslücke zu der man – glaube ich – durchaus stehen kann 😉

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